Kolumne: Zeug & Stücke — Teresa Präauer über das Telefonorakel Robert Wilson

Prophezeiung

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Prophezeiung auf nachtkritik.de bisher: 32 Mal

5. Januar 2016. Angesichts der Lektüre eines aktuellen Interviews mit Bob Wilson im britischen Guardian kann ich nicht anders, als das neue Kolumnenjahr auf nachtkritik.de mit einem Close Reading zu eröffnen. Nachdem Bob Wilson in diesem Interview selbst die Kunst der Prophezeiung praktiziert, möge Folgendes nun mit dem Habitus des Ausblicks aufs noch frische Jahr gelesen werden. Vorausgeschickt sei allerdings, dass die mediale Berichterstattung mitunter dazu neigt, Aussagen ihrer Interviewpartner verkürzt oder vereinfacht darzustellen – freilich als Serviceleistung für den Leser und die Leserin, die "in unserer schnelllebigen Zeit" komplexer Inhalte gar nicht mehr habhaft werden können –, wir wissen also nicht, ob Bob Wilson tatsächlich so geweissagt hat, als er, in Linz/Oberösterreich seine Inszenierung von Verdis "La Traviata" probend, den Guardian an der Strippe hatte. Doch womöglich hielt er sich, auch eingedenk der Telefonkosten, an den Neujahrsvorsatz: "Keep it simple."

Kolumne: Zeug & Stücke — Teresa Präauer über Hosenrollen

Hosenrolle

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Hosenrolle auf nachtkritik.de bisher: 14 Mal.

17. November 2015. Ich will zurück nach Iowa. "Ach, geh doch zurück nach Iowa!" Nein, Wien ist eh auch gut, sagt die ZEIT in der aktuellen Ausgabe ihres Magazins. Hinzugefügt werden darf, dass die Stadt Wien ja aus mehreren Dörfern besteht. Was bloß heißt, dass es uns Bewohnern leicht fällt, einander geografisch aus dem Weg zu gehen. Das macht es auch einfacher, hier in Wien an seinem sogenannten Roman zu arbeiten, anstatt dort, in Iowa, ständig davon abgelenkt zu werden.

Kolumne: Zeug & Stücke - Teresa Präauer übers Heimkommen

Homecoming

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Homecoming auf nachtkritik.de bisher: einmal. Mit heutigem Eintrag: öfter.

13. Oktober 2015. Noch weile ich in der Ferne. In Iowa City, Amerika, habe ich soeben das "Homecoming Weekend", halb feiernd, halb staunend, hinter mich gebracht. Und Cyndi Lauper, nein, die "Chvrches" haben gespielt, bei freiem Eintritt auf dem Rasen des Pentacrest, einer Ansammlung von Gebäuden rund um das Old Capitol, dem Nullpunkt im orthogonalen Straßennetz der Stadt. Schwarz-gold gewandete Studentinnen und Studenten sind im Takt dazu gehüpft, am Nachmittag vorher gabs Paraden und Umzüge, tags darauf das Football-Spiel Iowa vs. Illinois. "Go, Hawks!"

Kolumne: Als ich noch ein Kritiker war - Wolfgang Behrens erklärt, was die Impfkampagne vom Theater lernen kann

Impfen wie damals bei Peymann

von Wolfgang Behrens

30. März 2021. Gestern habe ich ein neues Wort gelernt. Ich begegnete ihm in einer nachtkritik-Meldung über die Auswertung des Pilotprojekts in der Berliner Philharmonie zur Öffnung von Kulturveranstaltungen während der Corona-Krise. Meine spontane Interpretation des Wortes lief jedoch ins Leere, denn "No-Shows" (ja, um dieses Wort geht es) sind mitnichten das, was derzeit an allen Theatern und Konzerthäusern zu erleben ist, nämlich "keine Shows". Wenn eine erste schnelle Internet-Recherche nicht trügt, dann stammt der Begriff "No-Show" vielmehr aus der Touristik und bezeichnet das Nicht-Erscheinen einer Person, obwohl diese eine Buchung getätigt hat. Im Falle des Pilotkonzertes in der Berliner Philharmonie gab es bei 1000 Buchungen 43 solcher No-Shows – der Quelle zufolge ist das eine recht geringe "No-Show-Rate". Demnach würde eine No-Show-Partei normalerweise bei Wahlen die Fünf-Prozent-Hürde locker überspringen (falls sich die Menschen hinter den No-Shows nicht als Nichtwähler erweisen sollten).