Nichts Neues

2. April 2024. Originalität war einmal eines der wichtigsten Talente von Dramatiker*innen. Inzwischen erfindet kaum jemand mehr etwas. Wie die Fantasie aus dem Theater verschwindet.

Von Michael Wolf

2. April 2024. Falk Richter erzählt in "The Silence" von seinem Aufwachsen in einem von Gewalt und Traumata geprägten Elternhaus. Lolita Lax und Jean Peters schildern in "Geheimplan für Deutschland" auf Grundlage der Correctiv-Enthüllungen ein Treffen rechter Aktivisten. Und "Nora oder wie man das Herrenhaus kompostiert" von Sivan Ben Yishai variiert einen Klassiker von Henrik Ibsen.

Auf den ersten Blick haben die drei Stücke nicht viel miteinander gemeinsam. Etwas jedoch, das sie alle verbindet, ist geradezu maßgeblich für die Dramatik unserer Tage: Die Texte verweisen in erster Linie auf etwas, das ihnen vorgängig ist, sei es die Biografie des Autors (bei Richter), ein politisches Ereignis (bei Lax und Peters) oder ein anderer literarischer Text (bei Ben Yishai). Handlungen, Dramaturgien und Figuren sind hier nicht erfunden, sondern nur gefunden.

Mehr Originalität

Die genannten Stücke stehen exemplarisch für eine Menge weiterer, die ganz ähnliche Verfahren anwenden. Falk Richter folgte mit "The Silence" den Bearbeitungen der Bücher von Édouard Louis oder Didier Eribon. Der Investigativjournalismus findet immer öfter Platz auf der Bühne, man denke an jüngste Beispiele wie "Das Kraftwerk" in Cottbus oder Calle Fuhrs Recherche zum Geschäftsmann René Benko. Und die Klassikeraktualisierung ist schon seit Jahren so gängig, dass man sich fast wundert, wenn ein Goethe, Schiller oder Hauptmann ohne Co-Autor auf dem Programmzettel steht.

Natürlich gibt es weiterhin Autorenpersönlichkeiten, die auf der Eigenständigkeit ihrer Werke beharren. Es gibt Wolfram Lotz, es gibt Caren Jeß, es gibt Clemens Setz, um einige zu nennen. Doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Beobachtung: Ein immenser Teil dessen, was dieser Tage für das Theater geschrieben wird, arbeitet sich an etwas ab, das es schon längst gibt.

Sagen, was sein könnte

Die Ansicht, Schreiben hätte wesentlich mit Fantasie, mit Vorstellungskraft, mit Erfindungsgabe zu tun, wird Mal um Mal widerlegt und als geradezu naive Idee vorgeführt. Tatsächlich ist schreiben oft gar kein passender Ausdruck für die Tätigkeit des Dramatikers mehr. Das Wort "adaptieren" wäre viel geeigneter. Anstatt etwas Neues zu schaffen, passt man Bestehendes an. Man agiert nicht, sondern reagiert nur.

Die Maxime der Originalität weicht so neuen Zielen wie etwa dem journalistischen Credo "Sagen, was ist". Was aber, wenn ich gar nicht wissen will, was ist, sondern lieber, was noch alles denkbar wäre? Hierfür sah sich die Literatur und insbesondere das Theater doch einmal zuständig. Viel ist an den Bühnen von "Möglichkeitsräumen" die Rede, man beschwört hier mit Vorliebe einen Ort, an dem für die Dauer einer Aufführung alles geschehen kann. Was aber geschieht dann? Nichts Neues. Nichts, was nicht zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal geschehen wäre.

Raus aus der Wiederholung

An der Postmoderne geschulte Dramaturgen dürften einwenden, dass nur nach dem Neuen rufen kann, wer seinen Lyotard, seinen Derrida, seinen Fukuyama schlampig gelesen habe. Denker wie sie verkündeten, dass nichts Eigentliches oder Originelles mehr zu erwarten wäre, sondern nurmehr die Kombination des Bekannten. Eine Voraussage, die sich jedoch mit jeder Ausgabe der Tagesschau schlicht als falsch erweist, denn natürlich ist die Geschichte nicht an ihr Ende gelangt. Warum sollte also die Kunst in der Wiederholung verharren?

Natürlich ist eine selbstbewusste, auf ihren Erfindungsreichtum setzende Dramatik kein Allheilmittel für das Theater. Man kann sich ja schließlich auch den flachsten Blödsinn ausdenken. Und umgekehrt sind unter den Neudichtungen von Klassikern, unter journalistischen oder autofiktionalen Werken selbstverständlich große Arbeiten zu finden. Es geht mir nicht darum, einzelne Autoren oder Poetologien zu disqualifizieren. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass dem Theater als Kunstform etwas Bedeutendes verloren geht, wenn es seinen Anspruch auf Originalität aufgibt. Es gibt kaum Räume in der Gesellschaft, in der die Fantasie frei walten darf. Man sollte sie nicht ohne Not mit altem Zeug vollstellen.

Kolumne: Als ob!

Michael Wolf

Michael Wolf hat Medienwissenschaft und Literarisches Schreiben in Potsdam, Hildesheim und Wien studiert. Er ist freier Literatur- und Theaterkritiker und gehört seit 2016 der Redaktion von nachtkritik.de an. 

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Kommentare  
Kolumne Wolf: Anmerkungen von Ulf Schmidt
Sehr geehrter Herr Wolf,
ein oder zwei Dinge, die ich gerne zu Ihren anregenden Text ergänzen möchte:

1. Sie schreiben über das Schreiben heutiger Autor*innen, das Sie – meine ich unterstellen zu dürfen – aus der Anschauung gespielter Texte besagter Autor*innen beurteilen. Ohne damit die Richtigkeit oder Falschheit Ihres Urteils beurteilen zu können, erlaube ich mir dennoch, die Faktenbasis zu befragen. Denn die gespielten Texte haben einen zumeist zweistufigen Selektionsprozess durchlaufen: oft (wenn auch nicht immer) findet die erste Selektion bei Theaterverlagen statt, die Texte ins Programm aufnehmen oder nicht. Immer findet jedenfalls der Selektionsprozess für gespielte Texte bei Theatern statt, die entscheiden, was gespielt wird. Ob die von Ihnen diagnostizierte Präferenz für "Aufgeschriebenes“ und die Entscheidung gegen "Originales" also bei den (Auf-)Schreibenden zu verorten ist oder in den Selektionsstufen ist eine Frage, die vielleicht vor Urteilsverkündung zu klären wäre. Denkbar wäre etwa eine schnelle Anfrage bei Verlagsleitungen bzw. Lektoraten oder auch in Dramaturgien, ob sich hier in den letzten Jahren oder Jahrzehnten eine deutlich wahrnehmbare quantitative und qualitative Verschiebung hin zum Un-Originellen ablesen lässt. Auch ein Hinweis auf eigene Leseerfahrungen etwa im Rahmen von Stück-Wettbewerben könnte hilfreich sein, um ein Verständnis Ihrer Faktenbasis zu bekommen, die über Ihre eigne Selektion von Theaterbesuchen hinausgeht. Das würde es leichter machen, Ihren Text nicht nur als Ergebnis österlicher Kreuzigungslust einer künstlerischen Berufsgruppe zu verstehen.

2. Daneben fühle ich mich durch Ihren Text angeregt, über Ihre Selektionspräferenz für "Originalität“ und Ihre Verwendung dieser Kategorie nachzudenken. Wenn ich den Beruf von Theaterkritisierenden nicht einfach im privilegierten Zugang zu Publikationsmitteln missverstehen will, darf ich wohl annehmen, dass das kritische Gewerbe sich unter anderem (wenn auch nicht nur) durch reflektierte Seherfahrung, zumindest grobe historische Bildung und reflektierten Umgang mit Begriffen und urteilsbegründenden Kategorien auszeichnet. Ich finde bei Ihnen mit Blick auf Letztere insbesondere die Kategorien "Originalität", die mit Ihrer zweiten Kategorie "Fantasie" zumindest teilweise deckungsgleich zu sein scheint. Außerdem die Kategorie "Größe", die wiederum – das betonen Sie – nicht gänzlich deckungsgleich mit den beiden vorherigen Kategorien ist. Originalität und Fantasie stehen im Gegensatz zu "Aufgeschriebenem" und "Vorgefundenem" und damit "Altem", das von Schreibenden beobachtet wurde, um auf Papier gebracht zu werden. Was für Sie eben nicht mit der Kategorie der "Originalität" vereinbar ist. Wenn Sie also einen Text über Beobachtungen im Theaterbetrieb der Gegenwart aufschreiben, so würden Sie das vermutlich als unoriginell und fantasielos qualifizieren. Ähnlich wie das gesamte Gewerbe der Theaterkritik, die eben nur Beobachtetes aufschreibt und kritisch würdigt (was übrigens nicht so weit entfernt ist von einem gegenwartskritischen Theater- nebenbei gesagt).

Darin möchte ich Ihnen keinesfalls folgen. Denn ich finde etwa Ihren Blick auf die Vergangenheit des Theaters äußerst fantasievoll. Insbesondere dort, wo aus dem "es ist schon immer so gewesen" die normative "Maxime der Originalität“ abgeleitet wird. Das würde voraussetzen, dass in Zeiten vor der von aufschreibenden Fantasielosen geprägten Gegenwart ein theatrales Zeitalter zu finden gewesen wäre, das "sich an etwas abarbeitet", das es vor dieser Schreibarbeit noch nicht gab, an etwas (in Ihren Worten), das den Texten nicht "vorgängig" ist. Sprich: keine vorgefundenen Mythen, Stoffe, Historien, Erzählungen, Bücher, Meldungen, Nachrichten und so weiter.

Würde man sich nun aber der Mühe unterziehen, die Texte der Vor-Gegenwart derart zu kategorisieren, müsste man vermutlich Ihre "Maxime der Orginalität" revidieren müssen. Aischylos, Sophokles, Euripides, Seneca dürften in Ihrem Kategoriensystem eindeutig zu den Un-Originalen zählen. Der überwiegende textliche Überliefungsbestand aus Mittelalter, Renaissance, Barock ebenfalls. Götz von Berlichingen, Faust, Iphigenie – keine Originalität. Dantons Tod, Die Weber, Die Ermittlung, Die heilige Johanna der Schlachthöfe – keine Originalität. Shakespeare – überwiegend keine Originalität. Hamlet – keine Originalität. Die Hamletmaschine? Wie würde man die Texte von Kroetz und Strauß kategorisieren, die doch aufgrund ihrer genauen Beobachtung der Gegenwart gepriesen wurden? Die Texte von Elfriede Jelinek – keine Originalität? Die Texte von René Pollesch – keine Originalität?

Ich will die Liste nicht unendlich verlängern – auch wenn das leicht möglich wäre. Man könnte zudem auch noch erforschen, inwieweit Texte, die zunächst als von großer Originalität geprägt scheinen, doch auf sehr genauer und aufgeschriebener Beobachtung von "Vorgängigem" beruhen. Und also auch deren Originalität bezweifeln. Wie auch immer im Einzelfall entscheiden wird: meine Hypothese besagt, dass die Originalität im Sinne einer Fantasie ohne Vorgefundenes deutlich in der Unterzahl sein wird. Woraus sich jedenfalls die "Maxime der Originalität" nicht aus der numerischen Überzahl in der Vergangenheit ableiten lässt, sondern lediglich einer individuellen Präferenz eines Kritikers verdankt, der das Kaninchen selbst in den Zylinder gesteckt hat, aus dem er es hervorzaubert.

Ich nehme dennoch als Anregung die Frage mit, woher eigentlich diese Präferenz für ein adaptierendes "Nichts Neues" im Theater herrühren könnte, die sich gerne in der perpetuierten Präferenz für die Neu-Inszenierung "alter" Texte zeigt und ob es vielleicht eine Selektionspräferenz im deutschsprachigen Raum ist. Sprich: Ob Ihr kritisches Plädoyer für ein fiktives "Traditionelles" (nämlich das ehemals "Neue") sich in einem Theaterbetrieb widerspiegelt, der ebenfalls zugunsten eines Nicht-Neuen selektiert und gerne auch selbst "Vorgängiges" adaptiert. Vielleicht ist der Umgang mit der Kategorie "Neues" gar nicht so einfach, wie es scheint. Früher war jedenfalls auch nicht alles neuer.

Langer Schreibe unorigineller, weil aus lesender Beobachtung herrührender Sinn: das Insistieren auf einer originell herbei fantasierten Präferenz für das Neue in der Vergangenheit des Theaters ist keine überzeugende Basis für die pauschale Diffamierung der Autor*innen von Neuen Texten.

Im Übrigen teile ich Ihren Wunsch, die Theater nicht mit altem Zeug vollzustellen. Allerdings begrüße ich auch neue theatrale Blicke auf die vorgefundene Gegenwart. Sie mögen das unoriginell nennen. Ich nenne es Kritik.

Mit freundlichen Grüßen
Ulf Schmidt
Kolumne Wolf: Anmerkung von David Gieselmann
AUS DER SICHT DES THEATERAUTORS

Was die Analyse anbelangt, so würde ich Michael Wolf hier absolut recht geben: Zu wenig originäre Stücke mit neuen Geschichten und Stoffen finden ihren Weg auf die Bühnen. Ich glaube aber nicht, dass sie zu wenig geschrieben werden. Ich kann dies nicht statistisch und mit konkreten Zahlen untermauern oder gar beweisen. Ich kann aber von mir und vielen Kolleg:innen, die ich kenne, berichten, dass viele unbeauftragt geschriebene Stücke in den Schubladen von uns Theaterautor:innen liegen bleiben.

Wir sind ein ums andere Mal in der etwas unkomfortablen Situation, Texte zu schreiben, für die wir einen Auftrag erhalten und also bezahlt werden. Und das sind eben vermehrt Überschreibungen und Neufassungen von bereits bestehenden Stoffen und Geschichten, die kompliziertesten Falles auch noch der Spezifik einer bestimmte Regie-Idee hinterher geschrieben werden sollen, so dass diese Stücktexte und Textstücke zumeist kaum nachspielbar sind - Nachhaltigkeit sieht auch anders aus.

Aber natürlich steckt dahinter ein vollkommen verständliches, ökonomisches Interesse der Häuser, die mit bestehenden Stoffen und Titeln besser nach aussen vermitteln und verkaufen können, was sie spielen. Und es läge mir auch fern, hier mit dem Finger auf bestimmte Häuser zu zeigen oder einzelne Spielpläne zu verwünschen, aber mehr Vertrauen in die Phantasien von uns Theaterautor:innen wäre sicherlich wünschenswert. Originäre Stücke sind an sich keine Mangelware. Man muss sie halt inszenieren.
Kolumne Wolf: Originalität unerwünscht
Welch hohen Stellenwert Originalität auch bei der Kritik hat, verdeutlicht meiner Ansicht nach mal wieder die diesjährige Auswahl des Berliner Theatertreffens: Die fast ausschließlich aus nk-Rezensierenden bestehende Jury hat da wirklich viel Fantasie bewiesen und noch nie Dagewesenes eingeladen (etwa das hier als Beispiel für Adaptiertes geführte The Silence von Falk Richter, Newcomer Johan Simons oder den sich mit jeder Inszenierung immer wieder neu erfindenden Ulrich Rasche).
Ja, es könnte noch viel mehr „Originelles“ gespielt werden. Gründe dafür haben auch die Kommentare oben schon offengelegt. Aber vielleicht sollte der Blick (auch von nachtkritik) mal ein bisschen schweifen und nicht immer bei den immer gleichen, vorhersehbaren Blockbuster-Produktionen der Großstädte hängenbleiben.
Kolumne Wolf: Was beauftragt wird
#2 David Gieselmann spricht die Wahrheit gelassen aus und bringt die Situation meines Erachtens auf den Punkt. Geschrieben werden diese Stücke. Ob sie inszeniert werden, ist eine andere Frage. Es werden oftmals schlichtweg Überschreibungen, Bearbeitungen, Adaptionen beauftragt.
Kolumne Wolf: Verschriftlichtes Bauchgefühl?
Ich bin sehr froh über die klugen, differenzierten Kommentare der Kollegen Schmidt und Gieselmann zu dieser offensichtlich aus der Hüfte geschossenen Analyse von Michael Wolf. Offensichtlich herrscht seitens von MW wenig Einblick in die Abläufe der Verlage und Dramaturgien, was kein Problem wäre, wenn man fehlende Kenntnis mit Recherche wettmachen würde. Vielleicht einfach mal bei entsprechenden Stellen nachfragen, wie sich Spielpläne zusammensetzen bzw. welche Stoffe angefragt werden, bevor man einem kompletten Berufsstand vorwirft, ihm würde halt die Fantasie fehlen. Als ob das der Grund dafür wäre, dass auf den großen Bühnen immer noch häufiger Shakespeare landet als zeitgenössische Dramatik.

Dazu eine kleine Randnotiz: Bei Nachtkritik verbreitet sich in letzter Zeit gerne die These, Klassiker-Überschreibungen wären inzwischen die Regel, Klassiker im Original die Ausnahme (zB hier oder in dem längeren Artikel von Christine Wahl zu diesem Thema) – worauf stützt sich diese These? Auf Zahlen ganz bestimmt nicht. Für vereinzelte Spielpläne mag dies meinetwegen zutreffen, für die Gesamtheit der großen Häuser aber ganz bestimmt nicht. Und wenn man die Betrachtung auch auf die mittleren bis kleineren Häuser ausweitet, schon gar nicht. Es dominieren weiterhin die Originale bzw. was man eben als Original bezeichnen würde.

Es wäre also sehr begrüßenswert, die hohen Standards, die hier von Dramatiker*innen verlangt werden, auch auf den eigenen Berufsstand des Kritikers anzuwenden und Thesen mit Fakten zu untermauern, damit sie mehr sind als nur ein verschriftlichtes Bauchgefühl.
Kolumne Wolf: Echt?
David Gieselmann tut so, als lägen die schärfsten Stücke in den Schubladen.
Echt? Kann ich die mal lesen und meinen Kolleg:innen empfehlen? Ich lese nämlich meistens ziemlichen Käs.
Kolumne Wolf: Hybris
letzterer post beschreibt in meinen augen im übrigen genau die hybris der dramaturgie stübchen gegenüber autor*innen an der deutsches theater heutzutage krankt. da sitzen sie auf den stühlen die die pläne machen und wählen lieber den xten roman aus, aus dem sie selbst eine fassung schaffen, die sich btw auch vermarkten lässt oder überschreiben kurzerhand selbst einen klassiker, weil plot kann ja jeder, anstatt auf die suche zu gehen, autorenachaft wieder ernst zu nehmen, theaterautor*innen zu fördern und zu beauftragen. einige werden einwenden, dramaturgien lösen bestimmt viel und das glaube ich, die frage ist nur was und wo sie gucken. ich bin überzeugt, dass wir autor*innen brauchen, solche die sich auch mit bühne beschäftigen..insofern mehr mit ihr dramaturgieprofs..
Kolumne Wolf: Ja, echt!
@ Dramaturgieassistent: Ja, die schicken wir gerne zu. Aber Vorsicht: sehr scharf! Da sind ganz scharfe Stücke dabei, die sind was anderes als besagter „Käs“. Damit muss man umgehen können.
Kolumne Wolf: Tragik des Dramaturgenberufes
#6: Bisher unbekannte Stücke, die von DramaturgInnen gelesen werden, MÜSSEN "Käs'" von ihnen gefunden werden, sonst handelt es sich nicht um NEUE Dramatik, also solche, die die zeitgenossenschaftlich übliche, von DramaturgInnen einordbare Dramaturgie NICHT bedient. Das ist die Tragik des Dramaturgenberufes: Kann durchaus neue Regiehandschriften oder neue DramaturgInnen entdeckenbefördern - aber leider keine neue Dramatik. Macht aber nix. Echte Dramatik hält das alles aus, zur Not auch in Schubladen.
Und es gehört zur Tragik von AutorInnen, die ohne Förder-Betriebsbande auskommen wollen, solange sie am LesenDenkenSchreiben sind, dass DramaturgInnen offenbar auf die Empfehlungen von DramaturgieassistentInnen warten, die Stücke vor ihnen, statt ihrer undoder trotz ihnen lesen...
LektorInnen sind mitunter vorstellungs-befähigter, aber leider abhängig von Theaterzuspruch, wenn sie erfolgreich für ihren Verlag agieren wollen. Dafür wurden die Studiengänge Szenisches Schreiben erfunden, damit der Laden läuft wie geschmiert und man sich trotzdem erfolgreich einreden kann - auf allen beteiligten Seiten!, dass es ganz gewiss keine institutionalisierten Abhängigkeiten gäbe... Is aber für mit Kritik Geld verdienende KritikerInnen sehr ungünstig, den Schreibfinger in diese gut zugekleisterte Wunde zu legen, Herr Wolf. Sind Sie sicher, dass Sie dazu eine echte Debatte wollen?
Kolumne Wolf: Die Dramatik unserer Tage
Ich sage nur: "Die lächerliche Finsternis"! Und ich sage nur zum Beispiel: "Papa liebt dich".

Dann stimmts schon nicht mehr, die kolumnische Einsortiererei von Wolfram Lotz ins Töpfchen (Originalität, Phantasie, Eigenständigkeit) und Sivan Ben Yishai ins Kröpfchen (Verweis, Gefundenheit, Reaktion).

Ich glaube: "you can't have one without the other"! (omg, das ist ein Zitat, ein fades!)

Also sage ich: "Iteration". Und Derrida vorzustellen als einen, der verkündet habe, "dass nichts Eigentliches oder Originelles mehr zu erwarten wäre, sondern nurmehr die Kombination des Bekannten", das halte ich für eine Schlamperei indeed. Schlampig gesagt: Da zeigt sich der Leser Wolf vor dem gelesen-ungelesenen Text.

Aber wenn Ihnen, Herr Wolf, die sogenannte Postmoderne nicht "neu" genug ist, dann würden Sie mit vielleicht Hausnummer Platon, Hegel oder Arendt glücklich werden können, um jedenfalls komplex über Anfänge und Entwicklungen nachdenken zu können. So Sie denn wollen. Die Tagesschau als Argument der Widerlegung der ewigen Wiederholung des Gleichen anzubringen ist jedenfalls funny, erzählt die Tagesschau uns doch jeden Abend neu the news, gerade indem sie von was anderem als sich selbst erzählt, indem sie in ihren Worten auf etwas verweist, das "zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal geschehen" ist.

Ich finde also on the whole: dieser Text ist schlampig argumentiert. Und das verstehe ich wiederum als die "Dramatik unserer Tage": dass Leute im Internet fad provokanten Quatsch von sich geben. Weils halt geht? Oder weils halt so läuft? Oder weil die Debatte angestossen werden muss? Oder weil was weiß ich.

Mic drop. Vor lauter provokantem Quatsch. Mic drop. Gute Nacht!
Kolumne Wolf: Übergabemodi von Stücken
@dramaturgieassistent (#6) Wenn Sie wirklich in einer Dramaturgie arbeiten, sind Sie doch nun wirklich nicht darauf angewiesen, auf Nachtkritik um Stücke zu bitten, aber falls Sie die Frage, ob Sie Stücke lesen könnten, hier an dieser Stelle doch ernst meinen, müssten Sie sich schon aus der Anonymität einer Kommentarspalte heraus trauen. Einstweilen leiste ich mir die Meinung, dass Sie, wenn Sie meist Käse lesen, selbst daran schuld sind.
Kolumne Wolf: Armutszeugnis seit 400 Jahren
Wäre das Internet schon um 1600 steil gegangen, ich bin sicher, ein Michael Lupin oder so hätte Shakespeare vorgeworfen, Holinsheds Chronicles, die Edda und vieles mehr abzuschreiben, der unoriginelle Kopierbarde, der ja eh nur ans Geld dachte im beginnenden Kapitalismus. So kann ja keine Kunst entstehen! Freunde, sind wir hier beim Neuen Deutschland? Oder würde man dort nicht doch unterscheiden können und nicht eine Ähnlichkeitsreihe aus Lyotard, Derrida und Fukuyama unter dem Rubrum Postmoderne aufmachen und sie dann mit "Ende der Geschichte" wieder zu schließen, was halt nur Fukuyama betrifft, und sicher nicht Derrida, einfach völlig im Gegenteil, aber egal (und selbst bei Fukuyama betrifft es nur den Klappentext der fünften Taschenbuchausgabe, gekürzte Version für Führungskräfte in einfacher Sprache, und nicht wirklich das Buch - also ja, vielleicht mal lesen, warum nicht). Bei Shakespeare übrigens besonders einfallslos: die ganzen aktuellen Diskurse, die oft von Betrunkenen in die Stücke hinein gelallt werden, etwa in Macbeth. Ein Armutszeugnis seit 400 Jahren! Oder: Writing is Rewriting, deal with it. Vor, in oder nach der Moderne.
Kolumne Wolf: Frage und Beobachtung
@Dramaturgieassistent, aus ehrlichem Interesse: wie kommen sie denn an diese Stücke? Sind das unverlangte Einsendungen von Autor*innen, Empfehlungen von Vorgesetzten und Kolleg*innen oder Aussendungen von Verlagen?

Ich kenne inzwischen wirkliche einige Menschen mit wirklich guten Texten, die nie einen Weg auf die Bühne finden. Teils sogar von Verlagen für gut befunden, aber mit dem Verweis auf (vermeintlich) mangelnde Platzierbarkeit gar nicht erst ins Programm aufgenommen werden.

Und gleichzeitig schwinden ja die Möglichkeiten, mit selbstbeauftragten (und teils über längere Zeit entwickelten) Texten jenseits solcher Wege an die Öffentlichkeit zu gelangen - nicht wenige der ohnehin nicht gerade reichlich vorhandenen Preise und Wettbewerbe wurden in den letzten Jahren entweder abgeschafft oder in Entwicklungs-Projekte umgewidmet, die Ideen und Auszüge prämieren und anschließend „in engem Austausch mit Regie und Dramaturgie“ in meist recht kurzer Zeit auf die Bühne hieven. Was für die Autor*innen natürlich meist eine gute Absicherung der Schreibphase darstellt, künstlerisch aber schnell fragwürdig werden kann. Insbesondere wenn die „Partner*innen“ in diesem Prozess ohne Mitsprache der Schreibenden von den Häusern festgelegt werden.
Kolumne Wolf: Montag, Dienstag, Donnerstag
Lieber Dramaturgieassistent, vielleicht bin ich naiv, aber ich gehe grundsätzlich davon aus, dass die meisten Menschen, die sich für Ihren Beruf entscheiden, im Kern Idealisten sind. Sie wollen eigentlich das, was letztlich alle Theaterschaffenden wollen: Lasst uns die besten Texte, Stoffe finden, und lasst uns diese mit sehr guten Leuten in einem gemeinsamen Akt auf die Bühne hieven. An diese Schnittmenge muss ich glauben, sonst können wir gleich aufhören. Also unterstelle ich Ihnen Folgendes: Sie haben am Montag die Orestie gelesen und waren ziemlich beeindruckt. Sie haben am Dienstag Romeo und Julia überarbeitet und dachten: Gar nicht mal so übel. Am Donnerstag mussten Sie eine Strichfassung von Ibsens John Gabriel Borkmann anfertigen, das Bild mit den Schritten es alten einsamen Wolfes werden Sie nie vergessen. Bei der lauten, gemeinsamen Lektüre von Fleißers Fegefeuer in Ingolstadt hatten Sie Tränen in den Augen. Das Wochenende haben Sie genutzt, um drei Stücke von lebenden Autor:innen zu lesen – und Sie waren enttäuscht. Ehrlich gemeinte Frage im total konstruktiven Sinne: Was hat Ihnen gefehlt? Was wünschen Sie sich mehr? Was fiel ab? Wo ist Luft nach oben? Alles, was Sie hierzu äußern hilft. Denn wenn wir einander zuhören, wenn wir was konstruktives zu sagen haben, dann können wir voneinander lernen. Eingebildete Scheuklappen-Egomanen, die wie ein Bulldozer ihren Weg durchs Gelände pflügen – bis dann halt der Hype vorbei ist, das ist ja bloß Zeitverschwendung. Aber gemeinsam besser werden und wachsen: Warum nicht? Können Sie benennen, was Ihnen oft fehlt? Vielen Dank.
Kolumne Wolf: Mut zur Lücke
#10: Das macht nix, wenn der Herr Wolf sich nicht genügend an Derridas Bedeutung für die neue Dramatik delektiert, Derrida ist vollkommen überbewertet, da gehört nicht viel Mut zur Lücke dazu, wenn man ihn auch nur angefangen hat zu lesen: Sehr sehr geschwätzig der Mann. Dagegen war Foucault ja ein Ausbund an Stringenz und inspirierender Denk-Freiheit...
Kolumne Wolf: Was fehlt
Es wär schön, wenn aus dieser Kolumne tatsächlich ein Dialog entstünde zwischen den Dramaturgien und den Autor:innen bzw. Verlagen. Darüber, wie in Zukunft Spielpläne mutiger und abwechslungsreicher konzipiert werden können. Denn die Stücke gibt es, sie werden von uns Dramatiker:innen geschrieben und sie sind orginär, phantasievoll, tragisch, komisch und noch vieles mehr.
Allein es fehlt sehr oft die Bereitschaft (und wohl auch die Zeit) seitens der Theater, sich mit diesen Texten wirklich zu beschäftigen.
Und noch ein Satz zu Dramaturgieassistent: Ach, Dramaturgieassistent.
Kolumne Wolf: Via Lesung entedecken
#16: Der Zeitmangel und das eingeschliffene Management sind gewiss ein sehr großes institutionalisiertes Problem bei der Entdeckung Neuer Dramatik durch Theater!
Es gibt aber noch ein Problem, das in einer wirklich NEUEN Dramatik gründet. NEUE Dramatik KANN NICHT durch Lesen in Dramaturgien oder dergleichen zuverlässig entdeckt werden. Wenn vermeintlich doch, hat sie Mängel, die sich negativ, nämlich potentiell lähmend, auf die Bühnenkünste Darstellungskunst, KostümBILD, BühnenBILD und Beleuchtung/Licht-BILD auswirken können. Echte Dramatik, also THEATERtext, will das nicht. - Die Inkompetenz von institutionalisiertem Erkennen ist also einer NEUEN Dramatik inhärent und dies ist eine Frage der Logik (als philosophische Teil-Disziplin), nicht der Autoren-Missgunst gegenüber Theatern oder dergleichen...

Die einzige Möglichkeit beim Zustand unserer heutigen und hiesigen Theaterlandschaft Neue Dramatik halbwegs zuverlässig zu entdecken, besteht darin, Leseproben abzuhalten mit professionellen DarstellerInnen in Anwesenheit desder Autors/In des Textes, bei der DramaturgInnen, RegisseurInnen undoder IntendantInnen ganz still hinten in der Ecke sitzen und nur zuhören und beobachten.
Und bei der einzig die DarstellerInnen provokante Fragen an dendie AutorIn stellen dürfen bzw. umgekehrt. Die die DarstellerInnen nicht beantworten müssen, derdie AutorIn aber zwingend beantworten muss. Und zwar souverän. Das ist: unspektakulär völlig ohne Zuhilfenahme von Berufung auf PhilosophInnen oder dergleichen, beantworten können muss.

Ich jedenfalls würde bei jeder/m IntendantIn, derdie SO, und NUR SO einen Termin organisiert, ante pedes mit Stückexemplaren erscheinen. Und wenn ich "pedes" schreibe, MEINE ich pedes. Ich hab kein Auto, pflege im Moment einen vermutlich vor dauerstressigem Ärger an Krebs erkrankten Menschen und kann nur mit den Öffis im Umkreis von 2 Stunden max anreisen. Wohne Grenze Berlin.
Kolumne Wolf: Brecht in Karl-Marx-Stadt
Als Kind fragte ich mich, wieso ausgerechnet in Karl-Marx-Stadt so viele Eiskunstlauf-Talente geboren werden. Liegt's am Dialekt? Am Uran-Bergbau im Erzgebirge, also an der radioaktiven Strahlung von da? Es lag (ntürlich) an einer Trainerin, einem Trainingszentrum. Talent gibt`s überall. Meist bleibt es unentdeckt. - Lieber Herr Wolf. Sie schreiben übers Produzieren, ohne über Produktionsverhältnisse zu schreiben. Dabei: "Eine Photographie der Krupp-Werke oder der AEG ergibt beinahe nichts über diese Institute." Wissen wir doch. Haben wir intus. Vergessen wir nur andauernd. Wir Eingelullten.
Kolumne Wolf: Mehr Mittel
Mephistopheles:
Original, fahr hin in deiner Pracht! –
Wie würde dich die Einsicht kränken:
Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
Das nicht die Vorwelt schon gedacht? –

Kleiner Gruß aus Faust II, lange vor der Postmoderne ...

Warum nicht, passend zur Cannabis-Legalisierung, mal eine Sehnsucht nach mehr Phantasterei formulieren und nach Bühnen-"Novellen"? Völlig legitim. Zugleich bleibt das Abarbeiten an Historie, Erbe und Gegenwart eine essentielle Aufgabe zeitgenössischer darstellender Kunst, zumal die Auseinandersetzung mit dem Realen oft relevanter und politischer ist als manche "Kreation" und viele der gelebten Geschichten wirklich "unerhört", viele Perspektiven noch immer "ungehört" sind. Ich verstehe die Wünsche und Positionen von Theaterautor*innen, aber Stücke sind ohnehin schon dominant in einer eigentlich so weiten Kunstform, die auch von einem Raum oder einer Bewegung ausgehen oder aus einem "Murmel Murmel" oder einem "KFP" einen kunstvollen Abend machen kann ... Es braucht mehr Mittel, nicht weniger. Kein Gegen-, sondern ein Miteinander. (sb)
Kolumne Wolf: Eiskunstlauf
#18: Naja, in Karl-Marx-Stadt und Erzgebirge, sonders im Vogtland, gab es in der relativ kleinen DDR halbwegs sicher WINTERsportmöglichkeiten. Da konnten Kinder leichter freudvoll Talent in sich spüren und demselben nachgehen wollen als in Neubrandenburg oder Treuenbrietzen... Ansonsten natürlich auch in Großstädten, die Eislaufhallen hatten, die nicht explizit Trainingszentrum waren. Will sagen: Talent gibts überall und zunächst erst einmal ohne TrainerInnen. Was AutorInnen von Eiskunstläufern aber gewiss unterscheidet, ist der Eigensinn mit dem sie produzieren. Sie können mit oder ohne TrainerInnen produzieren, in Zentren oder Elfenbeintürmen, in Zügen, auf Bahnhöfen oder im Kloster, umgeben von Luxus oder von Kargheit, auf Bergen oder im Flachland, mit und ohne Klimawandel, geimpft oder ungeimpft, erfolgsselig oder tapfer scheiternd, mit oder ohne explizit politischer Haltung - Dramatik entsteht aber in jedem Fall autark selbst-bewusst, d.h. mit der Fähigkeit, Selbst (samt aller seiner Prägungen) nicht mit Ego zu verwechseln und Gesellschaft nicht mit Publikum.
Das geht bei EiskunstläuferInnen nicht. Da wird das Talent zumeist von ehrgeizigen Müttern auf das Zentrums-Glatteis geführt und nur die sehr guten Ausnahme-TrainerInnen schützen ausbildend das Talent an Mut und frühreifer Körperbeherrschung vor dem mütterlichen Ehrgeiz, dass aus dem Kind vor allem was Besonderes werden möge, wenigstens ein Abglanz ihrer selbst... Die etwas selbst-bewussteren Mütter aber schützen das Talent ihrer Kinder vor TrainerInnen, die keine Ausnahme-TrainerInnen sind. - Der Mist ist: Sowas passt im Falle von AutorInnen auf kein Foto. Und deshalb kann man auch dem Herrn Wolf nicht verübeln, wenn der ohne Kenntnis der Produktionsverhältnisse sämtlicher Dramatik produzierender AutorInnen über bekannte wie unbekannte Dramatik-Produktion schreibt. Mir kommt ja allmählich der Verdaht, der will tatsächlich eine Debatte darüber anstoßen! (...)
Kolumne Wolf: Dehnbarer Kern
Auch Shakespeare hat sich an den zu seinerzeit aufgeladenen politischen Debatten bedient, genauso wie die Griechen in der Antike an den jeweils herrschenden politischen Zuständen und Auseinandersetzungen. Die Diskussion wird enorm erleichtert, wenn man zwischen uns und ihnen nicht immer diesen großen Unterschied machen will, sondern sie tatsächlich mal als gleichgesinnte Menschen auf Augenhöhe betrachtet. Denn ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit bezog im gleichen Maße Mythologie und Fiktion mit ein, wohl nicht nur um die Thematiken aufzubauen, denn sie haben bereits damals schon die Wichtigkeit von Sagen und Mythen verstanden. Die Erfahrung übernatürlicher Szenarien als mögliche Visionen halfen den Menschen schon immer, über den Tellerrand hinauszusehen.

Schade ist es allemal, dass manche Theatermacher:innen denken, bei Mythologie und Fantasie grabe man nur in der Vergangenheit. Stattdessen versucht man doch die mögliche Zukunft zu deuten, oder sogar zu beeinflussen, indem man sich aller möglichen Werkzeuge bedient, die unser Geist im Stande ist, zu benutzen. Besonders in der kommenden KI-Diskussion. Sollten wir es uns tatsächlich so leicht machen, uns zurückzulehnen und dieses wunderbare Werkzeug der Fantasie künstlicher Intelligenz überlassen, aus der falschen Annahme heraus, es wäre altmodisch und nicht zeitgemäß einsetzbar. Schade, wenn unsere Träume keine Träume mehr sein dürfen, sondern nur noch pure Analyse des Alltags. Mich persönlich interessiert mehr die Frage: Was sieht man nicht? Und wieso ist es gut, sich mehr Fragen zu stellen?

Da kommen die Sagen und Mythen ins Spiel. Sie können das Mittel sein, mit ihrem dehnbaren Kern, welcher über Jahrhunderte und Jahrtausende während der Geschichte der Menschen geschaffen wurde, geändert, bearbeitet, aktualisiert, um die Fragen zu klären, die wir uns als Theatermacher:innen stellen: Was wollen wir erzählen? Weil erzählen tut man immer etwas, ob man will oder nicht. Manchmal erzählt das Nichterzählen sogar am Meisten, tja Mist, dabei wollte ich doch so innovativ sein. Willkommen im Leben.
Kolumne Wolf: Warten auf Dramen
Was sagen die Dramaturg:innen/ Regisseur:innen zu dem Thema? Warum sucht ihr autofiktionale Stücke, journalistische Dokus oder Klassikerüberschreibungen aus? Warum bearbeitet ihr mehr schlecht als recht Romane? Meldet euch! Erklärt uns, warum originale zeitgenössische Theaterstücke nicht gespielt werden. Und vorsorglich eine Bitte: Schiebt den schwarzen Peter nicht uns Zuschauer:innen zu. Wir warten auf Dramen!
Kolumne Wolf: Theater für junges Publikum
Es wäre für Herrn Wolf lohnenswert gewesen, den Blick auch auf die Uraufführungen im Theater für junges Publikum zu lenken.
Allein die Auswahl für die diesjährigen Mühlheimer Theatertage sind ein Beleg dafür, wie dort mit Fantasie anregende Geschichten erzählt werden für den Ort, an dem alles möglich ist.
Kolumne Wolf: Ganz einfach
Danke an Ulf Schmidt und (z.T.!) auch an David Gieselmann, auch wenn Du Dir den arroganten Kommentar dem Dramaturgieassistenten gegenüber hättest verkneifen können. Du weißt nur zu gut, dass er (oder sie oder they) Recht hat. Es gibt SEHR SEHR SEHR viele zeitgenössische Stücke auf dem Markt, jedes Jahr kommen SEHR viele neue dazu und viele davon sind Käs. Andere erfüllen aus meiner bescheidenen Sicht einige der folgenden Kriterien und schaffen es daher auf Spielpläne:
1. Das Stück ist gut, d.h. literarisch & sprachlich interessant, thematisch packend und relevant (aka aktuell, aber vielleicht auch das Gegenteil, vielleicht schürft es ein zu Unrecht wenig verhandeltes Thema), es ist dramaturgisch gut oder originell gebaut oder aber eine tolle Materialsammlung/Fläche. Es trifft einen Nerv.
2. Es ist erfolgreich und bekommt viel Aufmerksamkeit, deshalb hat es größere Chancen, nachgespielt zu werden. Es hat Preise gewonnen. Der:die Autor:in ist gerade viel im Gespräch.
3. Es passt zu einem Spielzeitmotto/Gesamtkonzept der Spielzeit.
4. Es ist von eine:r:m Autor:in, mit der die Dramaturgie schon gearbeitet hat/schon länger arbeiten wollte.
5. Es erfüllt eine bestimmte Vorgabe oder Sehnsucht (Besetzung / Genre / Farbe im Spielplan / postmigrantisch / queer / …).
6. Es gefällt einem Mitglied der Dramaturgie so sehr, dass er:sie:they dafür so lange kämpft, bis es sich durchsetzt.
7. Es wird von einer Regieperson vorgeschlagen.
8. Irgendeine andere Form von Vitamin B. (Ja, es hilft auch, als Autor:in gut vernetzt zu sein, mit Dramaturg:innen zu sprechen, auf Konferenzen zu fahren oder zu Premieren, denn ja: die Lesezeit ist begrenzt und wir spenden sie eher jemandem, den wir kennen, zu dem es eine wie auch immer geartete Beziehung gibt.)
9. Ein Mitglied der Dramaturgie hatte im 60-Stunden-die-Woche-Alltag zwischen Proben, Sitzungen, Orga, Leporello-Texte schreiben etc. Zeit und Muße, es zu lesen.

Wahrscheinlich gäbe es noch mehr– aber lassen wir es erstmal dabei. Das sind viele gute Gründe, wie ich finde - denn erfolgreich, d.h. mit einer gewissen Zuschauer:innenanzahl und nicht vor leerem Haus Stücke spielen zu wollen, ist ein vollkommen berechtigter und oftmals notwendiger Anspruch. Sich überregional profilieren auch. Mit Kolleg:innen, die mensch schätzt, zusammenzuarbeiten, auch. Wenn ein Stück die oben genannten Kriterien nicht oder nur unzureichend erfüllt, dann wird es nicht gespielt - so einfach ist das.

Und nein, lieber "Seltsam", das Publikum wünscht keine Dramen - es wünscht Altbekanntes. IMMER. Die Zahlen beweisen es, dass die Klassiker (aka bekannte Titel, kann also auch ein Roman sein) wesentlich besser laufen. Und das beeinflusst, ob es uns gefällt oder nicht, auch die Spielplanentscheidungen. ÜBERALL. Denn spielt die Theater aus Idealismus mit Neuer Dramatik leer - und es gibt sie bald nicht mehr. Darüber hinaus bestehe ich darauf, als Dramaturg:in gemeinsam mit künstlerischen Partner:innen wohl überlegte Entscheidungen GEGEN neue Stücke, für Überschreibungen, Romane, Filme, Autobiografisches oder Telefonbücher treffen zu dürfen und auch darauf, dass diese nicht allgemein abgewatscht, sondern genau und sorgfältig beurteilt werden. Auch und vor allem die Adaptionen, in die viel Arbeit, Herzblut und Sorgfalt fließt. Ach, ums kurz zu machen: Macht mal Eure Hausaufgaben (aka Recherche) und hört auf mit diesem arroganten Schwarz/Weiß-denken. Alle Dramaturgien im deutschsprachigen Raum fördern die Neue Dramatik und setzen neue und originäre Stücke auf den Spielplan - je nach ihren Interessen und Möglichkeiten.
Kolumne Wolf: Was ist, wenn ...?
#24: Das freut doch sehr zu hören und zu lesen! Allein: Was ist, wenn das Interesse undoder die Möglichkeiten von DramaturgInnen begrenzt sind? Zumindest begrenzter als bei einer/m DramatikerIn? Ist es nicht auch eine gewisse Arroganz, so etwas als Möglichkeit vollkommen auszuschließen? - Ich bleibe daher bei meinem Vorschlag unter #17. Dem, der von einer Intendanz anberaumten internen Leseprobe mit professionellen DarstellerInnen unter Leitung desder AutorIn, bei der DramaturgInnen, RegisseurInnen, BühnenkünstlerInnen und auch IntendantInnen sowie alle AssistentInnen jedweder Fachrichtung gern als Publikum dabei sein dürfen (ohne Fragerecht während der Probe) und DANACH eine Entscheidung treffen dürfen. DÜRFEN.
Kolumne Wolf: Rückfrage
Liebe:r KunstundFreiheit, schöne Idee von Ihnen, Leseproben mit dem Ensemble abzuhalten – und wann und wo bringe ich die unter? In einem Theateralltag, der von Tag zu Tag reglementierter wird, mit täglichen Ruhezeiten, Freiphasen, probenfreien Tagen, verkleinerten Ensembles, immer kürzeren Probenphasen etc.pp.. Das ist - mit Verlaub - ein sehr unrealistisches Ansinnen und die Haltung dahinter ziemlich anmaßend: "NEUE Dramatik KANN NICHT durch Lesen in Dramaturgien oder dergleichen zuverlässig entdeckt werden. Wenn vermeintlich doch, hat sie Mängel, die sich negativ, nämlich potentiell lähmend, auf die Bühnenkünste Darstellungskunst, KostümBILD, BühnenBILD und Beleuchtung/Licht-BILD auswirken können." Mal eine Rückfrage an dieser Stelle: wieviel neue Dramatik lesen Sie denn so? Es scheint, als würden Sie die Vielfalt und auch die Qualität vieler neuer Stücke gar nicht zur Kenntnis nehmen. Schade, dann können wir uns hier nicht auf Augenhöhe austauschen. Abgesehen davon, dass Sie einen eher instrumentalisierenden Blick auf Schauspieler:innen und auch Theaterbetriebe haben – die sollen alle nach der Pfeife des:der Autor:in tanzen. Verstehe ich, als Ermächtigungsgeste, führt aber bei mir (und vermutlich einigen anderen) eher zu: Ärger.
Kolumne Wolf: Nach der Pfeife tanzen
# 26: SIE brauchen ja nicht unterbringen nach meinem Vorschlag, sondern IntendantInnen. Und es ist mir ebenso wenig interessant, ob Sie sich persönlich ärgern über den gewiss unbequemen, nur umständlich und unter Routine-Verzicht realisierbaren Vorschlag, wie DramaturgInnen oder LektorInnen interessiert, ob AutorInnen sich über mehr oder weniger höfliche und in jedem Fall selbstgewisse Absagen zu eingesandten Texten oder gar über mehrheitlich gänzlich ausbleibende Antworten ärgern. Vor allem über Absagen durch Personen, die sie gar nicht mit dem Text adressiert hatten!
Ich halte es immer noch für eine richtig gute Idee, wenn "sie alle" - außer natürlich die DarstellerInnen!!! - bewusst intendiert AUSNAHMSWEISE einmal nach der Pfeife eines/r AutorIn tanzen und nicht generell.
Ein/e DramatikerIn, der/die keinen instrumentalisierenden Blick auf Theater hat, ist halt ein/e SchriftstellerIn, der/die gerne auch mal mit einem Stück Geld verdienen möchte. Warum sollte jemand, der THEATERkünste nicht als Instrument zu benutzen gedenkt, überhaupt ein Stück schreiben?

Und auf Ihre Rückfrage: Ich lese zumindest ALLES, was davon durch Verlage als Stück in Gänze veröffentlicht wird. Und zwar gern. Ich würde auch ALLES lesen, was Sie mir als Stück in Gänze zuschickten, da Sie das Privileg haben, unveröffentlichte Texte durch Verlage oder AutorInnen zugesandt zu bekommen undoder horten zu dürfen. Und zwar würde ich sehr schnell lesen und dabei auch verstehend. Und ich würde es gründlich kritisch (nicht im Sinne von Nörgeln, sondern im Sinne von etwaige Vor- und Nachteile einer Umsetzung des jeweils vorliegenden formgewordenen Inhalts erörternd) kommentierend zurückschicken. Und dies ganz neben meinen anderen Tätigkeiten, derer ich mich so zur Sicherung meines Lebensunterhaltes und des Lebenserhaltes meiner lieben Allerallernächsten gern befleißige.

Btw.: Meiner Erfahrung nach will Publikum nicht immer Altbekanntes, sondern ihm allgemein Bekanntes neu an sich entdecken. IMMER. Warum sonst sollte es in ein Theater gehen? Es will an sich selbst erinnert werden aus einer Distanz sich selbst gegenüber heraus. Zum Zwecke der Freude an seiner eigenen Fähigkeit, sich selbst (erneut) zu entdecken. Nähe (auch eventuell schmerzhafte) zu sich selbst ist anders als durch Distanz nicht herstellbar. Altbekanntes ist m.E. nicht das selbe wie neu entdecktes allgemein Bekanntes und das ist eine Klischee bzw. ein Vorurteil über Publikum, dass es IMMER nur Altbekanntes will und man deshalb dem "Käse" besser keine Chance geben sollte-

Auch würde ich nicht wollen, dass ein/e DramaturgIn, der/die von einem meiner Stücktexte aus irgendeinem Grunde - zum Beispiel durch persönliche Bekanntschaft - überzeugt wäre, in seinem/ihrem Kollegenkreis dafür KÄMPFEN muss, dass es auch im Spielplan ausprobiert wird! Diese Art Stellvertreter-Kämpfe können sehr ernst krank machen. Ich will nicht, dass jemand stellvertretend für mich krank wird, bloß weil ich zwanghaft Stücke schreiben musste!
Kolumne Wolf: Antwort von Ulf Schmidt
Sehr geehrte*r Dramaturg*in #24,

ich verstehe Ihren Kommentar als eine ausgezeichnete Basis für ein Gespräch zwischen Dramaturg*innen und Autor*innen. Und halte Gespräche für ziemlich dringend notwendig – für beide Seiten.

Ich knüpfe an Ihre Bemerkung an: "Wenn ein Stück die oben genannten Kriterien nicht oder nur unzureichend erfüllt, dann wird es nicht gespielt - so einfach ist das." Ja, das trifft es wohl ziemlich genau. Und das ist ein Problem für beide Seiten. Autor*innen stecken viel Arbeit in die Verfertigung von Texten für die Bühne. Dramaturg*innen verfügen – wie Sie beschreiben – über extrem begrenzte Zeit für die Lektüre neuer Texte. Und schon gar nicht über die Zeit, einen Text geduldig wirken zu lassen (kein Vorwurf, nur Beschreibung der Arbeitsumstände). Trotzdem gibt es die dramaturgische Neugier. Die Konsequenz_ Hohes Frustrationspotenzial auf beiden Seiten.

Kriterien wie "interessant", "packend", "relevant", "gut", "originell" (Punkt 1) sind natürlich tendenziell subjektiv. Darauf deuten Sie ja Punkt 6 hin wenn Sie schreiben, dass ein Mitglied der Dramaturgie sein positives Urteil am Haus ggf. durchsetzen muss. Der richtige Text bei dem/der falschen Dramaturg*in, der falsche Text bei der richtigen Dramaturg*in – dumm gelaufen. Käs gelesen. Der/die Autor*in hat kein Vitamin B für Ihr Haus, keine vorschlagende Regie an Ihrem Haus, es fehlt die richtige Netzwerkverbindung? Dumm gelaufen. Es hätte vielleicht etwas zusammenkommen können, was zusammen gehört. Aber nicht zusammenfindet.

Es gibt rund 140 Theater in Deutschland, grob geschätzt um die 400 Dramaturg*innen – die Frage ist: wie kommen Autor*innen und Dramaturg*innen so zusammen, dass einerseits in den Dramaturgien nicht der Eindruck erscheint, in einer Käsehandlung eingesperrt zu sein. Andererseits die Autor*innen für ihre Texte dramaturgische Leser*innen finden, die potenziell interessiert sein könnten. Gerade Ihre Punkte 3 (Motto der kommenden oder übernächsten Spielzeit) und 5 (Vorgabe/Sehnsucht) sind für Autor*innen natürlich komplett verborgene Voraussetzungen. Das bringt Ihnen (zu) viele Stücke auf den Tisch, die für Sie nicht in Frage kommen. Und führt Autor*innen in die missliche Lage, Stücke, die für Theater X oder Dramaturg*in Y an Theater Z vielleicht die Kriterien von Interessanz, Relevanz, Spielzeitmotto-Fit erfüllen würden, nicht an die richtige Adresse senden zu können.

Ich darf mir erlauben, Ihre sicherlich erfahrungsgesättigte Feststellung, das Publikum wünsche "Altbekanntes" in den Blick zu nehmen. Meine Beobachtung bestätigt zunächst Ihre These. Ich würde sie aber mit folgender These erweitern wollen: Das Publikum sucht Theaterabende, für die es eine (mir fällt kein besserer Begriff ein) „lebensweltliche Anschlussfähigkeit“ feststellt oder vermutet. Das war in der bildungsbürgerlichen Nachkriegszeit im deutschsprachigen Raum oft gegeben, wenn Klassiker auf dem Spielplan standen. Ohne Klassiker-Bildung kein Bildungsbürgertum, keine "feinen Unterschiede". Man kann mit Verwunderung diese theaterhistorische Skurrilität konstatieren: die Selbst- und Außenwahrnehmung von Theater als Ort des Bewahrens, der Tradition, des Re-Enactmnt längst bekannter Stücke und toter Autoren (männlich). Diese Wahrnehmung haftet den Theatern bis in die Gegenwart an – und wird zunehmend zu einem Problem. Denn das scheinbar so stabile Standbein im Altbekannten im Sinne des Altbewährten, Klassischen ist dabei, einzuknicken. Das ist nicht etwa bloß ein (wunschgezeugter) subjektiver Eindruck. Sondern es lässt sich zahlenmäßig gut belegen, dass eine fundamentale Wende im Gange ist, die sich hinwendet auf Neues und Originäres. Und zwar sowohl bei den Menschen, die in den Theatern oder für sie tätig sind, wie auch beim Publikum. Man könnte gesellschaftsphilosophisch darüber sinnieren. Oder einfach die These wagen, dass die Gesellschaft in Deutschland sich in einem grundlegenden Veränderungsprozess befindet, der auch für die Theater spürbare Relevanz bekommt. Jenseits des Belegbaren findet sich diese Beobachtung zunehmend auch in (zumeist sehr besorgten) Gesprächen mit Theaterleuten.

Trotz alledem ist – ich stimme Ihnen weiterhin zu – "Altbekanntes" wichtig, im Sinne der lebensweltlichen Anschlussfähigkeit. Der Zugriff auf (bekannte) Romane und Sachbücher gehört für mich als eine dramaturgische Ausweichbewegung dazu: man präsentiert „Neues“ (einen Roman, ein Sachbuch erstmals auf der Bühne), das zugleich ein Bekanntes ist. Meines Erachtens eine Bestätigung der obigen These einer fundamentalen Wende – die bei den Adaptionen aber droht, nur halb über den Abgrund springen zu wollen. Warum machen wir zusammen nicht Dinge mit lebensweltlichen Anschlussmöglichkeiten, die wirklich neu sind und den Nerv treffen?

Ich möchte übrigens behaupten, dass putzigerweise all die von Herrn Wolf, sei es ablehnend oder zustimmend, Genannten solche lebensweltlichen Anschlussmöglichkeiten gefunden haben. Die Arbeiten von Correctiv, Calle Fuhr und das Cottbuser Kraftwerk ebenso, aber in anderer Weise als etwa die Kolleg*innen Jeß, Lotz und Setz. Das, was Sie "einen Nerv treffen" nennen.
Nur – um zurück zum Anfang zu kommen – können die jeweiligen treffbaren Nerven lokal sehr verschieden sein. Ich wage zu behaupten: sie sind zumeist sogar hyperlokal. Vom konkreten gesellschaftlichen Umfeld ebenso abhängig wie etwa von der Publikumsstruktur. Auch das schwer einschätzbar für Kolleg*innen, die Theatern ihre (fertigen) Texte anbieten möchten.

Dramaturg*innen suchen. Autor*innen suchen. Wie finden sie zueinander? Wie finden sie vielleicht zu einer gemeinsamen Arbeit? Das wäre möglicherweise Anknüpfungspunkt für Gespräche. Nicht im knappen Rahmen von Podiumsdiskussionen oder Konferenzen. Sondern im Sinne einer gemeinsamen Suche nach einem besseren Weg, der für beide Seiten weniger Frustrationen schafft und dazu beiträgt, geradezu routinemäßig Nerven zu treffen. Vielleicht sollten Dramaturgische Gesellschaft und Verband der Theaterautor*innen und autor*innen-netzwerk darüber zu sprechen beginnen.

Zweierlei noch als P.S.
1. Dass die obige These eines fundamentalen Wandels belegbar ist, ist demnächst vom Verband der Theaterautor*innen genauer zu erfahren. Es dauert nur noch wenige Wochen (klingt wie ein billiger Teaser, ist aber nur Programm-Vorschau) und lohnt glaube ich das Warten.
2. "Käse" – können wir alle uns vielleicht auf respektvollen Umgang miteinander einigen? Abgesehen davon, dass viele Menschen Käse so sehr schätzen, dass sie sich zu hohen jahresendlichen Feierlichkeiten um Töpfe versammeln, die mit diesem Molkereiprodukt in erwärmter Form gefüllt sind – würde ich zunächst sagen: watt dem een sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall. Im Übrigen finde ich diese Form der pauschalen Abqualifizierung Ihrem sehr differenzierten Beitrag seltsam unangemessen. Vielleicht gibt es Texte, die diese Abqualifizierung "verdienen". Ich fürchte aber, es sehen sich nicht wenige Kolleg*innen davon getroffen, die Sie nicht gemeint haben. Etwa weil sie dieser Tage vielleicht eine freundliche Absage von einem Theater für einen Text bekommen haben und in dem damit oftmals verbundenen Abgrund des Selbstzweifels gelandet sind. Wir sind nicht übersensibel. Aber auch an unseren Nerven zerrt die Frustration über unwillkommene Texte (und damit oftmals verbundene finanzielle Notlage).

Mit sehr freundlichen Grüßen
Ulf Schmidt
Kolumne Wolf: Wende
Lieber Ulf Schmidt,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Und ja, klar können wir uns darauf einigen, das Wort "Käse" ab jetzt aus der Debatte zu streichen (offenbar ringen wir ja alle um den gegenseitigen Respekt!). Ich bin übrigens gar nicht so frustriert, wie es vielleicht scheinen mag - höchstens darüber, dass ich viel weniger neue Stücke zeitgenössischer Autor:innen aufführen kann, als ich gerne würde, schlicht und einfach aufgrund der begrenzten Anzahl an Neuproduktionen, die ich jedes Jahr füllen kann.

Mich interessiert es sehr, was der Verband der Theaterautor:innen zum Thema "Altbekanntes zieht" oder zur "fundamentalen Wende hin zum Neuen und Originären" demnächst herausbringen wird. Meine Beobachtung ist leider seit Jahren konstant die, das unbekannte Titel es weit schwerer haben, als bekannte. Wenn es da einen Wandel gibt, dann ist er sehr schleichend. Immer noch ist es in vielen (mittelgroßen und kleinen) Städten ein immenses finanzielles Risiko für die Stadttheater, neue Dramatik auf der großen Bühne zu machen. Immer noch führe ich Gespräche mit Zuschauer:innen, die ganz klar formulieren, dass sie erstmal nur Karten kaufen für Titel, mit denen sie "etwas anfangen" können (was fast immer Klassiker meint und manchmal auch griffige, für sich sprechende Titel oder eben sehr bekannte Autor:innen - Ferdinand von Schirach & Co).

Ich bin ratlos, wie wir da gemeinsam rauskommen, also Wir Theatermenschen, Autor:innen, Dramaturg:innen, Intendant:innen etc. - ohne, und zu dem Punkt kommt man unweigerlich in jeder dieser Debatten, die Zustimmung der jeweiligen Träger, auch diese Risiken erstmal mitzugehen, bis sich die Sehgewohnheiten, die Interessen eines Publikums ändern. Wenn eine Stadtverwaltung, ein kommunaler Träger, eine Landesregierung etc. nunmal Vorgaben zu Auslastung und Einnahmen macht, kann eine Intendanz diese nicht ignorieren und gerät schon beim ersten Zuschauer:inneneinbruch in Erklärungsnot - und gibt das "nach unten" in die Dramaturgie weiter.

Und noch ein Punkt: Ich kann Ihnen nur beipflichten, dass "lebensweltliche Anschlussfähigkeit" ein wichtiger Faktor für interessiertes Publikum ist. Aber wessen Lebenswelt? Meine Beobachtung ist, dass die Lebenswelten unseres Publikums weit auseinanderklaffen - Boomer vs. Gen Z, Millenials dazwischen, da gibt es kaum noch Überschneidungen oder einen gemeinsamen Nenner. Weswegen alle anderen Angebote außer Theater auch auf spezifische Zielgruppen zugeschnitten sind. Nur wir versuchen, für ALLE den Nerv zu treffen. Eigentlich klar, dass das scheitern muss. ABER - ich bin gespannt und immer hoffnungsvoll, auf die Wende, den Wandel, die Veränderung! Und glaube auch, dass die Gespräche, die Sie anregen, unbedingt stattfinden sollten (und ja auch schon stattfinden). Sehr bald ist DG-Tagung in Wien - ich werde da sein und der VThea offenbar auch ;-). Beste Grüße!
Kolumne Wolf: Mülheim müsste helfen
Was an dieser „Diskussion“ fehlt, sind einfache Fakten: in welchen „Genres“ werden die Stücke geschrieben? Dazu gibt es eine gute Quelle: die Jury der Mülheimer Theatertage. Sie hat wohl 200 Stücke gelesen und viele gesehen. Es müsste für sie einfach sein, eine Liste zu erstellen und diese zu ergänzen durch Autorenangaben wie Gender, Alter, Anzahl Stücke / Aufführungen / Nachspielquoten / Aufführungsorte / Bühnengrössen …

Aufgrund der 7 Auserwählten in diesem Jahr käme folgendes heraus:
1) autofiktional / Familie (Benbenek, Richter)
2) dokumentarisch (Zeller)
3) Über-/Fortschreibung (Schimmelpfennig, Ben Yishai, Köck)
4) undefiniert (Goetz)

Ist das repräsentativ? Es hilft die komplette Liste … Wenn aber Mülheim ein Markt ist, und die Auswahl die „Nachfrage“, wird das „Angebot“ dementsprechend geformt werden …
Kolumne Wolf: Geheime Geständnisse
Bei der Eröffnung des letztjährigen Theatertreffens mit "Vermächtnis" gab es eine aufschlussreiche Mischung: in jeder Pause des Marathons vergewisserten sich viele der anwesenden Theaterleute und Insider ihrer Verachtung für dieses "Netflix"Theater. Auf der Party nach viel Wein und Bier fingen dann die Geständnisse an: wer wo gerührt war, gepackt, gebannt, gelacht hatte und geweint.
Die oft gleichen Theaterleute, die begeistert gute, packende Serien sehen, verachten solche Geschichten im Theater. Ein Teil des Publikums findet aber packende, gerne auch komplexe, widersprüchliche Geschichten besser als Textflächen und ödes Problemtheater.
Und während für viele tolle Serien und Filme mehrere Menschen gemeinsam überlegen, wie eine Situation oder ein Charakter komplex und spannend wird, schreiben im deutschen Theater fast immer einzelne. Klar, das sind auch sehr ökonomische Fragen, aber es gibt eine große Nachfrage nach Qualität.
Ich finde, die eigentliche Frage ist nicht, ob man auch mal "Käse" sagen darf, wenn man zu viel Lebenszeit mit öden, schlecht erzählten Stücken verbracht hat, sondern wie mehr bessere Stücke mit überraschenden Dialogen und interessanten Charakteren entstehen. In dem Autoren über Theater oder Publikum jammern wird es jedenfalls nicht werden.
Kolumne Wolf: Vertraut den Autor*innen
Tja, so oder so: der „Betrieb“ entscheidet momentan zuletzt, was gerade relevant ist, ob man eine (lebende) Autor:in spielen möchte oder was das Publikum angeblich sehen möchte. Und ja: das Argument der Verkaufszahlen! Das zieht natürlich immer! Wie deckt sich das dann aber zum Beispiel mit dem Relevanzmonitor Kultur, der im vergangenen Jahr erschien? 73 % der Befragten wünschen sich neue und aktuelle Stücke! (S. 27 hier: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Presse/Umfrageergebnisse_Relevanzmonitor-Kultur_20230531.pdf)
Warum daher nicht einmal anders herum? Warum befragt der „Betrieb“ nicht mal Autor:innen, was gerade relevant ist und was Publikum vielleicht sehen möchte? Die Autor:innen sitzen nicht in ihrem abgeschotteten Kämmerlein und wissen nicht, was los ist, nur darauf wartend, dass die Theater ihnen mitteilen, was relevant ist. Die Gegenwart, die Relevanz ist ihr Job & Expertise! Vertraut ihnen!
Kolumne Wolf: Statistik
Lieber Mediator,
ja, das entscheidet "der Betrieb" - wer denn sonst? Der bezahlt ja auch die Honorare, der ist rechenschaftspflichtig der Politik gegenüber, den Abonnent:innen etc.pp.. Wer sollte denn Ihrer Meinung nach entscheiden, was gespielt wird? Eine Bürger:innenjury? Die Künstler:innen selbst? Wenn ja, wie soll das ablaufen?

Die Bertelsmann-Studie hat übrigens insgesamt 2505 Menschen befragt, von denen ca. ein Drittel überhaupt nur ins Theater geht. Zusammenfassung: "Die große Mehrheit der Befragten findet es wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Theaterhäuser die Preise so gestalten, dass Menschen aus allen sozialen Schichten die Möglichkeit für einen Besuch haben (89 %), Stücke zeigen, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten (85 %), bei denen man lachen kann (83 %) und die für jeden verständlich sind (81 %) und dass sie ein Treffpunkt für Menschen sind (80 %). Drei Viertel der Befragten halten es für (sehr) wichtig, dass Theaterhäuser Laiengruppen (also z.B. Hobbytheatergruppen oder -orchestern) eine Auftrittsmöglichkeit geben (74 %) und dass sie neue und aktuelle Stücke zeigen (73 %). Dass Theaterhäuser klassische Stücke von bedeutenden Bühnenautor:innen zeigen (63 %) und gesellschaftliche und politische Diskussionen anstoßen (61 %), finden etwas weniger als zwei Drittel der Befragten (sehr) wichtig. Rund die Hälfte (51 %) der Befragten legt Wert darauf, dass Theaterhäuser lockere Veranstaltungen anbieten, wo es auch zu essen und trinken gibt. 43 Prozent finden es (sehr) wichtig, dass Theaterhäuser künstlerische Experimente zeigen; 37 Prozent, dass sie berühmte Künstler:innen (z.B. Schauspieler:innen oder Moderator:innen) auf die Bühne holen. Dass Theaterhäuser Menschen die Möglichkeit geben, Ideen in die Spielplangestaltung einzubringen, finden 29 Prozent (sehr) wichtig. 13 Prozent legen Wert darauf, dass Stücke gezeigt werden, bei denen man spontan mitmachen kann."
Finden Sie das wirklich hilfreich? Wer von den Befragten, der:die sich neue Stücke wünscht, gehört auch zu der Gruppe, die tatsächlich ins Theater geht? Wer von den Befragten kann es sich leisten? (die viel interessantere Frage, aus meiner Sicht) Wer von den Befragten versteht eigentlich was genau unter "neu und aktuell"?

Vielleicht mal zum Ausgleich eine andere Statistik, nämlich die Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins, leider aktuell nur für 21/22 erhältlich. Hier kommen wir in der Realität an - die mit Abstand meisten Zuschauer:innenzahlen hatte in der besagten Spielzeit Christian Stückl mit den Festspielen in Oberammergau (427.240), danach folgen Michael Stamp, Autor von "Der Ölprinz", Karl-May-Festspiele, und Jochen Bludau, der Autor von "Der Schatz im Silbersee" in Elspe und dann folgt - dreimal dürfen Sie raten: William Shakespeare! Auch Dietmar Jacobs & Moritz Netenjakob mit ihrer "Extrawurst" tauchen immerhin in der Tabelle der TOP 10 auf (und wurden immerhin 23 mal inszeniert! Häufiger als Kleist, der war nur 22 mal dran - und Goethe, man staunt, nur 21 mal). Also - was nochmal nützen uns Statistiken? Ich lese die gerne zur Unterhaltung und finde sie häufig überraschend, oft auch (leider) gar nicht. Aber sie bringen mir für meine tägliche Arbeit herzlich wenig.

Aber ja, ich nehme Sie beim Wort: Was, liebe Autor:innen findet Ihr denn wichtig, relevant, und was möchte das Publikum sehen? Über welche Themen und in welcher literarischen Form solltet und wollt Ihr schreiben, um das Publikum zu erreichen? Ich bin ehrlich interessiert, was Ihr darüber denkt.
Kolumne Wolf: Statistiken der Schwindsucht
Liebe Dramaturg:in (again, vermute ich),

Ihr Kommentar hat mich veranlasst, in die Werkstatistiken der letzten Jahrzehnte zu schauen. Auch wenn Sie das sinnlos für Ihren Alltag halten. Dem stimme ich sogar zu: erstens lässt sich aus dem Blick in die Vergangenheit wenig für die Zukuft ableiten (Gruß an die Autoindustrie, Energiewirtschaft und Zeitenwender). Zweitens lässt sich aus dem Unterfangen der Werkstatistiken, einen Blick auf die Gesamt-Theaterlandschaft zu gewinnen, so wenig Einsicht für das einzelne Theater ableiten wie aus der Angabe der 10 weltweit meistgespielten Songs darüber, welche Musik in Gelsenkirchen, Detroit, Johannesburg, Sydney oder Rio tatsächlich gehört und geliebt wird.
Ich bin aber auf etwas Verblüffendes gestoßen, das ich gerne mit Ihnen und der Leserschaft teilen würde. Eine bisher auch von mir nicht in der Klarheit wahrgenommene Entwicklung, die die oben aufgestellte (und in der kommenden Publikaion des VTheA anders belegte) Behauptung eines fundamentalen Wandels stützt. Nur das Ausmaß meiner Verblüffung bringt mich dazu, diesen Kommentar zu schreiben.
Ich habe mir Werkstatistiken im 10-Jahresabstand angesehen. Und zwar die der letzten Vor-Corona Spielzeit 2018/19 und die Werkstatistiken 2009/09 und 1998/99 (dazu die wegen Corona schwer einschätzbare Werkstatistik 21/22). Folgendes fand ich in den Top-10-Listen:
Shakespeare
1998/99: 155 Inszenierungen; 2305 Aufführungen
2008/09: 194 Inszenierungen; 2415 Aufführungen
2018/19: 96 Inszenierungen; 1116 Aufführungen
(2021/22: 65 Inszenierungen; 623 Aufführungen)

Goethe
1998/99: 114 Inszenierungen; 1776 Aufführungen
2008/09: 110 Inszenierungen; 1200 Aufführungen
2018/19: 34 Inszenierungen; 359 Aufführungen
(2021/22: 21 Inszenierungen; Aufführungen nicht in Top 10)

Schiller
1998/99: 63 Inszenierungen; 920 Aufführungen
2008/09: 97 Inszenierungen; 1308 Aufführungen
2018/19: 47 Inszenierungen; 517 Aufführungen
(2021/22: 36 Inszenierungen; 397 Aufführungen)

Brecht
1998/99: 78 Inszenierungen; 1285 Aufführungen
2008/09: 65 Inszenierungen; 837 Aufführungen
2018/19: 57 Inszenierungen; 687 Aufführungen
(2021/22: 20 Inszenierungen; 237 Aufführungen)
(N.B. Die Zuschauerzahlen pro Autor werden in den ersten beiden Werkstatistiken nicht explizit ausgewiesen; mir war das jetzt zu viel des Guten das alles zusammenzurechnen; bei überschlagsweise Schätzung folgen sie den Trends).

Man könnte das mit Kleist, Tschechow, Dürrenmatt, you name it weiter exerzieren. Der Trend ist verblüffend klar. In den letzten 25 Jahren hat sich das Angebot der Theater fundamental verändert - und wird sich weiter ändern. Der "Kanon" hat Schwindsucht (außer vielleicht Karl May....). Dafür wächst die Vielfalt, die sich natürlich kaum in der Top 10 abbildet, sondern in der Vielzahl der hunderten von Produktionen unterhalb der Top-Listen. Die Behauptung, die vor einigen Jahren das "Kulturinfarkt"-Buch herausposaunte "Überall dasselbe" - von wegen. Mit Shakespeare, Goethe, Schiller und Co ist vermutlich keine Zukunft zu machen. Vielleicht mit Überschreibungen?

Zu Ihren abschließenden Fragen: Das lässt sich so natürlich nicht beantworten. Welches Theater? Welche Stadt? Welche Spielzeit? Vielleicht darf ich Sie einladen, nicht auf die richtigen Stücke zu warten, sondern Kolleg*innen anzusprechen, mit ihnen die Schnittmenge zwischen dem, was mutmaßlich vor Ort von Interesse ist, dem, was Sie in der Dramaturgie interessiert und dem, was die Autor*innen interessiert herauszufinden - und daraus gemeinsam neue Abende zu schaffen, die Nerven treffen. Und zwar nicht aus statistischer Motivation, sondern aus gemeinsamer künstlerischer Lust und Neugier an Neuem.
Ich hoffe, mit der Statistik nicht zu sehr genervt zu haben und grüße herzlich.
Kolumne Wolf: Autorenvereinigungen
Alles guter Plan von Dramamturgin und Ulf Schmidt - aber was wird mit AutorInnen, die nicht in dieser(n) Autorenvereinigungen sind undoder gar nicht sein wollen? Die nicht auf Kongresse gehen usw.??? Und die auch nicht weitersagen wollen, was Publikum samt Schnittmengen interessiert, sondern eben für die von ihnen persönlich festgestellten Schnittmengen studieren, darüber fantasieren und schreiben??? Einfach nur das? Wo das Reden über ErfahrenesErlebtesErlerntes aufhört, fängt ja das Schreiben an. Kongresse etc. lenken da nur ab und sind doch eher ein Laufsteg der (intellektuellen) Eitelkeiten, also optional kontraproduktiv. Mag nicht jeder. Mag auch nicht jeder mit vermeintlich branchennötigem "Netzwerken" verwechseln... Auch rumnervend: Ebenfalls herzliche Grüße - aka KuF
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