Medienschau: BLZ – Berlins Kultursenator Klaus Lederer zur Machtmissbrauchsdebatte

"Die Prozesse sind nie dieselben"

26. Februar 2022. In der Berliner Zeitung interviewt Ulrich Seidler den Berliner Kultursenator Klaus Lederer zur Machtmissbrauchs- und Diskrimierungsproblematik im Theaterbetrieb. Ausgangspunkt des Gesprächs sind die verschiedenen Beschwerdeverfahren, mit denen Lederer in seiner ersten Amtszeit konfrontiert worden war und die zu intensiven öffentlichkeitswirksamen Strukturdebatten geführt hatten.

Seidler befragt Lederer detailliert zu den einzelnen Fällen und vor allem zu seinem jeweils unterschiedlichen Umgang mit ihnen. Sowohl Klaus Dörr als (Interims-)Intendant der Volksbühne als auch Kay Wuschek als Intendant des Theaters an der Parkaue waren infolge der gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgetreten. Den Intendanzvertrag von Shermin Langhoff am Maxim Gorki Theater hatte der Berliner Kultursenator hingegen verlängert, obwohl auch gegen sie Beschwerden vorlagen.

"Die Prozesse und die Vorgänge sind nie dieselben", erklärt Lederer dazu im Gespräch mit Seidler und rekurriert  anschließend direkt auf einen Artikel, der bereits am 23. Februar 2022 – ebenfalls in der Berliner Zeitung – zum Thema erschienen war. Die Journalistin Birgit Walter hatte darin von "Cancel-Kultur in den Berliner Kulturbetrieben" gesprochen und war sowohl mit dem Kultursenator als auch mit der Presse hart ins Gericht gegangen, die mit "Verdachtsberichten" Karrieren zerstöre. Ganz sicher sei das Thema, so Lederer dazu im Gespräch mit Seidler, "nicht dafür geeignet, alles in einen Topf zu rühren, um dann mit Furor die grassierende Cancel Culture zu beklagen".

Neben der Machtmissbrauchs- und Diskriminierungsdebatte ist auch René Polleschs Intendanzstart an der Berliner Volksbühne Thema des Gesprächs. "Ich traue René Pollesch zu, dass er diese Herausforderung bewältigt, und ich glaube, dass diese Findungsphase auch wieder in eine andere kraftvollere Präsentation des Hauses in die Stadt mündet", so Lederer.

Am Ende des Interviews angesprochen auf Putin und den Krieg Russlands gegen die Ukraine, antwortet der Kultursenator von der Partei Die Linke: "Meine Haltung ist da klar, die der Parteispitzen gleichermaßen." Davor, dass Putin "seinen größten Kritikern recht gegeben" habe, könne und werde die Linke nicht die Augen verschließen, erklärt Lederer weiter. "Wir sind uns einig, dass es gelingen muss, die russische Aggression und diesen Krieg unverzüglich zu beenden."

(cwa)

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