Medienschau: Die Welt – Die Regisseurin Kurdwin Ayub
Darf ich nur das brave Migrantenmädchen sein?
Darf ich nur das brave Migrantenmädchen sein?
15. Februar 2025. Jakob Hayner hat die in Wien aufgewachsene kurdisch-österreichische Regisseurin Kurdwin Ayub getroffen.
Es sei noch der vor einem Jahr plötzlich verstorbene Intendant René Pollesch gewesen, der Ayub an die Volksbühne holte, schreibt Hayner. Nachdem auf der Berlinale 2022 Ayubs Film 'Sonne' als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet wurde, habe Pollesch ihr angeboten, fürs Theater zu arbeiten. Jetzt hatte ihre Debütinszenierung "Weiße Witwe" Premiere, deren Textvorlage sie, so wie bei ihren Filmen – auch selbst geschrieben hat.
Die Idee zu ihrem jüngsten Film 'Mond' sei Ayub durch eine Dokumentation über Prinzessin Latifa aus Dubai, gekommen, die mit der Hilfe ihrer finnischen Sportlehrerin vor ihrem Vater zu fliehen versuchte, was dramatisch scheiterte. 'Mond' sei ein Blick aus dem Westen auf den Nahen Osten und umgekehrt. "Man ist zu Hause eingesperrt, und dann kommt Europa“, zitiert Hayner die Regisseurin. "Und man will, dass Europa einem hilft, aber das tut es nicht, weil es selbst gefangen ist – in einem Käfig."
Ayub wisse, wovon sie spreche, sei sehr patriarchal aufgewachsen. "Ich sollte ein braves Mädchen sein.“ Als sie sich in der Schule hilfesuchend an einen Lehrer wandte, weil es ihr schlecht ging, habe sie den Ratschlag bekommen, sich ein Hobby zu suchen. Eine Enttäuschung, die bei Ayub zur Wut geworden sei. Was sie außerdem wütend mache, seien "die vermeintlich superrücksichtsvollen Kultursensiblen.
Sie erzählt, wie sich bei einer Vorführung von 'Mond' ein junger weißer Mann zu Wort meldete, der meinte, 'den Elefanten im Raum' ansprechen zu müssen. Er warf ihr vor, dass der Film Vorurteile über Muslime reproduziere und Ängste schüre, die den Rechten nützten. Als Antwort warf Ayub ihn aus der Veranstaltung. 'Darf ich nur das brave Migrantenmädchen sein, um keine Vorurteile und Klischees zu bedienen? Wenn ich etwas Problematisches aus meiner Kultur anspreche, höre ich oft: Darf die das?', so Ayub. Durch falsche Rücksichtnahme – zum Beispiel Linke, die Deutschkurse in Problembezirken rassistisch finden – werde die Benachteiligung nur verstärkt."
(Die Welt / sle)
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