Medienschau: FAZ – Joe Chialo im Interview zum Sparkurs
Der Sparmuskel muss angezogen werden
Der Sparmuskel muss angezogen werden
26. November 2024. In der Fankfurter Allgemeinen Zeitung spricht der Berliner Kultursenator Joe Chialo ausführlich mit Simon Strauß über die drastischen Kulturkürzungen. Auf die Szene kämen "ganz massive strukturelle Änderungen" zu.
Bis zum Parlamentsbeschluss am 19. Dezember bleibe es dabei, dass "die Grundlage" die Linie sei, "die uns von der Koalitionsspitze vorgegeben worden ist". Dennoch könne man, "wenn es technische oder juristische Unwägbarkeiten gibt", gemeinsam mit den Parlamentariern "entsprechende Änderungen" vornehmen. Im Interview nennt Chialo unter anderem das Deutsche Theater Berlin, das sich finanziell "in einer dramatischen Schieflage" befände, weshalb "eine höhere Belastung automatisch dazu führen würde, dass dieses Haus de facto schließen" müsse. Hier wolle man noch einmal "ganz genau" hinschauen.
Auch die Sanierung der Komischen Oper, die Schaubühne, "das Theater an der Parkaue, das Gripstheater, das Thema Kinder- und Jugendtheater generell" zählt der Senator unter eine "ganze Reihe von harten Fällen, in denen die Einsparvorgaben so nicht funktionieren werden". Von der Schließung "einiger Bereiche" müsse gleichwohl ausgegangen werden, nicht aber der von Häusern wie dem Deutschen Theater oder der Schaubühne.
Gleichzeitig müsse aber klar sein: "So wie es bisher lief, geht es nicht weiter. Der Sparmuskel muss jetzt angezogen werden und man muss sich mit der Situation arrangieren, dass weniger Geld für die Zukunft der Kultur zur Verfügung steht." Es sei an der Zeit für mehr Eigenverantwortung und die konkrete Auseinandersetzung mit der Frage, "wie man wirtschaftlich handeln kann, um zukunftsfest zu sein".
Chialo führt für die Zukunft auch vermehrte Kreditfinanzierungen für die Bühnen ins Feld – hierfür müssten diese allerdings in eine GmbH überführt werden, um Kredite beim Land aufnehmen zu können, wie Simon Strauß erwähnt. Auch beim "Pricing" und "Ticketing" müsse voraussichtlich nachjustiert werden. Denkbar sei, "dass man verstärkt auch vermögende Kunstliebhaber anspricht" oder Kooperationen mit der Wirtschaft nach dem Vorbild der Zusammenarbeit von BMW und der Staatsoper Unter den Linden weiter ausbaue.
Die Herausforderung, vor der er jetzt stehe, nennt Chialo eine, "die wir seit über 20 Jahren nicht mehr hatten, nämlich die Haushaltskonsolidierung". Der bei manchen zu verzeichnende Glaube, "dass diese Krise am Ende doch wieder mit großen Beträgen zugeschüttet wird wie während Corona", habe sich "jetzt absolut als irrig" herausgestellt, so Chialo.
(Frankfurter Allgemeine Zeitung / jeb)
mehr medienschauen
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne
neueste kommentare >
-
Nach dem Leben, Nürnberg Empfehlung
-
Die Quelle, Wien Claquere unterwegs
-
Leser*innenkritik Black Rider, SHL Flensburg
-
Burn, Baby, Burn!, Hannover Sagenhaft gut
-
Die Quelle, Wien Bitte weitermachen
-
Fräulein Else, Wien Danke!
-
Über die Notwendigkeit, ... , Wiesbaden Super Abend
-
Fräulein Else, Wien Phänomenal
-
Irgendetwas ist passiert, Berlin Lauwarm
-
Theaterpodcast Investigativtheater Aufklärung?





Interessantes Detail: die konkrete Streichliste wurde von den Spitzen der Fraktion erarbeitet in Runden ohne Chialo.
Aber Wut hilft nicht weiter - was kann dieser Strategie entgegengesetzt werden? Lauwarme Demos mit knapp über 1.000 Demonstranten oder wohlfeile Solidaritätskonzerte wirken nicht. Man muss auch der Realität ins Auge blicken, dass die geförderte Kultur nur ein Minderheitenprogramm ist und umso anspruchsvoller oder gar experimenteller, umso mehr. Eine Überlegung wäre ein systematischer, flächendeckender, lang andauernder Streik - alle Kultureinrichtungen schließen ab sofort - gerade in der Weihnachtszeit sicherlich öffentlichkeitswirksam. Auf Grund der Pandemieerfahrung befürchte ich aber, dass dies eher zu biedermaierlichen Rückzügen des potentiellen Publikums führen würde. Vor allem aber braucht es ein klar formuliertes Ziel - und die komplette Rücknahme der Sparvorgaben können und dürfen das nicht sein. Für mich ist es selbstverständlich und ein Akt der Solidarität, dass in Zeiten knapper Kassen alle ihren Beitrag leisten müssen. Auch die Kultur.
Das heißt aber, dass - wenn der Kultursenator seine Arbeit verweigert - sich die Kulturschaffenden verständigen müssen, was und wie sie ihren Beitrag leisten können. Denn wie gesagt, die Gießkanne ist in diesem Fall das schlechteste Instrument. Welche Hebel gibt es aber, wenn die unter #2 so realistisch dargestellte Dystopie nicht Wirklichkeit werden soll? Ich sehe da nur zwei Möglichkeiten. Erstens die eingangs angedeutete komplette Aufgabe einzelner Institutionen. Das ist hart für die davon betroffene Institutionen, aber das würde den übrig gebliebenen Institutionen ihr Auskommen sichern. Hier ist das Problem, dass die Aufgabe erst einmal Kosten durch Abfindungen etc. verursachen würde. Trotzdem darf diese Möglichkeit - weil es eben so wenig andere gibt - nicht aufgegeben werden. Zweitens Einsparungen bei den Fixkosten generieren. Auch da höre ich die Schmerzensschreie, aber bitte, warum nicht solidarisch auf Gehaltsanteile verzichten und wer viel verdient, verzichtet auf mehr, und die, die wenig verdienen, behalten ihren Status? Mir ist klar, dass das keine wünschenswerte Vorschläge sind, aber gibt es andere Vorschläge, wenn auch in der Kultur gespart werden muss?
Dazu muss dringend auch ein Gegenangriff gestartet werden. Dazu ist erstens deutlich zu machen, dass der überproportionale Sparanteil des Kulturhaushaltes nicht zu rechtfertigen ist, sondern Ausdruck klarer politischer Prioritäten ist - billiges Parken für klimaschädlichen Individualverkehr statt aufklärende Unterhaltung (und Anstrengung) für die Gesellschaft. Bezahltes Schulmittagessen für Wohlhabende und Reiche statt Unterstützung für marginalisierte Gruppen usw usf. Ich wünsche mir hierzu, in jeder Aufführung, auf jedem Event kluge, witzige und klare Statements von den Künstler:innen, sinnvoll eingebettet in ihre jeweilige Performance (bitte keine billige Agitprop - das bewirkt nur das Gegenteil). Gleichzeitig müssen mit allen Mitteln die Protagonisten dieser unsäglichen Politik ihrer verdienten Lächerlichkeit Preis gegeben werden - nichts erschüttert auf Dauer mehr Autorität und Zustimmung. Außerdem hilft das Lachen auch gegen Trauer und Wut.
Kai Wegner laut dpa/Tagesspiegel: „Denn dieser Frage müssen wir uns stellen: Ist es richtig, dass die Verkäuferin im Supermarkt, die wahrscheinlich eher selten in die Staatsoper geht, mit ihrem Steuergeld diese Eintrittskarten allesamt mitsubventioniert? Wir brauchen meiner Meinung nach einen Mentalitätswechsel in unseren Theatern und Opernhäusern, wir müssen mehr auf Wirtschaftlichkeit und Eigenverantwortung achten.“
Wenn eine Partei wie die CDU, ein Politiker wie Wegner, mal "sozial" klingen will, bemüht sie/er ein Stereotyp wie "die Verkäuferin im Supermarkt". Das kann man als Aufruf zur Erstürmung durch Besuchsvermeidung lesen. "Bastions"-Implosion durch Leere. "Wirtschaftlichkeit und Eigenverantwortung": Was hinter diesem Mantra steckt, sollten Mitarbeiter:innen im Verkauf, Dramaturg:innen und Schauspieler:innen gleichermaßen wissen - bestimmt keine Antwort auf die soziale Frage.
Wegners Anmerkung ist so dämlich, dass man in Versuchung kommen könnte, zivilisatorische Standards fahren zu lassen, um ihm die Meinung zu geigen. Doch wir kommen nur in Versuchung, der Berliner Senat lässt diese Standards tatsächlich fahren. Es ist zum ...
- Wer trägt überdurchschnittlich zum Steueraufkommen bei? Eher weniger die Supermarktverkäuferin.
- Welche staatlichen Leistungen nimmt denn die Supermarktverkäuferin in Anspruch? Sollten Hochverdiener/innen diese künftig nicht mehr mitsubventionieren, sondern von der Supermarktverkäuferin "mehr Wirtschaftlichkeit und Eigenverantwortung" verlangen?
- Wer bezahlt eigentlich die Polizeieinsätze bei Fußballspielen, die viele Leute besuchen, die gleichzeitig nicht ins Theater gehen?
- ** Kann es Sinn einer Gesellschaft sein, solcherlei Gegeneinanderaufrechnung zu machen? **
- Wieviel weniger verdient eine Supermarktverkäuferin pro Stunde als jemand mit Mindestgage NV Bühne? (Und sind dessen Arbeitsstunden ein guter Maßstab zur Stundenlohnberechnung?) Setzt sich Kai Wegener also dafür ein, dass der gesetzliche Mindestlohn für alle gilt und angehoben wird?
- Wäre es nicht viel schöner, wenn Kai Wegener mal dafür sorgen würde, dass Leute, die weniger in die Oper gehen, wie er es bei Supermarktverkäuferinnen vermutet, häufiger solche Orte besuchen? Oder ist es ihm recht, dass das nicht passiert?
- Und bei wem landen denn eigentlich diese Subventionen? Sind das nicht sehr viele (überwiegend?) Berlinerinnen und Berliner? Wieviel dieser Ausgaben bleiben in der Stadt und sorgen für Nachfrage und weitere Steuereinnahmen?
- Wohin fließt das Geld bei einer verstärkten, eigenen Kreditfinanzierung der Berliner Häuser?
Besonders gedanklich kurzatmig ist sein Verweis auf die 1 Mrd. Kulturetat: "Das ist immer noch der höchste Etat seit dem Mauerfall." - Frage eines lesenden Arbeiters: Schonmal was von Inflation gehört, Herr Bürgermeister? Wie ist denn der relative Anteil gewachsen? Und wie die inflationsbereinigten Pro-Kopf-Ausgaben? Und wie steht das im Vergleich zu anderen Metropolen? Wer als ausgebildeter Versicherungskaufmann (K. Wegener) basale Volkswirtschaft nicht beherrscht, sollte zurück nach Spandau gehen. Und wohlgemerkt, wer möchte statt Inkompetenz Böswilligkeit unterstellen?
...
Freilich ist es richtig zu fragen, ob nicht die teureren Plätze preislich angezogen werden können! Why not. Aber bekommen wir da 130 Millionen raus, liebe hochbezahlte Staatsfunktionäre samt Rechenapparat? Ich erlaube mir ein wenig Nachhilfe zu geben: Wir rechnen da mal auf die verkauften Karten der höchsten Preiskategorien herunter. Bei drei Millionen Besucher/inne/n pro Jahr insgesamt nehmen wir mal optimistisch eine Million Hochpreiskarten an. Wären 130 EUR pro Karte mehr. Nun sollte auch jemand mit mittlerem Schulabschluss verstehen, dass dann die Nachfrage zurückgeht. Selbst wenn man erreicht, ausgabenseitig um 50% die Einsparungen zu erreichen, würden immernoch einnahmenseitig 65 EUR pro verkaufter Hochpreiskarte dazukommen. Herr Wegener, können Sie das Ihrer Wählerklientel in Charlottenburg und Zehlendorf verkaufen [sic!]? Oder möchten Sie lieber die günstigsten Karten verteuern, damit die von Ihnen so überraschend ins Feld geführte Supermarktverkäuferin ÜBERHAUPT NICHT MEHR ins Theater gehen kann, weil es einfach zu teuer ist?
Die zahlenmäßig meisten zahlenden Besucher/innen kommen übrigens schon überwiegend aus den Häusern mit den teuersten Karten: https://www.berlin.de/sen/kultgz/aktuelles/pressemitteilungen/2024/20240328_zahlende-besucherinnen-und-besucher_2023.pdf?ts=1711613750
- Friedrichstadtpalast: 459000 Karten, 100 bis 200 EUR in den vier teuersten Kategorien
- Deutsche Oper: 243000 Karten, 74 bis 184 EUR in der teuersten Kategorie
- Berliner Philharmoniker: 242000 Karten, 49 bis 314 EUR in der teuersten Kategorie
Vorschlag: Alle Häuser erhöhen einfach pauschal in ihrer teuersten Kategorie um 130 EUR (was sicherlich keine 1Mio Karten ergibt, aber sei's drum) und schwupp, sind die 130 Millionen im Sack. Das ist wohl die Rechnung zweier Spitzenbeamter: Wegener und Chialo. Honi soit qui mal y pense!
Nota bene: Meinetwegen könnte die Staatsoper und könnten die Philharmoniker mehr Cash einsammeln, aber welcher Dax-Konzern wird schon die Häuser 1-10 im oben verlinkten pdf sponsorn? #daskapitalim21jahrhundert - Haben die beiden VWL-Zampanos hier irgendeine Idee außer flotten Sprüchen, wie Vielfalt stattfinden soll?
Summa summarum: Die CDU entblößt sich hier ihrer selbst. Was die Sozialdemokraten Müller und Renner an Redlichkeit vermissen ließen im Falle der Volksbühnenintendanz, setzen die Christenmenschen Wegener und Chialo nun als eilfertige Abwickler der Berliner Theater und Orchester et cetera fort. Schämen Sie sich. Sie haben beide einen Amtseid geschworen. Ihr Vorgehen ist eine Schande. Insbesondere die Kurzfristigkeit und Gedankenlosigkeit -- wenn man Inkompetenz unterstellt. Was sonst?
Oder andersherum: Wer bei anderen einfordert, den Sparmuskel anzustrengen, sollte wohl selbst mal den eigenen Gehirnmuskel trainieren. Sollte der trainiert sein, dann kann es nur noch am Rückgrat liegen. Meine ferndiagnostische Hypothese.
Von Kosten für Bühnenbilder, unnötigen Requisiten etc ganz zu schweigen.
Kurz: gerade się großen Häuser sollten sich jetzt in den Spiegel gucken bzw. an der Nase packen. Eine Auseinandersetzung mit finanziellem Augenmaß kann hier nicht schaden. Was hier an Kohle verbraten wurde, ist mitunter obszön. Aber die geplanten Sparmaßnahmen treffen im Endeffekt wahrscheinlich die kleinen Gruppen und Einrichtungen, die das absolut nicht verdient haben. Es ist wirklich traurig.
Ob die Star-Regisseure und regieführenden Intendanten der großen Häuser nun auf ihre Gage verzichten werden ?? Vermutlich zu viel verlangt.
Joe Chialo und Kai Wegener wissen das auch, deswegen bringt Chialo im Tagesspiegel-Interview die selbstständige Kreditfinanzierung der Häuser ins Spiel. Ja, der Senator hat das eine oder andere trifftige Argument, keine Frage. (Übrigens auf der anderen Seite ebenso: Das Argument von Reese "5 Premieren weniger" ist eher lachhaft-denkträge und daher kontraproduktiv.) Aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier seitens des Senats eine ganz üble Agenda gefahren wird, wie die obige Debatte beschreibt, und ich im Folgenden aufzeigen möchte.
Sollte Joe Chialo selbst glauben, was er sagt: "Wir reden von zwei, drei Jahren, wo wir uns zusammennehmen müssen, aber dann wird auch Berlin in neuem Licht erstrahlen. [...] Die Kultur wird immer in Berlin das Wichtigste sein, was wir haben" [1], müsste er als Verteidiger der Kunst folgendes tun:
- 12/2024: Kredit über 2x 130 Millionen Euro aufnehmen. (Läppisch im Rahmen der Gesamtverschuldung Berlins.) Alternativ als schwach verzinste, aber hochsichere und ideell reizvolle Berliner Kunstanleihe. Also 2x 130000 Bürgerinnen und Bürger zu je 1000 Euro. (Ida Müller stiftet sicherlich ein gutes Design.)
- 2025: ungekürzte Kulturausgaben, unter Verwendung der ersten 130 Millionen Cash aus der Anleihe
- 2026: ungekürzte Kulturausgaben, unter Verwendung der zweiten 130 Millionen Cash aus der Anleihe
- 2027: minimal gekürzte Kulturausgaben, und zwar um die für 2025 fälligen Zinsen reduziert, das wäre ein Bruchteil der 130 Millionen und durch die Häuser mittels die von Ihnen beschriebenen und weiterer Maßnahmen (moderate Preisanhebungen) sicherlich wg. langfristiger Planbarkeit und verringertem Sparumfang zu leisten
- 2028: wie 2027
- 2029: Ausgaben unverändert
Wer jetzt sagt, das sollen die Theater doch selbst machen mit der Anleihe darf "Economies of Scale" googlen. Und was für ein Husarenstück wäre es, wenn es der Senator schaffte?
Stattdessen markige Worte à la "Sparmuskel", "Eigenverantwortung" und "mein Haus war daran nicht beteiligt" und "nochmal ganz genau hinschauen". Es entsteht der Eindruck: Wer sich so faul aus der Verantwortung für sein Ressort stiehlt ist letztlich nur Eilbote für den Finanzsenat. Denn wo sind denn - außer der Entscheidung des Rasenmähens (immerhin wird kein Haus ad hoc geopfert!, das muss man dankend anerkennen) - die inhaltlichen, fundierten Lösungsvorschläge aus der Brunnenstraße? "Alle mal herhören. Ihr bekommt weniger Geld ab nächstem Monat", das kann ich auch. Dafür brauche ich nur Excel und Outlook, aber keinen Senator.
Wenn es also keine Inkompetenz ist, was ist es dann? Frage ich erneut.
[1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/berlins-kultursenator-zum-haushalt-wir-reden-von-zwei-drei-jahren-wo-wir-uns-zusammennehmen-mussen-12790400.html
Ob wir 130 Millionen einsparen, wenn wir Gastschauspieler/innen nicht mehr auftreten lassen? Man spart immerhin nur die Differenz zur Gage deswährenddessen (von Ihnen vermutet) beschäftigungslosen Ensemblemitglieds. Konkrete Sparvorschläge sind super. Aber wir sollten sie zu Ende denken.
Peymann hat mehrmals Wilson plus Stab ans BE geholt. Hat sicherlich mehr als einen Apfel und ein Ei gekostet. Aber dafür hatten sie fette Gastspieleinnahmen und dauerhaft volles, zahlendes Haus.
Ist leider so. Tut mir leid.
Weiter gedacht: ob z.B. eine Verschmelzung mehrerer (so viel wie möglicher) Häuser in (so wenig wie mögliche) GmbH-"Cluster" hier vielleicht sogar auch sinnvoll sein könnte?
Und daher muss man sich entscheiden, welche Struktur man sich leisten kann/will. Nur eines wäre absoluter Unfug, nämlich ein Mix der Systeme mit teuren Parallelstrukturen, wo es fix engagierte Vollzeitkräfte in Bereichen gibt, in denen zugleich viele Gäste engagiert sind. Kurz: entweder Stadttheater mit fallweise Gästen in einzelnen Sektoren und Gewerken, oder reiner Festival-/Gastspiel-/Koproduktionsbetrieb, wo grundsätzlich alles von den künstlerischen Mitwirkenden bis hin zu Bühnenrechnik und sogar dem Veranstaltungsort nur fallweise und anlassbezogen eingekauft/engagiert/angemietet wird. So wie das praktisch in fast allen Theatern in Frankreich, Italien, Belgien, Benelux, Spanien, Großbritannien, Kanada, Lateinamerika oder den USA immer üblich war und ist.
Zu der offensichtlich notwendigen Kostendisziplin gehört das aber jetzt selbstverständlich dazu..
Ändert auch nichts an der Tatsache, dass die großen Theaterhäuser in Deutschland (bzw. ihre Leitungsteams) grundsätzlich kein gutes Gewissen haben können nach Exzessen in der Vergangenheit.
Das Problem der Causa ist nicht nur die Höhe und Pauschalität der Streichungen, sondern insbesondere die Kurzfristigkeit. Frage: Streicht Herr Chialo auch 12% seines eigenen Gehalts und 12% der Stellen in seinem Haus ab 1.1.2025? (Es wäre zu vermuten, dass in beiden Fällen seine Bereitschaft, andere bluten zu lassen durchaus weniger ausgeprägt wäre.)
Holterdipolter die unmittelbar bevorstehenden Monate über den Haufen zu werfen, erzeugt ja gerade Mehrkosten und Unsicherheit. Das ist unprofessionell. Hier muss der Senator und seine Mannschaft nacharbeiten. Es braucht ein langfristigeres Herangehen! Und damit einhergehend: Sicherheit. Planungssicherheit auch. Und Zeit für eine ordentliche Debatte. Durch das aktuelle Hauruck schadet der Senat massiv der künstlerischen Arbeit.
Die ohnehin herausragende Joana Mallwitz sagt hier alles Wesentliche! (By the way: Blick über den Tellerrand Theater hin zur Musik.) Bitte als Dauerschleife in die Brunnenstraße, was diese mehr als multitalentierte Führungskraft und Kunstfrau so klug, pointiert, ruhig, charmant, informiert und haltungsvoll unters Volk bringt: https://www.youtube.com/watch?v=LxMtHBNKDRY