Medienschau: Welt – Welches Theater rechte Vordenker wollen

"Agonistisches" Theater

"Agonistisches" Theater

4. Februar 2025. Dass "Postdramatische Theater" werde heute mittlerweile verabschiedet, und zwar auch von rechter Seite, so Jakob Hayner in der "Welt". Ein "agonistisches" Theater soll an seine Stelle treten. Aber was ist das überhaupt?, fragt der Kritiker. 

Jakob Hayner holt in seinem Text in der Welt (3.2.2025, hinter der Paywall) weit aus, streift Bernd Stegemanns "Kritik des Theaters" aus dem Jahr 2013, dem Jahr als sich die AfD gründete, um zur aktuellen Winterausgabe von "Tumult. Vierteljahresschrift für Konsensstörung" zu kommen und dem Aufsatz "Das agonistische Theater", der von dem Schriftsteller Boris Preckwitz stammt, der vom Poetry-Slam bei der AfD landete.

"Mit Verweisen auf Friedrich Nietzsche und Jacob Burckhardt, mit Hannah Arendt, Chantal Mouffe, Carl Schmitt und einigen geistigen Verrenkungen skizziert Preckwitz ein 'agonistisches', also wettstreitorientiertes Theater", so Hayner und analysiert, "weil Deutschland auf dem Weltmarkt und im Wettstreit ums Dasein schwächelt, sollen es Trimm-dich-Bühnen richten". Denn bei Preckwitz heißt es: "Ein zeitgemäßer gesellschaftlicher Auftrag an die Theater könnte wohl lauten, eine Ertüchtigung zur mentalen Wettbewerbsfähigkeit der Bürger zu leisten." Heißt, so Hayner, dass sich Preckwitz keineswegs daran störe, dass die Theater aktivistisch und identitätspolitisch sind, sie sollen es nur im Sinne seiner Staatsauffassung sein.

Stegemanns Kritik, dass sich die Theater ästhetisch nicht abhängig von einer herrschenden Ideologie machen sollten, werde von Preckwitz ins Gegenteil verkehrt: Er störe sich zwar an der Ästhetik, nicht aber an der Abhängigkeit. Der Rechtsaktivismus verhalte sich im Wettstreit der theatralen Ertüchtigungsmodelle spiegelbildlich zum Linksliberalismus, "eine tief greifende Kritik ist das nicht". Und Fazit: "Nun wird um das Erbe der Postdramatik gestritten. Dass dabei die neuen Rechten mitmischen, kann man zur Kenntnis nehmen ohne Panik. Was es braucht, sind bessere Vorschläge für das Neue."

(welt.de / sik)

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