Medienschau: MDR – Staatsschauspiel Dresden prüft NS-Vergangenheit von Erich Ponto
Beschädigte Moral-Legende
16. Januar 2025. Erich Ponto, 1957 verstorbener Schauspieler und früherer Generalintendant des Staatsschauspiels Dresden, hat in der Nazizeit in NS-Propagandafilmen mitgewirkt. Die entsprechende Recherche der Sächsischen Zeitung veranlasste das Theater, Pontos NS-Verstrickungen wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen, berichtet der MDR.
Erich Ponto baute nach dem Zweiten Weltkrieg als Generalintendant das Theater in Dresden wieder mit auf. In Lessings "Nathan der Weise" habe er den Nathan gespielt, einen Juden, der sich am Ende für die Religionsfreiheit stark macht, so Stefan Petraschewsky vom MDR. Im Dritten Reich allerdings hatte Ponto im NS-Propagandafilm "Die Rothschilds" einen Juden gespielt, der mit fremden Kapital Gewinn erwirtschaftet und mit Krieg Geld verdient. 1944 war er in der "Feuerzangenbowle" an der Seite von Heinz Rührmann zu sehen.
Der Stadt Dresden zufolge sei Erich Ponto, der seit 1990 Ehrenmitglied des Staatsschauspiels ist und nach dem ein Preis für Nachwuchschauspieler*innen benannt ist, während des Zweiten Weltkriegs "integer geblieben". Dem widerspricht der Journalist Oliver Reinhard von der Sächsischen Zeitung: Die Biographie von Erich Ponto sei nie eingehender betrachtet worden, zitiert ihn der MDR.
Staatsschauspiel-Intendant Joachim Klement sagte dem MDR, dass Erich Pontos NS-Vergangenheit wissenschaftlich aufgearbeitet werden solle. Man wisse inzwischen, dass dieser kein NSDAP-Mitglied gewesen sei. Um mehr herauszufinden, werde die Arbeit des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater von einer Historiker*in begleitet und erstrecke sich auf alle Ehrenmitglieder des Staatsschauspiels. Bereits im vergangenen Jahr war das Theater auf die NS-Vergangenheit eines weiteren Ehrenmitglieds hingewiesen worden; dem Schauspieler Reinhold Bauer, der Initiator einer NSDAP-Theaterfachgruppe in Dresden gewesen war, die 1933 unter anderem für die Entlassung von Generalmusikdirektor Fritz Busch gesorgt hatte, wurde daraufhin die Ehrenmitgliedschaft entzogen.
(MDR / eph)
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