Medienschau: NDR – Rauchen als Stilmittel
Rauchen ist tödlich
Rauchen ist tödlich
4. April 2022. Ob Rauchen auf der Bühne ein interessantes Stilmittel sei, fragt Anina Pommerenke die Opern-Regisseurin Yona Kim im NDR. Hintergrund: Die Autorin ist ehemalige Raucherin, deswegen (nach Selbstbeschreibung) "militanteste Nichtraucherin" und vermutet eine Rückkehr der brennenden Zigarette auf den Bühnen.
Pommerenke interviewt Kim als Opern-Regisseurin weil diese Puccinis "Turandot" an der Staatsoper Hamburg (Premiere Mitte März) inszenierte – und Turandot an dem Abend alleine in ihrem Zimmer in den Nachthimmel raucht. Kim erklärt, dass im riesigen Raum der Bühne Turandot durch ihre Zigarette besonders einsam aussehe – und genau das die Absicht der Szene sei. "Ein Mensch, der in der Nacht schlaflos am Fenster steht und eine Zigarette anzündet und dem Tagesanbruch entgegen starrt, um überhaupt irgendetwas tun zu können."
Obwohl Rauchen im Alltag nicht mehr so salonfähig sei wie vor 20 Jahren, sei es als Stilmittel auf der Bühne geblieben. Regisseur:innen setzten dieses allerdings sehr unterschiedlich ein, betont Kim. Die Regisseurin wehrt sich gegen eine vermeintliche Vorbildfunktion von Kultureinrichtungen in Bezug auf das Rauchen: "Meiner Meinung nach ist Kunst sicher nicht das Format, wo man jetzt Anti-Raucher-Kampagnen veranstalten sollte, die jetzt die Menschheit vor tödlichen Krankheiten bewahren. Ich glaube, Kunst hat die Funktion ganz woanders."
Kim betont, dass man Kunst nicht darauf reduzieren solle, die öffentliche Gesundheit zu bewahren – "das wäre wohl ein bisschen beengend, oder? Ich denke, Kunst muss aus allen Mitteln schöpfen und vor allem muss man da höllisch aufpassen, die Aufgabe oder die Inhalte der Kunst deckungsgleich zu machen mit gesellschaftspolitischen oder gesundheitspolitischen Themen." Kunst lebe davon, sich von allen Zwängen und gesellschaftlichen Verpflichtungen zu befreien. "Diese Freiheit bedeutet zwar auch nicht Mutwilligkeit oder Willkür, also dass Kunst einfach alles machen darf, sondern ich glaube, man muss von diesen alltäglichen Zwängen Abstand nehmen, um auch mal wieder durch diese Distanz die anderen Zusammenhänge durchsichtiger zu machen oder aus anderen Perspektiven zu beleuchten." Deswegen sei es "tödlich" Rauchen an sich als eine Art asoziale Angewohnheit zu verbannen.
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