Medienschau: NZZ, Bund – Antisemitismus in der Berner Kulturszene

Hamas-Freunde in Schlüsselpositionen?

Hamas-Freunde in Schlüsselpositionen?

11. April 2025. In der NZZ schreibt Lucien Scherrer über eine Debatte, die seit Wochen die Berner Kulturszene in Aufruhr versetzt. Dort hatte es Proteste gegen einen Auftritt der Sängerin Sophie Hunger gegeben, die als "israelfreundlich" gilt. Werden in der Schweiz stattdessen Extremisten hofiert? 

Dafür sieht Scherrer Anhaltspunkte, wenn er in seinem Artikel auf einige Akteure in der Berner Kulturlandschaft blickt: "Die Mischung aus Israel-Hass und Sympathie für islamistischen Terror, die in Bern wie in anderen Städten gedeiht, vereint linke Bürgerkinder, Partygänger, postkolonial inspirierte Kirchenvertreter und Migranten, die Juden als Feinde des Islam und der Araber betrachten." 

Die Stadt Bern sei "kein Safe Space mehr für Menschen, die Empathie für Juden und Israeli" zeigten, schrieb die jüdische Publizistin Hannah Einhaus jüngst an den Sicherheitsdirektor der Schweizer Bundesstadt, der geäußert hatte, dass es wegen des Auftritts von Sophie Hunger "keine Sicherheitsbedenken gebe".

Die Angriffe auf Sophie Hunger offenbarten "ein tieferliegendes Problem in der Berner Kulturszene", so der NZZ-Artikel, auf das Ende März auch ein offener Brief von Künstler*innen an die Stadtregierung hingewiesen habe. In Bern habe sich, so Scherrer, "in linksalternativen Kreisen eine Ideologie ausgebreitet, die von einfachen Weltbildern, Geschichtsvergessenheit, Verschwörungstheorien und 'radical chic'" lebe. Deren Anhänger sähen sich "als Vorkämpfer für Diversität und Fortschritt", schürten aber "Hass auf Juden und Andersdenkende".

"Im Kulturbereich teilt die 'Palästina-Fraktion' Kulturschaffende aufgrund ihrer jüdischen Identität oder nicht genehmer Äusserungen in zwei Lager und ‘markiert‘ die vermeintlichen Gegner auf Social Media", schreibt Bernhard Ott im Berner Bund (6.4.2024). Immerhin habe der Stadtrat im Budget dieses Jahres zusätzliche 150.000 Franken zur Bekämpfung von Rassismus gegen 'Menschen ohne Migrationshintergrund‘ versprochen.

(NZZ / jeb)

Kommentare  
Medienschau Berner Szene: Gut recherchiert
Endlich ein gut recherchierter, wichtiger Artikel des NZZ. Danke dafür.
Medienschau Berner Szene: Andere Einordnung
Hier eine andere Einordnung der Geschehnisse: Debatte ohne Tumulte – und mit einer neuen Erkenntnis
https://www.derbund.ch/kulturkommission-stadt-bern-debatte-im-polit-forum-434119508383
Medienschau Berner Szene: Anderer Fokus
@Martin
Dieser Artikel, den sie da verlinken, hat nichts mit dem hier fokussierten Thema zu tun. Bei diesem Panel ging es eben gerade nicht um diese Themen, resp diese wurden unter den Teppich gekehrt - was dann Ausgangslage der Kritik an diesem - für viele verantwortungslos einseitigen - Panel war.
Medienschau Berner Szene: Miteinander reden
Die Debatte über diesen scheinbar unlösbaren und nicht enden wollenden Konflikt ist sehr wichtig. Aber wir werden ihn nicht dadurch lösen, dass wir aufeinander losgehen.
Ich wünsche mir, dass wir miteinander reden und uns eine bessere Zukunft erarbeiten.
Medienschau Berner Szene: Miteinander reden
Liebe Tat,
"Miteinander reden" ist tatsächlich eine äusserst wichtige Sache. Nur: diese Akteure im Fall Bern, die Kollaborationen machen mit führenden Personen des in Deutschland verbotenen Samidoun-Netzwerks, lösen grosse Angst aus bei vielen Menschen. Die verbalen und physischen Uebergriffe sind in dem NZZ-Artikel dokumentiert und auch bei "Der Bund", bei der Zusammenfassung nun nicht erwähnt. Ich weiss nicht, wie die Regeln sind bei Nachtkritik, ob man Auszüge aus einem Artikel posten darf, aber ich versichere ihnen, dass diese Uebergriffe in den Artikel beschrieben sind. Wenn es also Gespräche geben sollte, dann müsste es klar sein, dass eine Minderheit mit einer Mehrheit spricht. Die jüdischen Menschen sind eine klare Minderheit. Das Narrrativ von diesen Leuten ist aber Kampf gegen "white supremacy". Und vermutlich, so lassen es zumindest die Hate-Speech Angriffe sehr deutlich vermuten, sind für diese Leute Juden auch Teil der weissen Mehrheit. Deshalb ist es sehr sehr schwierig, ins Gespräch zu kommen. Dass diese Leute und dieser Ort nun auch wichtiger Teil des Aua Wir leben TheaterFestival werden (Festivalzentrum, wo die coolen Parties/Raves sind) - führt zum starken Ausschluss dieser Minderheit - und das tut extrem weh, gerade jenen Leuten, die jüdisch und quueer sind.
Was würden sie denn als nächsten Schritt empfehlen?
Medienschau Berner Szene: Mit der Angst
Als Walter Benjamin Fan, der zwischen Bern und Berlin pendelt, und beide Städte mag, da sie zum Flanieren einladen, und für Walter Benjamin wichtige Orte waren, kann ich nur meinen Kopf schütteln, wenn ich zu Ohren bekomme, was in ihren Passagen von statten geht. Habe das Glück in beiden Städten jeweils eine günstige Wohnung zu haben. Wenn aber nun selbst in Bern Personen mit roten Dreiecken markiert werden wie im Bajszel in Berlin, bekomme ich es langsam aber sicher mit der Angst zu tun.
Medienschau Berner Szene: Kollaborationen
#5, ich schliesse mir Ihnen an. Es macht mir Angst, und traurig welch Kollaborationen im Falle von Bern stattfinden …
Medienschau Berner Szene: Manifest
@5. Liebe/r Luca, Was nun als nächstes zu tun ist, beschäftigt viele Menschen in Bern und Zürich und Basel sehr. Viele denken, es muss nun einen breiten Dialog geben. Mit Partizipationsmöglichkeit für alle. Hier der First Draft eines Manifests, inkl. Input-Leiste:
https://forms.gle/ALQoS9eqADcnTetq8
Medienschau Berner Szene: Runder Tisch
In unsere Studentenzeit war es verpönt, sich positiv auf Habermas zu beziehen. Die Sache mit dem "Runden Tisch" scheint aber noch nicht auf den "Misthaufen der Geschichte" gelandet zu sein. Hoffe für die Kulturszene in Bern, dass sie diesen "Runden Tisch" für sich entdeckt.
Medienschau Berner Szene: Runder Tisch?
Lieber Pendler. Ich weiss, nicht, ob sie Bern so gut kennen wie ich. Aber wenn es ein Königreich des "runden Tisches" gibt, dann ist das Bern. Wenn irgendein grösseres Problem ist, dann ruft eine "gmögige" (volksnahe) Stadtpräsidentschaft zum runden Tisch. Dann wird gesessen. "Runder Tisch" ist Synonym für nichts machen. Aushocken. Hier liegt nun ein grösseres Problem vor. Systematischer Ausschluss. Gewalt. Diskriminierung. Da nützen runde Tische evtl in einem halben Jahr etwas. Jetzts gibts offene Wunden, da sollte man nicht "höcklen". Es kann gut sein, dass die jüngste Berichterstattung nun selbstheilende Kräfte auslöst, Rücktritte, Entschuldigungen. Aber dieser Stadt muss man jetzt nichts mehr erklären. Die Berichterstattung hat bereits alles erklärt. Deutschen Kolleg:innen ist das Beispiel Bern nun vielleicht warnendes Beispiel, was geschieht, wenn Samidoun, BDS nicht verboten sind. Dann wird das, was in Deutschland nun schicker und leicht subversiver Widerstand von Berlinale,Kampnagel und Co ist (vorsichtiges Zündeln am BDS/Samidoun-Verbot als Akt des künstlerischen Widerstands gegen die Staatsraison), selber zur Staatsraison. In Bern (und Basel und Zürich) ist aktuell fast nicht mehr möglich, ein Projekt zu finanzieren ohne diese schrecklichen Missinterpretationen und Vereinfachungen postkolonialer intersektionalen Theorien. Der Iniative "Hurra wir leben" wünsche ich viel Glück, allerdings ist das "Hurra" evtl etwas vorbelastet. Vielleicht klänge "Yep, wir leben" (oder so) weniger "boomerig", evtl ist "Hurra" aber auch grad richtig, als eine Art Gegen-Avantgarde. To be reflected. Im Kern ist die Intiative extrem wichtig.
Medienschau Berner Szene: Schlafender Dinosaurier
Also Bern scheint erfahrungsgemäss also nicht nur eine Stadt mit Postkarte-Idylle zu sein, wenn man zum Beispiel auf der Kornhausbrücke flaniert, und dabei einen Blick auf malerische Berge erhaschen kann. Hab neulich einen Film aus den 80ern gesehen namens "Berner Beben", der auch von heftigen Auseinandersetzungen mit Tränengas etc. auf der Strasse geprägt ist. Während dem Film taucht jedoch immer wieder ein gemütlicher Hund auf, der die ganze Unheimlichkeit der Verhältnisse in der Stadt von damals zwischenzeitlich zu bändigen und zu dekonstruieren vermag. Bin grad neulich noch eine Ausstellung im Klee-Museum anschauen gegangen und von dort aus in Richtung Muri spaziert. Als Walter Benjamin und Gershom Scholem während dem 1. Weltkrieg in Bern weilten, entwickelten sie zusammen eine Phantasie-Uni, die lustige Studienfächer aufweist und in Muri hätte gebaut werden sollen. Ein Bau, das leider nach wie vor nur als Luftschloss und Utopie existiert. Schade, dass scheinbar auch das Konzept des "Runden Tisches" nur als Luftschloss in Bern die Runde macht. Nichtsdestotrotz, wenn ich das nächste Mal in Bern weile, freue ich mich auf ein Kaffee im Rosengarten mit Blick auf die Altstadt. Dürrenmatt sagte einmal, dass die Altstadt Bern vom Rosengarten aus gesehen, wie ein schlafender Dinosaurier aussehe. Mit einem Dinosaurier an einem Runden Tisch zu sitzen, gleicht tatsächlich einer Mammut-Aufgabe. Bin mit einem Assistenten von Habermas befreundet, und werde dann ihn bei Gelegenheit fragen, was man in Bern tun kann, damit die dortigen Verhältnisse wieder behaglich werden könnten. Ansonsten überlege ich mir meine Zweitwohnung in der Schweiz irgendwo im Emmental zu verlegen in der Nähe des Robert Walser Museums oder notfalls in Muri.
Medienschau Berner Szene: Offener Brief
Lieber Pendler, ich mag ihre Referenzen. Ehrlich.
Aber dennoch: wäre es möglich ein bisschen mehr beim Thema zu bleiben?
Heute wurde ein offener Brief zum Unterschreiben publiziert, zu einem "Mainstream"-Fall, aber mit ähnlicher Problemlage:
https://forms.gle/niiezvX3Pok8BZ166
Medienschau Berner Szene: Offener Brief
Lieber Sama,

vielen Dank für den Link – ich werde den Brief auf jeden Fall unterschreiben und ihn auch weiterleiten!

Ich bin ein jüdischer Künstler aus dem alemannischen Raum, also im süddeutschen und schweizerischen Kontext tätig. Ich bin wie viele Kolleg*innen auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Was mich tief beunruhigt: Die Entwicklungen, die wir derzeit beobachten – eine überdominante, stark vereinfachte Weltsicht mit antisemitischen Tendenzen – sind leider nicht nur in Bern Realität, sondern genauso in Zürich und Basel spürbar.

Ganz ehrlich: Ich fühle mich dieses Jahr nicht wohl beim Gedanken, zum Gurtenfestival zu gehen. Ich habe früher bei AUAWIRLEBEN gespielt und war als Student auch beim ACT-Festival dabei – aber dieses Jahr kann ich beide Veranstaltungen nicht besuchen. Ich habe schlicht kein Sicherheitsgefühl mehr. Besonders schmerzt mich, dass dieses Jahr ausgerechnet die HKB die ACT auch im Kapitel In Transformation gestaltet. Wusstest du das? (Kapitel in Transformation ist dieses Lokal unter Kritik, mit Nähe zu Samidoun).

Was denkst du – was kann man dem entgegensetzen?

Ich habe auch große Bedenken, überhaupt Gesuche an diese Städte zu stellen. Nach allem, was man in den Medien liest, wächst die Angst, auf Ablehnung oder sogar auf Repression zu stoßen. Und ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, wie ich das finanziell überleben soll. Seit dem 7. Oktober bin ich gezwungen, alles selbst zu organisieren – und das ist unter diesen Umständen kaum mehr zu stemmen.
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