Medienschau: RBB – Schon 2021 gab es Beschwerden gegen den gekündigten DT-Geschäftsführer
Erschreckende Bestandsaufnahme
Erschreckende Bestandsaufnahme
26. Juni 2024. Von Beschwerden gegen den Führungsstil des gekündigten Geschäftsführers am Deutschen Theater Berlin, Klaus Steppat, berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Bereit 2021 hätten sich demnach Mitarbeiter*innen an die Kultursenatsverwaltung gewendet, die daraus "keine Konsequenzen" gezogen hätte. Die Beschwerden seien bei der Verwaltung nicht dokumentiert worden, bis 2023 hätten die Nachfolger*innen auf der zuständigen Stelle davon keine Kenntnis gehabt, heißt es im Beitrag.
Die Kulturjournalistin Barbara Behrendt erwähnt die enge Zusammenarbeit des ehemaligen DT-Geschäftsführers Klaus Steppat mit seiner Ehefrau und deren Schwester in seiner Abteilung am Deutschen Theater. In vielen anderen Betrieben gelte das als Verstoß gegen die Compliance-Regeln, weil solch eine Zusammenarbeit zu Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch führen könne. Eine Pflicht, die Zusammenarbeit mit dem Ehepartner zu melden, gebe es allerdings nicht. Bis 2023 sei der Fakt, dass Steppat seine Familienangehörigen beschäftigte, der Behörde auch nicht bekannt gewesen, so die Senatskulturverwaltung dem RBB zufolge. Nachträglich bewerte sie diese enge familiäre Zusammenarbeit an Berlins mit mehr als 30 Millionen Euro pro Jahr am höchsten öffentlich geförderten Theater aber als problematisch.
Nachgefragt hatte der RBB beim Senat, weil sich die betroffenen Mitarbeitenden erst jetzt an die Presse gewendet hätten. Einige der erwähnten Beschwerden über das Führungsverhalten Klaus Steppats lägen dem RBB auch vor, öffentlich könne der Sender aber nicht ins Detail gehen. Die Mitarbeitenden hätten alles richtig gemacht, so Behrendt: "Sie haben das Gespräch mit dem Senat gesucht, sie haben Beschwerden eingereicht, sie haben nicht die Presse informiert, weil sie dem Haus nicht schaden wollten – und passiert ist nichts." Der Fall Klaus Steppat sei jetzt zwar abgeschlossen, 180.000 Euro Abfindung aus Steuergeld müssten an ihn gezahlt werden. "Aber die Frage, wie der Senat in Zukunft seine subventionierten Häuser besser vor der Gelegenheit zur Vetternwirtschaft schützt, wie er Compliance-Regeln einführt und auch ein angemessenes Beschwerdemanagement, das ist völlig offen. Und das finde ich schon eine erschreckende Bestandsaufnahme im Jahr 2024", so die Kulturjournalistin.
(RBB / eph)
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Was soll denn das für Kulturjournalismus sein, der nicht weiß, mit wem der geschäftsführende Direktor zusammen ist und das jetzt mit dem Gestus der Enthüllungsrecherche verkauft?
Damit ich nicht missverstanden werde: natürlich ist es gut und richtig und wichtig, dass das jetzt aufgearbeitet wird. Wer Leitungspositionen bekleidet, sollte jeden Eindruck von Vetternwirtschaft vermeiden. Ich habe aus nächster Nähe an einem renommierten Haus miterlebt, was es bedeutet, wenn der Intendant mit einer Schauspielerin zusammen ist. Das ist künstlerisch, menschlich und führungstechnisch einfach immer eine Katastrophe.
Und Khuons gab es am DT ja auch zwei.
Außerdem: Meine Meinung ist, dass Journalist:innen die Verwandtschaftsverhältnisse NICHT obligatorisch auswendig kennen müssen. Der Senat aber schon ...
"Enthüllungsrecherche" finde ich daher schon einen angemessenen Begriff!
1) Natürlich kommt einem Geschäftsführer eine besondere Rolle zu, da Personalentscheidungen auch juristisch in seine Verantwortung fallen.
2) Aber wenn das ein Problem gewesen wäre, dann hätte es jeder wissen können. Hier stimme ich #1 zu! War ja kein Geheimnis im Falle Steppat und auf vielen Premierenfeiern auch für Leute, die nicht zum Haus gehören - wie für mich - erkennbar, über Jahre hinweg, also mindestens auch für halbwegs interessierte Kulturjournalisten und Senatsverwaltungsmitarbeiterinnen jeden Ranges. @2: Wenn die Kulturverwaltung nur Spielzeithefte lesen würde, würde sie ihren Job nicht machen. Einfach mal rein ins Getümmel! Journalisten sind, meiner Erfahrung nach, deutlich mehrzahliger auf Premieren und -feiern anzutreffen als Verwaltungsbeamte.
3) Der Fall Steppat ist in Hinblick auf mögliche Interessenskonflikte bei dem Haus zugehörigen Partnern aber kein Einzelfall. Köln/Bachmann/Kretschmann, jetzt Wien. Tübingen/Ripberger. Theater des Westens. Um nur drei jüngere Konstellationen zu nennen. Gibt sicherlich Dutzende mehr. - Das müsste dann doch journalistisch auch eingeordnet werden, oder?
Ohne hier Partei ergreifen zu wollen, erinnert mich die Vermischung von (problematisiertem) Führungsstil und anderen Malaisen (hier: Partneranstellung & evtl. Defizitverschleppung) in der diffusen Durchmischung der journalistischen Bearbeitung an viel unsaubere Berichterstattung im Fall Spuhler (Führungsstil + andere, teils vollkommen entkoppelte Issues wie Dickpics zwischen Dritten im Haus). Vorsicht! Die Gemengelagen sind durchaus kniffliger als es dreiminütige Radiobeiträge darzulegen erlauben. - Ich will keinesfalls irgendwie gearteten, problematischen Führungsstil gutheißen. Aber sauberer zu unterscheiden zwischen bestimmten (ggf. verschieden schwerwiegenden) Problemlagen, das muss schon sein, und halte ich für unnötig verkürzend. Insbesondere bei Öffentlich-Rechtlichen, die sich ja nicht am Markt behaupten müssen.
@1: Ja, Ali Khuon war schon vor seinem Vater am Haus, und sichtlich etabliert. Das hat der Vater auch öfters thematisiert. - Ich fand das nie ein Problem, aber das mögen andere anders sehen.