Medienschau: Republik – Streitschrift gegen toxische Klassiker
Haut sie in die Mülltonne!
Haut sie in die Mülltonne!
21. März 2025. Zur Befreiung von toxischen Werken der Welttheaterliteratur schreibt Valeria Heintges in der Republik eine Streitschrift.
"Für Stücke wie Shakespeares 'Der Widerspenstigen Zähmung' oder Molnárs 'Liliom' empfiehlt sich ein einfaches Rezept: Vergesst sie einfach! Werft sie in die Mülltonne der Geschichte und lasst sie verrotten", so Heintges in ihrem Longread für die Republik.
Da Verrotten aber nicht überall gewünscht ist, bedienten sich Theater diverser Regiehandgriffe. Etwa der Besetzung von toxischen Männerrollen mit Frauen (wie jüngst in "Liliom" am Wiener Burgtheater). Aber damit verabschiede man nicht die zugrundeliegenden problematischen Konstellationen und erzähle ohnehin wenig über die Gegenwart. Zudem: "Die Werke sind von Männern erdacht, beschreiben Männerwelten und Männergedanken", sagt Heintges.
Ein alternativer Weg sei das "Prinzip des Umschreibens", das "ein weites Feld" sei: "Für Zuschauende kann ein Text wie ein Original klingen, wenn sie kleinere Umstellungen, Streichungen oder Einschübe nicht wahrnehmen. Es kann aber auch sein, dass die Eingriffe gross sind, viel Fremdtext eingefügt wird und so jeder merkt, dass fast ein neues Stück gespielt wird." Für Heintges problematisch wird es, wenn die Umschreibung zur Entstellung gerät, wie jüngst in dem "Diskursgeschwurbel" von Katja Brunner und Pınar Karabulut in "Der Zähmung Widerspenstigkeit" in Berlin.
Statt solcher Verrenkungen empfiehlt Heintges das "Recycling“ zu Unrecht vergessener Werke, wie etwa Christiane Karoline Schlegels Drama "Düval und Charmille", das Anne Lenk unter dem Titel "Von einem Frauenzimmer" in Graz inzenierte. Ansonsten gelte: "Wer sich mit zeitgenössischen Themen auseinandersetzen möchte, muss sie nicht in historischen Werken suchen. Sondern kann sie einfach in zeitgenössischen Werken finden."
(republik.ch / chr)
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