Medienschau: Standard – Interview mit Rabenhof-Theater-Chef Gratzer über Pandemiefolgen
"oasch, aber net so oasch"
14. Februar 2022. Thomas Gratzer leitet das Theater Rabenhof in Wien seit 19 Jahren. Im Interview mit dem Standard berichtet er von seinen Erfahrungen mit der Corona-Krise, veränderten Bedürfnissen und der Treue des Publikums.
Ein Vorteil gegenüber großen Häusern sei in diesen Zeiten die Größe der Inszenierungen und damit eine kleinere Anzahl beteiliger Personen. "Wenn es einmal fünf oder sechs sind, ist das schon eine große Neuproduktion in unserem Kosmos hier. Von denen haben wir nur die zur Aufführung gebracht, die wir schon um ein Jahr verschoben hatten. Stücke mit mehr als zwei Leuten auf der Bühne finden sonst fast nicht statt. Wir mussten nur einen einzigen Abend absagen." Dank staatlicher Hilfmittel, Kurzarbeit und Subventionen stehe das Theater Rabenhof so auch trotz der Pandemie relativ gut da. Man habe auch niemanden gekündigt, so Gratzer. "Und wir konnten für viele Künstlerinnen und Künstler Ausfallshonorare organisieren. Wir haben die Krise so seriös wie möglich bewältigt."
Entertainment
Außerdem sei das Kulturpublikum extrem verantwortungsvoll und treu – obwohl in den vergangenen Jahrzehnten jedes Haus um Zuschauer:innen kämpfen musste. Gratzer höre aus Deutschland, dass die Intendant:innen für die nächsten Jahre verstärkt auf Musikalisches und Lustiges setzen. Das sei verständlich: "Die sagen, die Leute waren in den vergangenen zwei Jahren extrem, extrem belastet, die wollen jetzt Unterhaltung." Dabei sei Unterhaltung aber nicht gleichzusetzen mit weniger Anspruch. "Aber so wie in den 1920er- und 1930er-Jahren, nach Großem Krieg und Spanischer Grippe: Da ging's drum, alles vergessen zu machen, und um Entertainment, Entertainment, Entertainment."
Tourismus versus Kultur
Das Rabenhof-Theater habe sich im Lockdown-Winter 2020 zum Skiresort erklärt, um zu zeigen, wie Hotel- und Tourismusbetriebe von der Regierung priorisiert werden. "Die Tourismuswirtschaft hat halt eine Lobby, die Kulturbranche nicht. Die Bedeutung von Kunst und Kultur wird nach wie vor verkannt," sagt Gratzer.
(Der Standard / ska)
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