Medienschau: Süddeutsche Zeitung – Kopenhagener Ballett schasst Choreografen John Neumeier
Souverän im Schleudersitz
Souverän im Schleudersitz
28. November 2022. "In der Ballettwelt hat der Fall Entsetzen ausgelöst", schreibt Dorion Weickmann in der Süddeutschen Zeitung über den Eklat in der Zusammenarbeit zwischen dem Königlich Dänischen Ballett in Kopenhagen und dem Choreographen John Neumeier.
Ergeben hat er sich aus der Auseinandersetzung über Rassismusvorwürfe an Neumeiers "Othello" (aus dem Jahr 1985) – konkret geht es um eine von Neumeier zu Shakespeares Personnage hinzuerfundene Traumfigur eines "Wilden Kriegers".
"Wer Tänzer anspricht, die selbst in 'Othello'-Rollen besetzt waren, erntet ungläubiges Staunen", schreibt nun Weickmann und sieht in dem ganzen Case eher das Kopenhagener Haus (und vor allem seinen Ballettchef Nikolaj Hübbe) als Neumeier in schlechtem Licht dastehen. Schon einmal habe die Kopenhagener Oper 2021 "mit wolkigen Verlautbarungen über das Fehlverhalten eines anderen Choreografen" für Negativschlagzeilen gesorgt. "Damals betraf es Liam Scarlett, dessen 'Frankenstein'-Inszenierung aus dem Programm flog. Der wegen sexueller Übergriffe beim Royal Ballet London ausgeschiedene Künstler beging unmittelbar nach Erhalt der Nachricht aus Kopenhagen Selbstmord."
Dass nun Neumeier, "der ungekrönte Souverän der globalen Tanzgemeinde", sich "dem Vernehmen nach bisweilen schwertut, auf Kritik aus den Reihen junger Tänzer angemessen zu reagieren, wird kaum jemanden verwundern", so Weickmann. Immerhin habe er die Auseinandersetzung mit den Tänzer:innen gesucht und versucht sich zu erklären.
(sd)
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