Medienschau: Süddeutsche Zeitung – Missbrauchs-Fälle an Tanzakademien
Offene Auseinandersetzung
31. Oktober 2022. "Warum ist der Tanz so anfällig für Psychoterror und sexuelle Übergriffe?" fragen Isabel Pfaff und Dorion Weickmann in der Süddeutschen Zeitung angesichts einer Ballung von Missbrauchsfällen, die in letzter Zeit an Schweizer Tanztheatern und Ausbildungsstätten in Zürich, Basel und Bern an die Öffentlichkeit gekommen sind.
Es geht um den Probenleiter des Berner Balletts, der weiterbeschäftigt wurde, obwohl die Verantwortlichen wussten, dass er Tänzerinnen sexuell belästigte. Es geht um Erniedrigungen und körperliche Gewalt an der renommierten Tanz-Akademie Zürich. Der jüngste Skandal ist erst wenige Tage alt – auch Schülerinnen der Ballettschule Theater Basel gingen an die Öffentlichkeit und berichteten von jahrelangem körperlichen Missbrauch, sexueller Belästigung in Wort und Tat sowie Beleidigung und Entwürdigung wie zum Beispiel Bodyshaming ("fette Sau").
"Fakt ist: Im Tanz wird körperlich gearbeitet. Sexuelle Übergriffe, die Männer und Frauen gleichermaßen treffen können, beginnen nicht selten mit scheinbar harmlosen Berührungen. Oft erweist sich die handfeste Korrektur erst im Nachhinein als Attacke", schreiben Pfaff und Weickmann.
Dadurch, dass die professionelle Tanzlaufbahn bereits im Kindesalter beginnt, "wurzeln und gedeihen die Missstände zunächst an den Akademien." Deshalb bleibe die Ausbildung "Dreh- und Angelpunkt jeder Veränderung". "Verbindliche Unterrichtsstandards und Qualifikationsprofile? Gibt es bislang nicht. Rein rechtlich müssen weder Pädagogen noch Ballettmeister ihre Befähigung nachweisen." Das müsse sich ändern. Und: "Wandel wird es nur geben, wenn die Auseinandersetzung offen geführt wird. Und zwar auch von denen, die den Sprung auf die Bühne geschafft haben."
(sd)
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