Medienschau: SZ – Zum verhinderten Theaterneubau in Ingolstadt
Ingolstädter Zustände
Ingolstädter Zustände
27. August 2022. Den Fall des per Bürgerentscheid verhinderten Theaterneubaus in Ingolstadt schaut sich Christine Dössel in der Süddeutschen Zeitung genauer an und überlegt: "Ist das ein Fanal auch für andere Städte?"
Zum Hintergrund: "Hätte, hätte, Ausweichstätte" reimt die Autorin zum Vorhaben des Theaterneubaus, das "im Grunde schon durch" gewesen war – zumindest, wäre es nach der Abstimmung des Stadtrates gegangen. Demnach hätte das neue Theater, zunächst als Ausweichspielort während der Sanierung Stadttheaters gedacht, als "Kleines Haus" mit 250 Plätzen die Räumlichkeiten ergänzt. Doch: Eine Kampagne wandte sich gegen den Kammerspiele-Bau – und, so die Kommunikation nach außen, auch gegen eine "Eliten-Kultur". Schlussendlich votierten 62,2 Prozent der Abstimmenden gegen den Bau, berichtet die Autorin, bei einer Wahlbeteiligung von 25,6 Prozent. Ausschlaggebend war das Votum von 5000 Menschen. Eine knappe Entscheidung, aber eine, die "trotzdem anzuerkennen" sei. Dies sei "Teil der direkten Demokratie", stellt Dössel heraus.
Doch stellt sich für sie auch die Frage: Was bedeutet dieser Bürgerentscheid im Größeren? Dössel hört sich in der Sache um: Sie spricht mit dem Ingolstädter Intendanten Knut Weber, dem Regisseur Claus Peymann, dem städtischen Kulturreferenten Gabriel Engert, Christian Scharpf – Oberbürgermeister (SPD) in der Stadt – und Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin und Mitglied der Findungskommission für Webers Nachfolge. Weber glaubt, die "Ingolstädter Zustände" seien symptomatisch für einen gesellschaftlichen Strukturwandel und sieht einen "Kulturkampf", angeführt von den Freien Wählern im Schulterschluss mit der AfD ("Jugend auf der Straße, Theater im Palast", hieß es auf einem der Kampagnen-Plakate). Dössel analysiert: "Die Argumente der Gegner waren vielfältig und zum Teil widersprüchlich." Einige davon zeigt sie im Text auf.
Zitiert wird Regisseur Claus Peymann mit der Lösung, das bestehende Stadttheater zur Hälfte abzureißen und dort die Kammerspiele hineinzubauen – geht aber nicht, das verhindert der Denkmalschutz. Peymann war auf der Seite der Gegner des Neubaus. Oberbürgermeister Christian Scharpf meint, man sei mit dem Konzept für die neue Spielstätte "nicht durchgedrungen". Und Ulrich Khuon sieht in dem Fall keinerlei Fanal: "Es gibt nirgends eine Extrembewegung gegen das Theater", ist er sich sicher.
(Süddeutsche Zeitung / sdre)
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