Medienschau: WAZ – Führungskrise am Schauspiel Essen
Unrettbar?
Unrettbar?
27. Mai 2025. Steht das Intendantinnenduo in Essen vor dem Aus? Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet von einem tiefen Zerwürfnis zwischen Selen Kara und Christina Zintl, das schon bald zum Ende der ersten weiblichen Doppelspitze an einem Theater in NRW führen könnte.
Als einen Grund nennt Lars von der Gönna in seiner Recherche, dass mitnichten reine Frauen-Power das Haus regiert habe. Die Tatsache jedoch, dass beide Intendantinnen ihre Lebensgefährten mitbrachten, habe die breite Öffentlichkeit der Theaterbesucher kaum erreicht, so die WAZ. Während Torsten Kindermann (seit Jahren als Komponist und Arrangeur fester Begleiter der Inszenierungen Karas) fürs Essener Haus freiberuflich als Theatermusiker arbeitete, sei Zintls Partner Maximilian Löwenstein als Dramaturg fest installiert worden. Bald schon soll Löwenstein von Mitarbeitern als 'heimlicher Intendant' wahrgenommen worden sein. Löwensteins Einfluss hat von der Gönnas Quellen zufolge zum Ungleichgewicht in der Machtverteilung geführt. Nun werde er zum Ende der Spielzeit das Theater verlassen.
Die Krise hat sich für die WAZ bereits kurz nach Beginn der neuen Intendanz abgezeichnet: aus Sicht des Blatts zusätzlich angefacht durch Konkurrenz zwischen den Co-Intendantinnen. "Kara, Kind des Ruhrgebiets, gilt als gut vernetzt, souverän und locker im Auftritt; sie war bald bevorzugte Interviewpartnerin der Medien. Zintl soll sich ungenügend repräsentiert gefühlt haben. Im Grillo-Theater will eine langjährige Kraft sogar wissen, dass Zintl auf gemeinsame Interviews bestanden habe, zu denen sie gar nicht gebeten war – um nur nicht ins Hintertreffen zu geraten." Umso seltsamer findet von der Gönna nun, "dass ausgerechnet Kara im Spielplan des Grillo-Theaters 2025/26 als Regisseurin gar nicht mehr vorkommt."
"Wie geht es weiter? Eine Befriedung? Unwahrscheinlich. Unsere Informanten beschreiben die Atmosphäre im Grillo-Theater als 'unrettbar'. Den WAZ-Recherchen zufolge würden beide Intendantinnen das Haus am liebsten verlassen. Ein Rückzugsangebot soll vorliegen.
(WAZ / sle)
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So bleibt er ein Beispiel dafür, wie schnell mediale Deutung Frauen an der Macht delegitimiert – Statt strukturelle Herausforderungen oder künstlerische Differenzen zu beleuchten, wird sich auf Klischees gestruerzt: verletzte Egos, heimliche Drahtzieher, beleidigte Eitelkeit.
Das ist keine Kritik an der Arbeit der Intendantinnen. Das ist ein Rückfall in gestrige Narrative.
Wie sollte eine solche Analyse denn aussehen außer Statistiken und der Aussage, dass Frauen es weiterhin schwer haben? Ich frage mich das wirklich. Und wünschen Sie sich da nicht einfach einen anderen Artikel?
(...)
Ganz schön "strukturell" hier wieder.
Das umfasst z. B.:
Ungeschriebene Regeln und Netzwerke im Kulturbetrieb: Wer entscheidet, wer wird gehört, wer nicht?
Kulturelle Codes: Warum wird Autorität oft mit Männlichkeit assoziiert?
Intersektionalität: Wie wirken Gender, Herkunft oder soziale Position zusammen?
Reaktionen auf Frauen in Führung: Warum stoßen sie oft auf besonders scharfe Kritik?
Zur Antisemitismus-Frage: Es geht nicht darum, ob jemand "sichtbar jüdisch" ist. Entscheidend ist, ob Kritik stereotype Codes bedient – bewusst oder nicht. Sprache und Kontext sind hier zentral.
Es braucht also keinen anderen Artikel, sondern einen differenzierteren Blick.
Ich habe den gepaiwallten Artikel der WAZ nicht gelesen und glaube gern, dass er tendenziös geschrieben ist - Aufmerksamkeit ist alles - und gleichzeitig tragen die Intendantinnen die Verantwortung wenn der Karren an die Wand fährt wie jeder Intendant und jede Intendantin. Und diese Begriffe "Zintl-Flüsterer" etc. kommen die tatsächlich vor in dem Artikel oder ist das selbst schon Interpretation? Es ist in jeder Konstellation heikel wenn im Haus der Eindruck entsteht, dass der Partner oder die Partnerin der Intendanz als einflussreicher wahrgenommen wird als die Intendanzperson selbst - das kann man zu einem antisemitischen Narrativ ausbauen, keine Frage; gleichzeitig glaube ich wir sollten vorsichtig sein nicht voreilig mit Begriffen wie Misogynie und Antisemitismus um uns zu werfen, weil uns das scheinbare Scheitern emotionalisiert, weil an dieser weiblichen Doppelspitze viele Hoffnungen hingen/hängen,dass sie "es" anders, neuer, besser machen.
Die Verantwortung ein Theater zu leiten ist enorm und von außen zu sagen was alles falsch läuft ist viel einfacher, als neue *funktionierende* Systeme und Strukturen zu erfinden - und die braucht es um große Betriebe wie ein Theater zusammenzuhalten. Alle müssen wissen wer wofür verantwortlich ist und jeder so viel Verantwortung übernehmen wie möglich, glaube ich.
Nach allem was ich gehört habe sind die beiden mit großen Ambitionen und relativ wenig bzw keiner Leitungserfahrung gestartet und haben ziemlich schnell gemerkt, dass alles komplexer ist als man mitbekommt, wenn man in der Kantine oder auf der Probebühne diskutiert wie es besser wäre.
Und ich denke wenn ein unerfahrenes männliches Leitungsduo sich (wie ja früh schon durchgedrungen ist) schon in der Mitte der ersten Spielzeit verkracht hätte, würde das auch belästert und beklagt werden. Besonders wenn dann auch noch deren Frauen oder Männer Anteil zu haben scheinen.
Selbstverständlich ist es die Aufgabe von kritischem Journalismus, hinzusehen und zu berichten, wenn es mögliche Missstände gibt. Hier wird niemand mit der Mistgabel aus der Stadt getrieben. Natürlich gibt es ein öffentliches Interesse und was hier beschrieben wird, ist ja durchaus konkret und bedenklich. Allemal Anlass für eine Diskussion. Nichts, was man unter den Teppich kehren sollte.
Wer hier von Kampagne, Sexismus und Antisemitismus spricht, sollte das bitte mit klaren Textbeispielen aus dem Originaltext, nicht der Zusammenfassung, belegen. Allgemein von strukturellen Voraussetzungen zu schwadronieren, bringt doch nicht weiter, verwässert die Diskussion und erweckt den Eindruck, bestimmte Personen seien schon allein qua ihrer Identität sakrosankt. So wichtig die Diskussion über strukturelle Ungleichheiten und Diskriminierung ist - und ohne zu bestreiten, dass sie gewaltige Probleme darstellen - es dient der Sache überhaupt nicht, wenn reflexhaft und allgemein darauf zurückgegriffen wird, um das mögliche Fehlverhalten einzelner zu rechtfertigen. Oder gar, um die Diskussion über ein mögliches Fehlverhalten im Keim zu ersticken.
Niemand hat behauptet, dass strukturelle Analyse individuelles Fehlverhalten automatisch entschuldigt. Aber wer so tut, als wären Hinweise auf Machtverhältnisse nur „reflexhafte Schwadroniererei“, verkennt die Realität: Kontext ist keine Ausrede – sondern Voraussetzung für faire Bewertung.
Und zur Quellenlage: Anonyme Aussagen aus Hierarchiegefällen verdienen gerade deshalb besondere journalistische Sorgfalt – nicht weniger, sondern mehr Kontext, Prüfung und Einordnung. Kritik an der Berichterstattung heißt nicht, Missstände unter den Teppich zu kehren. Sie heißt: Alle Beteiligten verdienen Fairness – auch die Beschuldigten.
Was die Begriffe Kampagne, Sexismus, Antisemitismus betrifft: Es geht nicht nur um einzelne Zitate, sondern um Ton, Timing, Auswahl und Wirkung. Strukturelle Dynamiken erkennt man nicht am Satzende – sondern im Gesamtbild.
Wer das pauschal abtut, zeigt, wie dringend wir doch noch über Macht, Sprache und Verantwortung reden müssen.
Anstatt dass ich den schönen Feiertag an der Tastatur zu verbringe, der freundliche initiale Hinweis auf die Intendantennamen Khuon, Bachmann, Ripberger, to name a few; nur um in die Auseinandersetzung mit Kritik an familiärer und betrieblicher Verquickung einsteigen zu können. Sie werden Beispiele finden, die Ihre Trollfrage als solche aufzeigen.
Die Ausführungen in #18 möchte ich unterstreichen, da sie einige wesentliche (alte) Fragen bzgl. besagter Verquickung aufwerfen. Über die erwartbaren (naturgemäß berechtigten und doch erwartbar überbetonten) Identitätsfragen hinaus.