Medienschau: WDR – Wie Selen Kara am Schauspiel Essen weitermacht

Wieder über Kunst sprechen

Wieder über Kunst sprechen

21. Oktober 2025. Nach dem Knall zwischen Christina Zintl und Selen Kara macht Kara jetzt als alleinige Intendantin des Schauspiel Essen weiter. Was sich ändert, berichtet Stefan Keim in der Sendung Mosaik im WDR. 

Sie sei so in die neue Spielzeit gestartet, dass das was passiert sei, in der Vergangenheit liege. "Und alles, was ungeklärt war, oder wenn es da bestimmte Punkte gab, die man noch mit meiner ehemaligen Kollegin besprochen hatte, dann kommt direkt auf mich zu. Und das haben wir auch tatsächlich in den ersten Tagen und Wochen gemacht", so Selen Kara in Stefan Keims Beitrag im WDR. Kara habe Angst gehabt, dass der Titel der Eröffnungspremiere "Angst und Schrecken in Mykene" spöttisch mit den Ereignissen hinter den Kulissen in Zusammenhang gebracht würde. Jetzt sei sie aber glücklich, "dass man jetzt wirklich über die Kunst spricht und nicht mehr die Schlagzeilen von vor dem Sommer in einen Bezug stellt". 

Kara will auch weiterhin ein Plädoyer für Doppelspitzen aussprechen. "Aber die Zuständigkeiten müssen ganz klar geklärt sein. Und ich glaube, es ist von Vorteil, wenn man sich gut kennt." Das sei in Essen nicht der Fall gewesen.

(wdr.de / sik) 

Kommentare  
Medienschau Selen Kara in Essen: Doppelspitze ohne Basis
Der Fall am Schauspiel Essen zeigt, wie riskant Doppelspitzen ohne gemeinsame Erfahrung sind. Wie kann ein Leitungsteam Verantwortung für ein ganzes Haus übernehmen, wenn es sich kaum kennt? Theaterführung braucht Vertrauen, klare Zuständigkeiten und ein gemeinsames Verständnis. Ohne das werden aus Unterschieden schnell Konflikte. Doppelspitzen können funktionieren – aber nur, wenn sie auf erprobter Zusammenarbeit beruhen, nicht auf Symbolpolitik.
Medienschau Selen Kara Essen: Leitungserfahrung
@1: Völlig richtig - aber das hier zu konstatierende Problem greift noch weiter. Nämlich nicht bloß um nicht existente gemeinsame Leitungserfahrung geht es, sondern um überhaupt nicht vorhandene Leitungserfahrung. Vielleicht könnte die Politik endlich (wieder) davon absehen, auch an größeren Häusern Leute ranzulassen, die keine einschlägige Erfahrung in der Leitung eines Theaters besitzen, und statt dessen Leute bestellen, die zumindest schon an kleineren Häusern bewiesen haben, dass sie einen Betrieb problemlos führen können.
Medienschau Selen Kara in Essen: Wer wird gefragt?
Lieber Stefan Keim,

mein „Problem“ mit diesem Bericht ist, dass Sie die derzeitige Intendantin dazu befragen, wie sie mit Problemen umgeht, die zum Teil auch durch ihre eigene Leitung entstanden sind.
Ich entnehme dem Beitrag nicht, dass Sie auch das künstlerische Personal befragt haben, wie es diesen Umgang wahrnimmt oder bewertet.

Das ist ein grundsätzliches Problem, das immer wieder auftritt. Vor einigen Jahren wurden beispielsweise mehrere Intendantinnen dazu befragt, wie sie ihre Leitungsarbeit verstehen und praktizieren. An den jeweiligen Häusern wurde jedoch nicht hinterfragt, ob das Personal diese Selbsteinschätzungen teilt oder anders empfindet.

Zum Thema Leitungserfahrung und Doppelspitze zeigt sich: Leitungsfähigkeit ist nicht dasselbe wie künstlerisches Verständnis. Es wird deutlich, wie wenig Kommunikation und die Fähigkeit zum „guten Kompromiss“ (um es mit van der Bellen zu sagen) in künstlerischen Kontexten gelernt und gelebt werden.
Leitungsarbeit ist keine künstlerische Arbeit – und doch braucht ein Theater selbstverständlich ein tiefes künstlerisches Verständnis. Darin liegt die Crux, gerade in einem so kleinen Arbeitsfeld wie dem Theater.

Wie viele Intendant*innen gibt es eigentlich im deutschsprachigen Raum?
Im Deutschen Bühnenverein sind derzeit 127 verzeichnet – eine erstaunlich kleine Zahl, wenn man bedenkt, wie groß der Einfluss und die Macht jeder einzelnen dieser Positionen ist.
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