Medienschau: Welt – Abkanzlung politischer Theaterstücke

Plumpe Politlachnummern

Plumpe Politlachnummern

12. Dezember 2024. Jakob Hayner hat sich für die "Welt" politische Stücke von Rosa von Praunheim und Elfriede Jelinek (Regie: Falk Richter) angeschaut und diagnostiziert eine problematische Affirmation gegenüber dem Publikum.

Hayners These: "Wenn politisches Theater nur zu Eingeweihten spricht, geht das auf zwei Ebenen schief: Zum einen wird verhindert, dass die Widersprüche im Stoff ästhetisch so objektiviert werden, dass verschiedene Fraktionen eines größeren Publikums darüber in eine produktive Auseinandersetzung geraten könnten. Zum anderen wird das Publikum auch nicht mit den eigenen Widersprüchen konfrontiert. Stattdessen bestätigen die plumpen Politlachnummern auf der Bühne nur den eigenen Realitätsausschnitt, wie es ja auch bei den nicht weniger plumpen Auftritten von Trump & Co. in der Realität abläuft."

(Welt / chr)

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Medienschau Politisches Theater: Hayners Verdacht
„… in Zeiten, in denen bereits ein satirisches „Schwachkopf“ im Internet zu Klage und Hausdurchsuchung führt “ (Hayner in seinem oben zitierten Artikel)
Die taz hat am 17.11. den Zusammenhang der „Schwachkopf“-Beleidigung skizziert: „Zum anderen soll der Rentner eine Volksverhetzung begangen haben, indem er Boykott-Aufrufe gegen den Unternehmer Theo Müller (Müller-Milch) wegen seiner Nähe zur AfD-Chefin Alice Weidel mit dem Juden-Boykott der Nazis gleichsetzte („Hatten wir alles schonmal“).“

Herr Hayner hegt gegenüber den Publika von Rosa von Praunheim und Jelinek/Richter den Verdacht, dass sie mehrheitlich Bündnis 90/Die Grünen wählen. Seine Kritik am „Einverständnis“ bedient sich eines Bashings von links-grünen „Eliten“, die nur sehen wollen, was sie eh schon wissen. Diese „Eliten“ sind einfach zu faul, um Trump, Weidel und Co. in ihrer ganzen regenbogenbunten Vielfalt und Komplexität zu beschreiben. Nur weil sie „Ausländer“/Nicht-Ideologiekonform-Assimilierte deportieren und die Parteiendemokratie abschaffen wollen, darf man sie noch lange nicht von ihrem geistigen Urquell abziehen oder den Stammbaum, dem sie entsprießen, amputieren! Mit einem Kettensägen-Emblem kommt man dieser schönen Tradition identitär-libertärer Zerstörungslust nicht bei! Das Irrlichtspiel der Funken und Späne zwischen Sägeblatt und Wokistan verdient die Beschreibungskunst eines von Wokistanis in die Uckermark Vertriebenen wie Botho Strauß.
Nein, wir wollen, differenziert wie wir Linksgrünversifften nicht sind, natürlich nicht die feinsten Nuancen zwischen Kai Wegners Verachtung „Kassiererin im Supermarkt bleibt immer im Supermarkt und betritt niemals ein Opernhaus“ und „Die Grünen sind das größte Sicherheitsrisiko für unsere Demokratie“ (Söder, Wagenknecht, Weidel, Merz) verwischen. Eine Fusion beider Attitüden zu einem rechts-elitären Hass auf eine imaginäre linksgrüne „Elite“ gibt es nur in den Augen eines von Praunheim, Jelinek und Richter umerzogenen Menschen.
Medienschau Politisches Theater: Realitätsausschnitt bedienen
"Stattdessen bestätigen die plumpen Politlachnummern auf der Bühne nur den eigenen Realitätsausschnitt, wie es ja auch bei den nicht weniger plumpen Auftritten von Trump & Co. in der Realität abläuft."

Man könnte auch sagen: Es ist im Prinzip wie WELT am Sonntag. Den eigenen Realitätsausschnitt bedienen. So funktioniert das System Poschardt seit Jahren.
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