Medienschau: Zeit – Martin Kušej im finalen Burg-Interview
Kein Sinn für Kitsch
Kein Sinn für Kitsch
7. Juli 2024. Zum Ausscheiden aus seiner Burgtheater-Intendanz gibt Martin Kušej in der "Zeit" ein langes Interview. Es geht um den Rechtsruck in Österreich, seine künstlerischen Überzeugungen und seinen Blick auf Schwalben im Fußball.
Intrigant sei die österreichische Politik: "Ich habe versucht, die Kunst gegen die Machtspiele und Intrigen, die sich da abspielen, hochzuhalten. Das hat seinen Preis. Entweder man spielt mit, oder man ist rasch draußen. 'Mitspielen' heißt: tagsüber kritisch sein, abends in den In-Lokalen und Zirkeln Schulterklopfen", sagt Kušej im Gespräch mit Zeit-Theaterkritiker Peter Kümmel.
Durch seine früh artikulierte Kritik habe er von Anfang an keinen leichten Stand am Burgtheater gehabt. "Die FPÖ hat diverse parlamentarische Anfragen gestartet, um unser Demokratieverständnis infrage zu stellen oder reflexartig die Strafe der Subventionskürzung zu fordern. Diese Anfeindungen haben stark zugenommen. Mittlerweile überwiegt die Angst vor dem, was noch alles kommen wird."
Über seine Regieauffassung sagt Kušej: "Ja, ich komme aus dieser Neunzigerjahre-'The Party is over'-Bewegung nicht raus. Ich bin ein slawisch-österreichischer Seelenmensch, der die mögliche Katastrophe schon in sich drin spürt. Künstlerisch muss ich ein 'Den-Schrecken-an-die-Wand-Maler' sein, aber immer öfter streue ich auch Hoffnung ein. Das pompe funèbre, das Überwältigende, das Rituelle, der rauschende Untergang – das muss sein in meinen Inszenierungen."
Abschließend gibt es noch Lob für die österreichische Nationalmannschaft und ihren Trainer bei der EURO 2024 sowie für den französischen Fußballstar Kylian Mbappé und dessen Warnung vor dem Rechtsruck in Frankreich. Nebst Einschätzung der Performancequalität im Fußball: "Als ehemaliger Handballer empfinde ich allerdings die Fußballer, wenn sie ihre Fouls zelebrieren und wie vom Blitz getroffen zu Boden fallen, als Pussys. Sorry. Das ist einfach Kitsch. Boulevard."
(zeit.de / chr)
mehr medienschauen
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne
neueste kommentare >
-
Nach dem Leben, Nürnberg Empfehlung
-
Die Quelle, Wien Claquere unterwegs
-
Leser*innenkritik Black Rider, SHL Flensburg
-
Burn, Baby, Burn!, Hannover Sagenhaft gut
-
Die Quelle, Wien Bitte weitermachen
-
Fräulein Else, Wien Danke!
-
Über die Notwendigkeit, ... , Wiesbaden Super Abend
-
Fräulein Else, Wien Phänomenal
-
Irgendetwas ist passiert, Berlin Lauwarm
-
Theaterpodcast Investigativtheater Aufklärung?





Mir ist diese Wortwahl auch aufgestossen. Da wären wir schon zwei.