Medienschau: Zeit Online – Podiumsdiskussion mit Berlins Kultursenator Joe Chialo

Mic Drop

Mic Drop

10. Dezember 2024. Zeit Online berichtet über eine Veranstaltung an der Schaubühne, bei der Berlins Kultursenator Joe Chialo sich der Kritik an den massiven Kulturkürzungen in der deutschen Hauptstadt stellte.

Die Autoren des Artikels, Tobi Müller und Tobias Timm, erfuhren Neuigkeiten über den Ablauf des Prozesses, der zu den Kürzungen führte: "Ohne dass es Chialo direkt so gesagt hatte, wurde nun klar, dass die Koalitionsspitzen sich über die Vorschläge aus dem Kultursenat unter Chialo hinweggesetzt hatten. Das war der erst kurioserweise überhörte Mic Drop in der Schaubühne. Die sogenannte titelscharfe Liste, die bereits für jeden Posten konkrete Zahlen nannte, kam von ganz oben – und nicht von Chialo und seinen Fachreferaten."

Den ganzen Artikel, der die Podiumsdiskussion detailliert rekapituliert, finden Sie hinter der Paywall von Zeit Online.

(Zeit Online / miwo)

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Medienschau Zeit zu Chialo-Podium: Demonstration
Für den kommenden Sonntag, 15.12.2024 / 13 Uhr (Start Lustgarten/Museumsinsel), ruft ein breites Bündnis (Gorki Theater, Fridays for Future u.v.a.m.) zur Demonstation gegen die aktuelle Kürzungspolitik des Senats auf. Kultur hat die Chance, ihre Bedeutung im Kampf gegen Ungleichheit, Diskriminierung, arrogante Ignoranz zu unterstreichen.
Vgl: https://unkuerzbar.de/
"Nicht mit uns - wir sind #Unkürzbar! Wir wollen eine Bewegung aufbauen, die sich gegen die Kürzungsmaßnahmen, eskalierende Armut und gegen die Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit erhebt, um zusammen, auf allen Ebenen der Gesellschaft, eine weltoffene, inklusive, sozialgerechte, familien-, kinder- und jugendfreundliche, wohnraum- und umweltgerechte Kultur- und Bildungshauptstadt zu erhalten, zu fördern und weiter auszubauen. Und auch wenn der Senat langsam aus Angst vor Protest leichte Korrekturen vornimmt, ändert sich nichts an unserer Solidarität mit ALLEN betroffenen Bereichen – wir lassen uns nicht spalten und werden weiter gegen die Kürzungen protestieren!
Dafür rufen wir am 15. Dezember 2024 in Berlin zu einer großen Demonstration auf! Wir laden alle Menschen herzlich dazu ein, mit uns zusammen gegen die Kürzungsmaßnahmen aufzustehen, laut und deutlich zu protestieren. Darüber hinaus rufen wir dazu auf auf andere Weise Widerstand zu zeigen und sich dem Spardiktat zu verweigern. Ihr könnt gerne Beiträge einreichen, in denen ihr eure Aktionen, Kundgebungen, Proteste zeigt. Wenn die Regierung uns nicht hört und ernst nimmt und die Kürzungen beschließt, haben sie Proteste auch über Dezember hinaus zu erwarten - bis sie abgewählt sind!
Die Demo wird am 15.12. um 13 Uhr am Lustgarten auf der Museumsinsel beginnen. Außerdem gibt es einen rollenden Zubringer (Fahrrad & E-Roller) vom Neuköllner Kranoldplatz, der ebenfalls um 13 Uhr startet."
Medienschau Zeit zu Chialo-Podium: Joe Chialo in der Berliner Zeitung
Im Interview mit der Berliner Zeitung (heute, 11.12.2024) antwortet der Kultursenator auf die Frage, warum laut aktualisierter (natürlich informell-unverbindlicher) Streichliste "nur die Volksbühne als einziges der fünf großen Sprechtheater die volle Einsparsumme von zwei Millionen Euro erbringen" müsse: "Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich mich nicht zu den Details äußern kann, da wir uns in einem laufenden parlamentarischen Verfahren befinden. Am Mittwoch werden wir im Hauptausschuss unsere Stellungnahme dazu präsentieren."
Eingangs beschwört Chialo wie immer den Pseudo-Imperativ der gesamtwirtschaftlichen Situation als Grundbedingung des Haushaltens, zum Thema "Schuldenbremse" will sich der Kultursenator natürlich nicht äußern. Vielmehr sei ein "neues Mindset" (in Anpassung an den Pseudo-Imperativ) erforderlich: Für eine bahnbrechend neue, auf schuldenbremsenirrelevante Ebenen ausgelagerte Kreditfinanzierung von Kultur sei ja bis 6/2025 Zeit. (Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Chialo durch Nicht-Kommunikation 2023/2024 diesen institutionellen Anpassungsprozess - das finale Kettensägenmassaker - auf einen Zeitraum verlegt hat, in dem er längst einen anderen Job hat, bei dem er widerstandslos sein Ideal durchsetzen kann: Wer was "mit Kultur" will, strengt sich an, findet ein Studio und ein "Plattenlabel" ("Universal"/ein utopisches, fair vergütendes Spotify o. Ä.) und feiert Release im Berghain. Was einen etwaigen Baustopp (Pseudo-Einsparung 10 Mio bzw. Kostensteigerung um 250 Mio) und damit das voraussichtliche Ende der Komischen Oper anbelangt, stellt er eine Priorisierung dieses Bauvorhabens gegenüber anderen Bauvorhaben in den Raum, nachdem ja in der aktualisierten informell-unverbindlichen Streichliste die seit 10 Jahren projektierte und budgetierte bauliche Anpassung des Eingangsbereichs des Technischen Museums plötzlich zur Disposition gestellt wurde. Aber natürlich ist auch die Frage einer Priorisierung von Bauvorhaben keine, die sein Ressort tangiert - ergo: keine Stellungnahme.
Medienschau Zeit zu Chialo-Podium: Kreative Buchführung mit Joe Chialo
Tagesspiegel und taz geben weitere Einblicke in die "Kreative Buchführung mit Joe Chialo" (taz):

https://www.tagesspiegel.de/berlin/das-nachste-problem-im-berliner-kulturhaushalt-auszug-des-stadtmuseums-aus-dem-humboldt-forum-kaum-umsetzbar-12857668.html

https://taz.de/Sparliste-der-Berliner-Kulturverwaltung/!6055910/

Außerdem bestätigt sich die Vermutung, dass der Schwarz-Rote-Senat Investitionsschwerpunkte bei ganz großen Playern sieht und die US-NFL für ein Spiel pro Jahr nach Berlin holen möchte. Kostenpunkt seitens Berlin: 12,5 Millionen Euro.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/senat-will-125-millionen-euro-investieren-nfl-kommt-2025-fur-ein-spiel-nach-berlin-12859954.html
Medienschau Zeit zu Chialo-Podium: Abwanderung von Künstlern
https://www.morgenpost.de/berlin/article407878258/joe-chialos-ressort-befuerchtet-abwanderung-von-kuenstlern.html (Paywall)

In der Berliner Morgenpost zitiert Joachim Fahrun kritische Stimmen aus der Kulturverwaltung von Joe Chialo selbst. Außerdem wird deutlich, dass die letzte aktualisierte Streichliste (12 Mio) nicht die tatsächlichen Aufwendungen für Tarifsteigerungen in den Kultureinrichtungen (17 Mio) 2025 abbildet. Von 17 Mio hatte Joe Chialo selbst gesprochen. Die Bau-/Sanierungskosten der Komischen Oper für 2025 sollen angeblich unter anderen Haushaltstiteln bereitgestellt werden, ohne dass dies allerdings in irgendeiner Form präzisiert wird. Besonders verheerend stellt sich die beabsichtigte Abwicklung der Kulturraum GmbH dar, durch die bislang Atelierräume angemietet werden konnten. Die Abschmelzung von 18 auf 3 Millionen wirkt sich substantiell negativ auf die Berliner Kunst und Kultur aus - diese war immer als reiner Buchungstrick und "Strukturwandel" deklariert worden. Zitat aus dem Artikel von Fahrun: "Es droht die Verdrängung und Abwanderung von Kunstschaffenden - dem wichtigsten Asset der Kunststadt Berlin", schreiben Chialos Mitarbeiter. ... Chialos Staatssekretärin Sarah Wedl-Wilson sagte ..., man brauche eine Rechtsperson, wenn man Räume für bis zu 30 Jahre von Immobilieninvestoren anmieten wolle. Es sei wichtig, die 3000 Ateliers der Kulturraum GmbH zu sichern, fügte sie an."
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