Medienschau: Zeit Online – Thomas Ostermeier zu den Kulturkürzungen

Bankrotterklärung von Berlins Kulturpolitik

Bankrotterklärung von Berlins Kulturpolitik

22. November 2024. Im Interview erzählt Thomas Ostermeier, Intendant der Berliner Schaubühne, dass sein Haus den konkreten Förderbetrag, der seinem Theater von Berlins Politik gestrichen werden soll, aus der Presse erfahren hat. "Es ist jetzt nicht so, dass mit uns in einer vernünftigen Weise, und sei es in einer Videokonferenz, kommuniziert werden würde", so Ostermeier im Gespräch mit Peter Kümmel.

"Die Kürzungsliste wurde ja durchgestochen und landete in der Presse, mit den Theatern offiziell gesprochen hat darüber niemand", erklärt er. Die Schaubühne, die neben Kürzungen von 1,8 Millionen Euro im Etat auch Tariferhöhungen von 700.000 Euro ohne finanziellen Ausgleich selbst tragen soll und als Privattheater Ende 2025 von der Insolvenz bedroht ist, versuche seither, von der Politik Details zu erfahren. "Deshalb verbringen meine wichtigsten und qualifiziertesten Leitungsmitarbeiter*innen den Tag im Abgeordnetenhaus, um herauszufinden, was Sache ist. Um zu antichambrieren und für eine halbe Minute das Ohr dieses oder jenes Parlamentariers zu bekommen", so Ostermeier. "Wir laufen den Informationen hinterher."

Kultursenator Joe Chialo habe mit seiner Strategie, leise hinter den Kulissen zu agieren, während die Kultur ihre Forderungen laut öffentlich vortragen sollte, offenbar keinen Erfolg gehabt. "Es war ihm nicht klar, wie gering sein Stand in der Berliner CDU ist", so Ostermeier. Er hätte wesentlich früher für sein Ressort auf die Barrikaden gehen müssen. "Was da geschah, ist eine Bankrotterklärung."

(Zeit Online / eph)

Kommentare  
Medienschau Ostermeier: Existenzvernichtend
(...)
Was ich nicht verstehe: Warum sollte Herr Chialo sich bevor er als gewählter und gesetzter Senator etwas vorschlägt, damit auseinandersetzen "wie gering sein Stand" in der eigenen Partei ist? DAS Einsichtsdefizit kann ja wohl schwerlich die Ursache dafür sein, dass dieser Senat so existenzvernichtende Sparbeschlüsse gefasst hat. Es hat wohl eher mit dem zu geringen Stand der Kunst und Kultur und dem Stand der gesellschaftspolitischen Bedeutung derer geistigen Freiheit, der von u.a.der CDU als zu gering erachtet wird, zu tun, dass die Berliner Theater - besonders die rechtlich privat-halbstaatlich verwursteten (was kein künstlerischer Nachteil sein muss!!!) jetzt so dastehen, wie hier geschildert wird.
Medienschau Ostermeier: Umverteilung
Es ist wirklich fatal, was Ostermeier beschreibt. Ein Armutszeugnis an politischer „Kultur“.

Und dennoch: Dafür strategisch-kommunikativ-politisch seine „Experimentier-Bude“ zu opfern ist möglicherweise wirtschaftlich sinnvoll aber ein fatales Signal in die gesamte Theaterszene. Was soll das für eine Koketterie sein?

Ein richtiges Signal aus der Leitung der Schaubühne wäre es doch, wenn die Führungsriege auf ihre 11,6 % zugunsten der Schwächeren, der Freien Kunstschaffenden (Regie-Teams, Schauspielende, Musiker:innen etc) verzichten würden und diese Bewegung vom Kultursenator und dem Bürgermeister aus Spandau, der es ja maximal bis zum Grips-Theater aber nicht über die imaginäre Grenzen zur Volksbühne oder Parkaue schafft einzufordern. Auf gute Nachbarschaft am Kuhdamm. Wenn Ostermeier, Veit und Co vorlegen, ziehen Reese, Bröcking und Co bestimmt sofort nach und die Debatte um die Verteilung innerhalb der Tempel ist eröffnet. Ostermeier hat dazu eingeladen…
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