Presseschau vom 07. April 2016 – Die SZ portraitiert Anis Hamdoun, den Gewinner des nachtkritik-Theatertreffens 2016
"Theater ohne politisches Statement ist lame!"
"Theater ohne politisches Statement ist lame!"
7. April 2016. "Und wenn ihn ein Bettler nach einem Euro fragt, breitet er die Arme aus, grinst und ruft: 'Mann, ich bin Flüchtling!', schreibt Mounia Meiborg für die Süddeutsche Zeitung (7. April 2016) in ihrem Portrait über Anis Hamdoun. Der syrische Autor gewann Ende Januar mit "The Trip" mit komfortablen Abstand das nachtkritik-Theatertreffen 2016.
Meiborg traf Hamdoun in Osnabrück, wo dieser momentan arbeitet und inszeniert. Bei einem Spaziergang sprach sie mit ihm über seine Flucht aus Syrien, aber auch seine klassisches Theater-Sozialisation. "Jeden Tag Shakespeare, jeden Tag Brecht. Das war mein Spielplatz, mein Leben." So erfährt man auch, dass Hamdouns Großvater Farhan Bulbul in den Sechzigern eine der ersten Theatergruppen des Landes gegründet hatte, die Labour Theatre Group Homs, und dieser ihm auch beibrachte, worum es ihm auch heute in seinen Arbeiten geht: "Theater ohne politisches Statement ist lame, belanglos."
Weiter erzählt Meiborg, wie Hamdoun 2012 von einer Mörsergranate getroffen wurde und dabei sein linkes Auge verlor. Wenn Hamdoun vom Krieg erzählt, "von Scharfschützen und Panzern, denen er ausweichen musste, klingt das fast wie eine Abenteuergeschichte", schreibt sie.
Die Syrien-Politik des Westens findet Hamdoun scheinheilig und falsch. Assad sei für ihn "noch schlimmer" als der IS, von den vielen Tausend Toten, die der syrische Staatspräsident auf dem Gewissen habe, würden wir nicht mal erfahren, da die Regierung die vielen Leichen beseitigen lasse.
Über seine Perspektive in Deutschland sagt er: "Wenn ich in drei, fünf oder zehn Jahren nach Syrien zurückgehe, werde ich auch dort wieder ein Fremder sein. Ich habe viel von Brecht und Hannah Arendt gelesen. Sie sind ihr Leben lang Flüchtlinge geblieben. Ich habe mein Schicksal akzeptiert."
(sae)
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