Presseschau vom 16. Oktober 2013 – Die Welt bringt ein Interview über Sprechtheater in den USA

Die weißen Rollen bleiben weiß

Die weißen Rollen bleiben weiß

16. Oktober 2013. "Hier kann man noch etwas suchen. Es gibt so viel Boden von sozialen Einflüssen, der offen ist, nicht besetzt", sagt die deutsche Theatermacherin Gabriele Jakobi, die oft und lange in den USA arbeitet, in einem Interview mit Uwe Schmitt in der Welt über Gemeinsamkeiten und Unterschiede vom europäischen und dem us-amerikanischen Theater. "Zwar ist der ökonomische Druck ungeheuer groß, aber man kann Dinge probieren: wenn man sich traut. Selbst wenn es nicht immer gelingt, aber es gibt die Chance."

Währen der Filmmarkt ernstgenommen werde, gelte die Theaterbranche als regionale Nische: "In den USA gilt Theater nicht als wichtiger Teil der Kultur wie Wissenschaft, sondern als ein Randbereich." Dennoch gäbe es eine Suche nach neuen Ausdrucksformen. "Auch wenn Bob Wilson – ein Star in der ganzen Welt – hier immer noch keinen Erfolg hat mit seiner extremen ästhetischen Form. Hier war das nur Kunst für elitäre Gemeinden."

Interessant gerade vor dem Hintergrund der deutschen Blackfacing-Debatte sind ihre Ausführungen zu POC-Schauspielern: "Beim Shakespeare-Theater gibt es Schwarze im Chor oder im 'Volk'. Aber einen sehr guten schwarzen Schauspieler in einer weißen Hautrolle zu besetzen, das geht eigentlich kaum." Nicht mal bei Beckett würde hautfarbunabhängig besetzt, dabei "handeln Becketts Stücke nur vom Menschen an sich, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und so weiter".

(geka)

 

Mehr zu Theater in den USA finden Sie in den Theaterbriefen.

 

Kommentare  
Presseschau USA: bei Shakespeare "coulour blind casting"
Also, das ist aber bemerkenswerter Unsinn. Gerade bei den Shakespeareinszenierungen im gesamten englischsprachigen Raum ist mittlerweile "colour blind casting" absoluter Standard. In modernen Stücken und ja, auch bei Beckett, ist nach wie vor der Realismus Koenig, das ist wohl wahr.
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