Presseschau vom 18. September 2014 – Die Zeit interviewt Peter Handke
(Fehlender) Dämon
(Fehlender) Dämon
18. September 2014. Peter Kümmel hat sich für die Zeit bei Paris mit dem diesjährigen International Ibsen Award-Träger Peter Handke getroffen; sie sprechen auf einer Zeitungsseite u.a. über Zorn, Dankbarkeit, Kunst (Handke: "Kunst kommt vom Lassen") und Michael Haneke.
Handke bezeichnet Verachtung als sein Grundproblem und sagt an einer anderen Stelle: "Als ich damals den Preis der Mülheimer Theatertage bekam, für Immer noch Sturm, lernte ich viele junge Dramatiker kennen, die auch nominiert waren." Die seien alle ganz aufmerksam und fein und vif und fast zu witzig formulierend gewesen, aber er hätte den Eindruck gehabt, "dass die überhaupt keinen Dämon haben". "Ich würd schon sagen, dass ein Schreiber ein Dämon ist – auch im guten Sinn, wie die Griechen sagen, der oi daimon, der Gute." Man müsse doch wenigstens fingieren, dass man das Äußerste, das Universelle erreichen kann. "Ohne das würde man doch gar nicht anfangen, den Wahnwitz des Schreibens zu betreiben, oder? Sonst würd man ja ... (Handke spricht jetzt mehr zu sich selbst, murmelnd) ... na ja, Blödsinn, hör mer auf …"
(sd)
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kommt kunst von lassen? (handke kann jedoch vom schreiben nicht lassen)
kunst kommt vom erblassen! die blässe, die dem tod des ichs vorausgeht.
schreibt, um das universelle zu erreichen!
doch, doch, handke ist als schreiber ein dämon, als dichter versagt er
manchmal am äußersten . . .
nein, das gegenteil ist der fall: junge dramatiker haben zu viel, oder wenigstens reichlich dämon, dieser ist ihr ehrgeiz, sonst würden sie nicht nominiert werden, etwa für den preis der mühlheimer theatertage -
alle ganz aufmerksam und fein und vif und fast zu witzig
und von der literarischen erregung vollendet schwitzig.
sicherlich, handkes grundproblem ist verachtung (daher hat er auch manch kritischen gegner)
zorn und dankbarkeit: gegenüber dionysos? (gott des weines, der fruchtbarkeit, des wahnsinns und der ekstase (dionysien), des rausches,
der verwandlung. aus dem dionysien entwickelte sich tragödie und komödie) -
oder doch apollon? (der gott des lichts, der heilung, des frühlings, der sittlichen reinheit und mäßigung, der weissagung und der dichtkunst).
als daimon wird handke wohl dem dionysischen zu-geneigt sein -
oder doch dem apollinischen? - nein, doch mehr dem dionysos, glaube ich. . . . . .
der dämon ist auch ein mittler zwischen den göttern und den sterblichen.
und peter handke ist gewisslich ein solcher. und im großen und ganzen ist dieser schreiber (dichter) als ein oidaimon zu nennen, vielleicht ist ihm deshalb auch die verachtung zu eigen . . . hat er wirklich ein problem damit? war kennt schon seinen eigenen grund? wahn und witz ist das schreiben. beides gehört zum geistigen . . .