Presseschau vom 20. Dezember 2018 – Der Chef der Dramaturgischen Gesellschaft Harald Wolff zur Aufgabe der Theater in einer bedrohten Demokratie
Neue Erzählungen müssen her
Neue Erzählungen müssen her
20. Dezember 2018. Im Interview mit Karin Fischer vom Deutschlandfunk sprach der Vorsitzende der Dramaturgischen Gesellschaft und Chefdramaturg des Stadttheaters Gießen Harald Wolff über die künftigen Aufgaben des Theaters.
Der Rechtsruck in Europa sei "sehr konkret und sehr bedrohlich". Die Frage heute laute: Wie könne das "Projekt einer demokratischen Gesellschaft wieder attraktiver" werden? Oder anders: wie ließen sich "neue gesellschaftliche Erzählungen finden und entwickeln", in denen "offene, lebendige Demokratien" als das erschienen was sie sind, "nämlich aufregender, vielseitiger, attraktiver als dieses autoritär Angsterfüllte"? Die Demokratie brauche eine Erzählung, "die funktioniert". Und die "Experten für Erzählungen" seien die "Theaterschaffenden". Es sei ihre Aufgabe, "Freiheiten auszuweiten, Spielräume zu erschaffen, Gegenerzählungen zu entwickeln, Menschen eine Stimme zu geben, die bisher nicht repräsentiert werden". Theater machen heiße, "die Welt als veränderbare zu begreifen. Und wir können Kunst nur machen, wenn wir uns bewegen können". Die "klare und starke Positionierung von Theaterleitungen gegen rechts" habe damit zu tun, dass in vielen Häusern "Menschen aus 30, 40 Ländern" arbeiteten.
(jnm)
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