Presseschau vom 23. März 2012 – Herbert Fritsch spricht im Interview in der Welt über seine Inszenierung von Dieter Roths "Murmel Murmel", die nächste Woche Premiere hat
Durchrüttel-Show
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23. März 2012. Dieter Roths Theaterstück Murmel Murmel besteht ausschließlich aus diesen Worten, die endlos wiederholt werden. "Die Gefahr besteht, dass man Szenen baut, wo gar keine sind, und sich bei den Zuschauern dafür entschuldigt, dass man jetzt 'Murmel Murmel' macht", sagt Herbert Fritsch, der das Stück zur Zeit an der Berliner Volksbühne probt, im Interview mit Matthias Heine in der Welt.
Das Ganze habe eine grafische Struktur, es ist in Sechserrhythmen geschrieben. "Das studieren die Schauspieler jetzt richtig ein - mit Zählen und allem Drum und Dran. Das wollen wir beinhart durchziehen", so Fritsch, "für mich hat das merkwürdigerweise einen großen Witz. Es ist sehr unterhaltsam in dieser Penetranz, in der es vorgetragen wird. Aber teilweise wachen die Schauspieler nachts schweißüberströmt auf und haben Angstträume – mir geht's genauso –, weil sie denken: Um Gottes willen! Das wollen wir den ganzen Abend durchhalten? Wie soll das gehen?"
Dass er sich nach Komödienklassikern von Schönthan oder Curt Coetz und Brechts "Puntila" und Ibsens "Nora" jetzt auf etwas komplett Postdramatisches stürze, habe bei ihm auch eine lange persönliche Geschichte. "Nachdem ich als junger Schauspieler in Heidelberg gelangweilt gekündigt hatte, bin ich 1979/80 mit einem Abend aufgetreten, wo ich all das gemacht habe, was man mir am Theater nicht erlaubte. Das war die sogenannte Nullshow, für die ich mir selber Regeln gesetzt habe: Keine Vorbereitung, keine Proben, keine Überlegung vorher, was ich machen werde und keine artikulierte Sprache - nur Laute." Da habe er zum ersten Mal gemerkt: "Das ist eigentlich mein Ding. Und jetzt will ich eben genau wie damals, das was ich mache, in gewisser Weise durchrütteln. Mal schauen, wohin das führt?"
(sik)
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