Presseschau vom 7. Januar 2013 - Das Hamburger Abendblatt interviewt die designierte Schauspielhausintendantin Karin Beier
Ein schiere Katastrophe
Ein schiere Katastrophe
7. Januar 2013. Maike Schiller und Armgard Seegers vom Hamburger Abendblatt haben die designierte Schauspielhausintendantin Karin Beier in ihrem "Vorbereitungsbüro" in Hamburger Stadtteil St. Georg besucht. Derzeit, so erfuhren sie, pendelt Beier noch zwischen Hamburg und Köln, wo sie am Freitag Jean Paul Sartres Die Troerinnen herausbringen wird. Aber sie hat schon ihren Hauptwohnsitz in Hamburg, und auch ihre Tochter wurde dort im Sommer eingeschult.
Wie weit sie mit ihren Vorbereitungen am Schauspielhaus sei, wollen die beiden Journalistinnen also wissen.
Sie habe zunächst versucht, so Beier, die speziellen Probleme am Schauspielhaus kennenzulernen, mit allen Mitarbeitern zu sprechen, Abteilungen umzustrukturieren. "In Köln habe ich so etwas nicht gemacht, damals war ich Anfängerin als Intendantin. Inzwischen weiß ich, dass man direkt am Anfang sehr deutlich machen muss, wo man die Schwerpunkte setzen will."
Das Ensemble sei inzwischen komplett, fest stünden auch die Regisseure für die erste Spielzeit – genaues wolle sie aber erst auf ihrer Programmkonferernz im Frühjahr sagen. "Ich lege auf jeden Fall großen Wert darauf, dass wir ein Ensemble haben, das aus allen Generationen besteht. Es werden 33 Schauspieler sein, 20 Männer und 13 Frauen." Die Journalistinnen werfen Namen wie Josef Ostendorf, Ute Hannig und Markus John, Lina Beckmann, Michael Wittenborn, Charly Hübner und Paul Herwig in die Runde. Doch Karin Beier lächelt nur.
Auf die Frage nach einem Oberspielleiter oder Hausregisseur sagt sie: "Das brauchen wir nicht." Wieder wird nach Namen gefragt. "Natürlich kennen Sie alle Regisseure, die solch ein großes Haus beherrschen. Und natürlich riskieren wir auch was, einen Regisseur vielleicht, den man in Deutschland noch gar nicht erlebt hat."
An anderer Stelle wird das Hamburger Abendblatt grundsätzlich: "Sie müssen sich und Ihre Kunstform ja auch für die Zukunft aufstellen. Dafür reicht die bildungsbürgerliche Klientel allein nicht aus. Wie holt man theaterferne Bevölkerungsgruppen ins Theater?" Karin Beier darauf: "Es reicht jedenfalls nicht, gewisse Stoffe zu behandeln. Auch nicht, gewisse Schauspieler auf die Bühne zu stellen." In Köln hätte sie noch gedacht, wenn das Theater z.B. etwas über die türkische Arbeiterschaft erzählen würde, dann käme die auch ins Theater. Doch habe sie schnell die Erfahrung gemacht: "die interessieren sich zunächst einmal gar nicht für deutsches Theater. Wenn man türkische Schichten erreichen will, muss man wissen, welche Musik die hören, wer für die auflegt, ob man diese Szene ins Theater holen kann. Man braucht einen ganz langen Atem, das ist nicht unkompliziert, und das habe ich in Köln unterschätzt."
Eine Hiobsbotschaft gibt es auch: Die Sanierungsarbeiten am Schauspielhaus sollten im September 2013 fertig werden, die Eröffnung für das Publikum wäre dann im Oktober gewesen. "Mit diesen Terminvorgaben habe ich geplant, sie sind aber offensichtlich nicht zu halten." Sie habe in den letzten Tagen ihren Spielzeitstart umgekrempelt, ihre künstlerischen Partner mit Engelszungen beredet, um sie zu Kompromissen zu bewegen. "Terminkollisionen sind aber schon jetzt unvermeidlich. Jede Woche weiterer Verzug wäre eine schiere Katastrophe."
(sle)
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