Presseschau vom 7. Mai 2014 – taz-Interview mit Festwochen-Kuratorin Frie Leysen
Soll alles bleiben, wie es war?
Soll alles bleiben, wie es war?
7. Mai 2014. Übermorgen beginnen die Wiener Festwochen. Kurz vor dem Start sprach die tageszeitung (6.5.2014) mit der Schauspiel-Kuratorin Frie Leysen, die trotz eines ursprünglichen Drei-Jahres-Engagement schon nach einer Saison wieder ausscheidet. Sie möchte "das Festival als Freiraum verteidigen, in dem Künstler ohne ökonomischen, politischen und ästhetischen Druck arbeiten können". Mittlerweile seien die Bedürfnisse der Künstler viel zu oft "sekundär", "was zählt sind die Auslastungszahlen". Ihre Ambition sei es hingegen, den "Freiraum gegen den Druck von außen zu verteidigen, die Dringlichkeit hinter einer künstlerischen Arbeit zu verstehen und für jedes Projekt die bestmögliche Produktionsweise zu finden."
Wir, die Kolonialisten
Über außereuropäische Entwicklungen sagt Leysen: "Bislang haben Theatermacher in Afrika und Asien sich eher an europäischen Sichtweisen, Kriterien und Normen orientiert. Im Augenblick ist es eher so, dass sie vermehrt auf sich schauen und ihre eigenen Kriterien entwickeln." Wir in Europa seien es allerdings, "die das Geld haben. Wir sind noch immer die Kolonialisten." Sie "reise viel und erkenne mehr und mehr, wie wenig ich wirklich verstehe. Das ist eine Lektion in Sachen Bescheidenheit. Man sieht Dinge, die offenkundig eine Qualität haben, aber man versteht sie nicht."
Die Gesellschaft ändert sich rasant
Was das Verhältnis zwischen deutschem Stadttheater und der freien Szene angeht, hat Leysen "besonders in Berlin (...) eine Kluft wahrgenommen, die zwischen den etablierten Häusern und allen anderen herrscht. Freies Theater ist noch viel zu sehr im alternativen Kontext verhaftet", nicht nur in ökonomischer Hinsicht, man sei auch "international zu wenig vernetzt". Sie plädiert dafür, dass sich "das eine oder andere große Haus (...) sich für eine andere Arbeitsweise, für andere Stile und Kunstformen, für andere Inhalte" öffnet. "Die Gesellschaft ändert sich rasant, aber im Theater soll alles bleiben, wie es war? (...) Ich habe mich gefragt, warum denkt man nicht darüber nach, mit diesen Apparaten etwas anderes zu machen, etwas Komplementäres zum Stadttheater, etwas wie das Théâtre de la Ville in Paris oder das Barbican in London. Was nützt ein gut organisierter Theaterapparat, wenn darin kein Geld für die Kunst bleibt?" Sie plädiert nicht dafür, irgendwo Geld wegzunehmen, sondern es "innerhalb der Häuser anders einzusetzen".
(ape)
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Im Besonderen hat es Frau Leysen versäumt mit genau diesen Häusern künstlerisch zu kooperieren. Besagtes "Internationales" dort (mit auch finanzieller Unterstützung von Theater der Welt) wachsen zu lassen. Das wäre ihre Chance gewesen.