Presseschau vom 8. Februar 2013 – Die Neue Zürcher Zeitung deutet den Fund der Gebeine Richards III.
Echter Buckel
Echter Buckel
8. Februar 2013. Gleich in zwei Texten beschäftigt sich die Neue Zürcher Zeitung heute nochmal mit den Gebeinen Richards III., die im September bei Ausgrabungen unter einem Parkplatz in Leicester entdeckt wurden und nun eindeutig zugeordnet sind. Des Königs Skelett werde am Drama Shakespeares kein Jota ändern, aber diene doch ein wenig der Rehabilitierung.
"Dass das Richard-Bild der Nachwelt so ganz falsch nicht war, zeigte auch eine eilfertig hergestellte Rekonstruktion seines Gesichts nach dem Knochenfund", schreibt Marion Löhndorf. Es weise bestechende Ähnlichkeit mit einem bekannten Porträt auf, das heute in der National Portrait Gallery hängt. An Richards Skelett zeige sich auch eine Verformung des Rückens, die bei Shakespeare zur Ursache seelischen Leidens und damit zum indirekten Auslöser der Schreckenstaten des Königs wird. "Lange war bezweifelt worden, dass der echte Richard seinem buckligen Bühnen-Alter-Ego ähnlich gesehen habe." Schon kurz nach seinem Tod begann die Legende vom grausamen Herrscher, die Shakespeare schließlich unter das Vergrößerungsglas seiner Kunst legte. Aber der Arm des Skeletts etwa, der laut Shakespeare auch verformt war, wies in Wirklichkeit keine Besonderheiten auf.
Jonathan Slinger, ein Mitglied der Royal Shakespeare Company, wird zitiert, für den der Gedanken faszinierend sei, dass der König gemäß den identifizierten Verletzungen nicht hoch zu Ross sein Ende gefunden habe und demnach tatsächlich "ein Königreich für ein Pferd" versprochen haben mochte. "Einer der berühmtesten Ausrufe Shakespeares könnte mithin authentisch gewesen sein."
Was immer Richard III. getan oder nicht getan haben mag, überlegt Rüdiger Görner desweiteren in der NZZ, "er belegt zumindest das potenziell Grauenhafte entfesselter Macht". Und wie immer er in Wirklichkeit ausgesehen haben mag, "selbst die so ansprechend farbige Computersimulation kann nicht mehr sein als ein Schattenriss seiner (Un-)Person". Fazit: "Gerechtigkeit für Richard III. – das könnte ja auch zu einem Programmpunkt im prospektiven englischen EU-Referendum werden. Denn schliesslich half eine verdeckte französisch-schottische Allianz, diesen englischen Monarchen zur Strecke zu bringen."
(sik)
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