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Unsere auswahl ist subjektiv

Presseschau vom 13. Februar 2018 – Interview mit Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp über Geschlechtergerechtigkeit an Theatern

Bunter wird es werden

13. Februar 2018. "Wo stoßen Frauen am Theater auf Benachteiligung?", fragt Dorothee Krings vom General-Anzeiger (9.2.2018) die Bonner Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp. Leider immer noch in vielen Bereichen, so Bramkamp: bei der Bezahlung, bei Führungspositionen, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Besetzung von Jurys oder Regieposten. Über diese strukturellen Probleme "müssen wir dringend sprechen".

Presseschau vom 9. Februar 2018 – Co­rin­na Kirch­hoff in der FAZ über Missachtung von Frauen im Kunstbetrieb

Links liegen gelassen

9. Februar 2018. Die Schauspielerin Co­rin­na Kirch­hoff, die zu den Unterzeichnern des of­fe­nen Briefs gehört, der den Machtmissbrauch am Burgtheater Wien anprangert, fragt in der FAZ: "Jun­ge Frau wird ge- und miss­braucht, äl­te­re Frau wird ab­ge­schafft. Warum bloß gibt es zum Missbrauch kei­ne Al­ter­na­ti­ve als Miss­ach­tung?" 

Presseschau vom 8. Februar 2018 – In der Zeit denkt Peter Kümmel über Intendantenwillkür nach

Scham-Ausgleich

8. Februar 2018. In der Zeit schreibt Peter Kümmel anlässlich des Offenen Briefes von 60 Burgtheater-Mitarbeiter*innen: "Wo­mög­lich wird das Thea­ter ge­ra­de des­halb so spät vom #Me­Too-Sturm er­fasst, weil es sich in den be­klag­ten Ver­hält­nis­sen schon lan­ge, mit ei­ner ge­wis­sen Hoff­nungs­lo­sig­keit, ein­ge­rich­tet hat." Besonders wundert sich Kümmel über den Zeitpunkt des Offenen Briefes (vier Jahre zu spät) und stellt darüber Mutmaßungen an. Vielleicht, dass in Wien der Eindruck entstanden sei, dass man der Entlassung Matthias Hart­manns aus ei­nem fal­schen Grund rasch ei­nen rich­ti­gen Grund nach­lie­fern müsste. Vielleicht aber auch, dass man dem zukünftigen Burgdirektor Mar­tin Kušej, dem "ein Ruf wie Donnerhall" voraneile und den viele im Ensemble eher bang erwarteten (man denke an Shen­ja La­chers Kündigung am Münchner Residenztheater), warnen wolle: "als sol­le er es gar nicht erst wa­gen, sich wie ein Dik­ta­tor zu be­neh­men".

Presseschau vom 4. Februar 2018 – Der Freitag berichtet vom Symposium "Performances von [weiblichkeit] in den darstellenden Künsten"

Wir haben 2018, haben wir?

4. Februar 2018. In der Wochenzeitung Freitag schreibt Anne Höhn über das Symposium "Performances von [weiblichkeit] in den darstellenden Künsten", das am 20. Januar 2018 an der Universität der Künste Berlin stattfand. Wir fassen die Programmpunkte zusammen. Der Artikel zur Diskriminierung der Frauen in den Darstellenden Künsten ist außerordentlich informativ.

Presseschau vom 2. Februar 2018 – Die Süddeutsche Zeitung über die Auslastungs- und Abozahlen der Münchner Kammerspiele

Mehr Junge, weniger Abos

2. Februar 2018. Kurz nachdem die Münchner Kammerspiele mit zwei Inszenierungen ("Trommeln in der Nacht" und "Mittelreich") zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden, muss sich deren Intendant Matthias Lilienthal vor dem Münchner Kulturausschuss zu den Auslastungs- und Abozahlen erklären. Darüber berichtet in der Süddeutschen Zeitung (2.2.2018) Christiane Lutz. Die Auslastung ist laut Kammerspiele in der Saison 2016/17 im Vergleich zur Vorsaison um 10 Prozent auf 63 Prozent gesunken. Auch wurden statt 4661 nur noch 3808 Abonnements verkauft, die Besucherzahlen (insgesamt 142.000) gingen um 10.000 zurück.

Presseschau vom 30. Januar 2018 – Der Tages-Anzeiger macht Vorschläge für den Umgang mit künstlerisch gescheiterten Produktionen

Courage zum leeren Spielplan

30. Januar 2018. "Muss gespielt werden?", fragt Alexandra Kedves im Tagesanzeiger (30.1.2018). Die Frage zielt darauf, ob eine geplante Inszenierung auch zur Premiere gebracht und ins Repertoire übernommen werden sollte, wenn ihr Scheitern absehbar sei. Kedves bezieht sich konkret auf die Bulgakow-Inszenierung Hundeherz von Alvis Hermanis – laut Kedves "ein künstlerisches Debakel", das innerhalb und außerhalb des Teams für jeden absehbar gewesen wäre, der auch nur eine Probe miterlebt hätte. "Hätte man nicht die Zuschauer vor der Verschwendung von zweieinhalb Stunden Lebenszeit bewahren müssen? Und auch die Schauspieler?"

Presseschau vom 30. Januar 2018 – Regisseur Peter Stein im Tages-Anzeiger-Interview über scheiternde Mitbestimmung, Quote und Bequemlichkeit

"Ich warte darauf, dass ich sterbe"

30. Januar 2018. In einem ausführlichen Interview mit Andreas Tobler im Zürcher Tages-Anzeiger spricht Regie- und Intendantenlegende Peter Stein u.a. darüber, warum Mitbestimmungsmodelle an Theatern wie seiner Berliner Schaubühne so oft scheitern: "Weil eine solche Kollektivtheatergeschichte vollen Einsatz, also letztlich die Abschaffung des Privatlebens verlangt. Deswegen können das nur jüngere Leute." Je mehr Eigenheiten man entwickele, desto schwieriger werde es.

Presseschau vom 14. Januar 2018 – Der Standard spricht mit dem Dramatiker Peter Turrini

Das verhunzte Leben und die Sehnsucht

14. Januar 2018. Ronald Pohl hat für den Standard ein ausführliches Gespräch mit dem inzwischen 73jährigen Dramatiker Peter Turrini geführt (online auf standard.at 14.1.2018, 11:59 h). Wir geben daraus ein paar Sätze wieder.

Presseschau vom 13. Januar 2018 – Nina Hoss fordert im Interview mehr Frauen in Leitungsfunktionen

Pro Quote

13. Januar 2018. Im Interview mit Stefan Stosch in den Kieler Nachrichten spricht Nina Hoss u.a. über #MeToo und fordert, dass mehr Frauen in Leitungsfunktionen kommen. Es gebe "einen täglichen Sexismus, der schon in scheinbar harmlosen Bemerkungen deutlich wird". Deshalb müssten sich die Strukturen verändern, etwa über eine Quote, auch bei Theaterintendanten: "Bislang herrscht in den Gremien eine Klüngelei von Männern, die sich gegenseitig die Jobs zuschieben. Frauen wollen die Männer da nicht wirklich haben. Es ist kein Zufall, dass über Intendantinnen oft negativ gesprochen wird."

Presseschau vom 11. Januar 2018 – Die FAZ über Videospiele als Gesamtkunstwerk

Den Bruch auflösen

11. Januar 2018. Videospiele gehören seit Langem zur Welt des Theaters – schon allein, weil sich zahlreiche, insbesondere immersive Theaterprojekte auf sie beziehen. Jetzt erklärt Matthias Kreienbrink in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (auf faz.net online veröffentlicht am 11.2.2017) sie gar zum Gesamtkunstwerk: Sie seien "nie ganz abgeschlossen, sind immer in einem Prozess des Werdens". Wagners Begriff meinte ja, Dichtung, Musik, Tanz, Architektur in einer großen Synthese zu verschmelzen, in einem Großprojekt, in dem am Ende auch eine in soziale Gruppen zersplitterte Gesellschaft zusammenkommen sollte. "Ein Kunstwerk für das Volk, aus dem Volk."

Presseschau vom 10. Januar 2018 – In der Berliner Zeitung macht sich Petra Kohse Gedanken über die kunstfremden Vorgaben unserer Förderstrukturen und hat Verbesserungsvorschläge

Grundeinkommen statt Gießkanne

10. Januar 2018. In der Berliner Zeitung (10.1.2018) macht Petra Kohse grundlegende "Anmerkungen zu den Vorgaben unserer Förderstrukturen", die z.B. von freischaffenden Künstler*innen ohne Budget einen gewissen "Eigenmittel"-Anteil und fast immer detaillierte Angaben zu den geplanten Projekten verlangen (künstlerische Absicht, Probentage, Honorare, Materialkosten, Werbung etc.). Man müsse sich, "um an öffentliches Geld ranzukommen, in Sachen Kameralistik und Antragskunde promovieren" und "so tun, als wüsste man schon im Detail, wie die Sache hinterher aussehen soll, als wäre Kunst kein Weg ins Ungefähre, keine Frage, auf die es nicht unbedingt eine Antwort gibt." Kein*e Kulturpolitiker*in habe "offenbar jemals versucht, die Kunstförderung aus dieser der Kunst widersprechenden Buchungslogik zu befreien."

Presseschau vom 6. Januar 2018 – Die Schweizer Wochenzeitung spürt Widersprüche in der Debatte um die Volksbühne Berlin auf

Berliner Paradoxien

6. Januar 2018. In einem ausführlichen Beitrag für die Schweizer Wochenzeitung (5.1.2017) identifiziert Tobi Müller im Streit um Chris Dercons Volksbühne Berlin einige Widersprüche. "Castorfs Volksbühne verachtete die Norm. Jetzt muss seine Regentschaft für diese Norm selbst stehen. Es ist so vieles verkehrt an dieser Debatte."

Presseschau vom 31. Dezember 2017 – Milo Rau im Berner Bund über seine Ausladung von einem Debattenforum des Ringier-Verlages

Privatisierung der Schweizer Debattenkuktur

31. Dezember 2017. Vor ein paar Tagen habe ihn der Ringier-Publizist Frank A. ­Meyer in einem Essay als 'Liliput-Lenin' und 'Parlaments-Verächter' verspottet, schreibt Milo Rau in der Berner Zeitung Der Bund. Daraufhin habe er in seiner letzten Kolumne mit einem Verriss von Meyers Blick'-Videoblog reagiert. Einen Tag später sei er, so Rau weiter, obwohl bereits aus Deutschland angereist, aus dem Ringier-Debattenformat 'Denkwerkstatt' ausge­laden worden.

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