medienschau
Unsere auswahl ist subjektiv
Presseschau vom 4. November 2010 - Noch einmal zum Skandal bei Elfriede Jelineks Rechnitz (Ein Würgeengel) in Düsseldorf
Jenseits des Sündenstolzes
4. November 2010. In der Süddeutschen Zeitung (4.11.2010) untersucht Martin Krumbholz die Gründe für den Skandal, den die Düsseldorfer Inszenierung von Elfriede Jelineks Rechnitz (Der Würgeengel) ausgelöst hat.
Presseschau vom 3.10.2010 – Volker Lösch erklärt die Proteste gegen Stuttgart 21 zum Theater des Jahres
Unwiderstehlich und sexy
3./4. November 2010. Völlig aus dem Häuschen ist Regisseur Volker Lösch angesichts der Stuttgart 21-Protest-Erfolge. In der Frankfurter Rundschau verklärt er die Demonstrationen zur großen theatralen Aufführung:
Presseschau vom 29. Oktober 2010 – Rücknahme der Hamburger Kulturetatkürzungen
Peinliche Kürbissuppe
29. Oktober 2010. Sehr zufrieden zeigen sich Till Briegleb in der Süddeutschen Zeitung (29.10.2010) und Volker Corsten in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (29.10.2010) mit der weitgehenden Rücknahme der Kürzungsbeschlüsse, mittels derer der Hamburger Senat die städtische Kulturlandschaft zu ruinieren gedroht hatte.
Presseschau vom 18. Oktober 2010 – Spiegel-Gespräch mit Friedrich Schirmer
Alles richtig gemacht?
Hamburg, 18. Oktober 2010. Friedrich Schirmer, zurückgetretener Intendant des Deutschen Schauspielhauses Hamburg hat dem Spiegel ein Interview gegeben. Schirmer findet, er habe das Schiff Schauspielhaus "ordnungsgemäß" der "Mannschaft übergeben", auch wenn er seinen Rücktritt "zu wenig erklärt" habe. Dass Intendanten zurückträten, sei gerade am Schauspielhaus schon häufiger vorgekommen.
Presseschau vom 30. September 2010 - Hamburger Rechenspiele in der ZEIT
Zahlenspiele mit Pfeffersäcken
Hamburg, 30. September 2010. "Revolution liegt in der Luft", schreibt Evelyn Finger im Wochenblatt Die Zeit. Sie resümiert ausführlich die aktuelle Hamburger Kulturkrise und stellt interessante Fragen: "Wieso kann Leipzig 15 Prozent seines Haushaltes für Kultur ausgeben und Hamburg nur zwei? Wie soll das Schauspielhaus als Spitzentheater mit schon jetzt nur noch 30 Ensemblemitgliedern (Durchschnitt sind in vergleichbar großen Häusern 45) Spitze bleiben, wenn das Wiener Burgtheater über hundert und sogar Düsseldorf über vierzig Schauspieler hat? Wie steigert man bei guter Auslastung Einnahmen, ohne die Kartenpreise zu erhöhen?"
Presseschau vom 8. September 2010 – Samuel Schwarz fordert im Tagesanzeiger, die Stadttheater aufzulösen und das Geld den Künstlern zu geben
Befreit euch aus veralteten Hierarchieformen!
8. September 2010. Die Idee, das Subventionssystem grundlegend umzukrempeln und Fördergelder direkt an Künstler zu vergeben, wird nicht nur von einigen nachtkritik-Kommentatoren diskutiert. Im Interview mit Alexandra Kedves im Zürcher Tagesanzeiger spricht Regisseur Samuel Schwarz davon, dass das holländische Modell für die Schweiz Vorbild sein könnte: "Man unterstützt nicht Häuser, sondern lebendige Teams mit eigenständiger, individueller Organisationsform. Sprich: Der Verteilschlüssel bei den Subventionen muss und wird anders aussehen."
Presseschau vom 4. September 2010 – Schorsch Kamerun in der taz zu Fragen der Kulturfinanzierung
Diese Einflussnahme wird immer subtiler
4. September 2010. Er habe habe das Staatstheater bisher als großen Freiraum empfunden, sagt Schorsch Kamerun im Gespräch mit Till Briegleb in der taz (4.9.2010). "Gerade im Vergleich zu dem sogenannten Independent-Musik-Bereich, aus dem ich komme. Räume, die unangestrichen sind von Markeninteressen, gibt es dort kaum noch. Wenn wir mit den Goldenen Zitronen auf einem Festival spielen, dann hängen meistens rechts und links der Bühne große Werbebanner. Im Theater ging das bisher noch ganz gut ohne. Diesen luxuriösen Status darf man nicht leichtfertig aufgeben!"
Presseschau vom 3. September 2010 – Anna Bergmann spricht in der SZ über die Probleme junger Regisseure im deutschen Stadttheatersystem
Aufschrei nach mehr Anarchie
3. September 2010. In der Süddeutschen Zeitung spricht die Regisseurin Anna Bergmann, "erfolgreich, umworben, professionell gemanagt", kritisch Klartext über das durchkonventionalisierte Stadttheater. "Nehmen Sie meine Inszenierung Bunbury vom Thalia Theater, die zum Festival Radikal jung nach München eingeladen wurde", beginnt sie das Interview mit Vasco Boenisch, "eine Scheiß-Inszenierung. Warum wird gerade die eingeladen? Ich habe große Stücke in der Provinz inszeniert, aber nie ist irgendjemand von einem größeren Haus angereist und hat sich eine Arbeit von mir angeschaut. Es werden immer nur die gleichen großen Eckpfeiler Deutschlands abgeklappert. Und daraus soll sich der Regienachwuchs entwickeln?"
Presseschau vom 2. September 2010 – SZ und FAZ berichten über israelische Reaktionen auf den Künstler-Boykott der Siedlung Ariel
Weckruf an das alte Friedenslager
2. September 2010. Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung berichten von den Reaktionen auf den Künstler-Boykott des Kulturzentrums in der Westbank-Siedlung Arie. Peter Münch schreibt in der Süddeutschen (1.9.2010): "Israels Kulturszene ist in Aufruhr, und wer etwas auf sich hält, der meldet sich (...) zum öffentlichen Bekenntnis". Die Boykott-Unterstützer pochten "auf ihr Recht zur politischen Korrektheit", die Gegner "beschwören die Kultur als höheres Gut, jedenfalls höher als die Politik" – eine Diskussion, "wie sie die desillusionierte und bisweilen zynische Politik in Israel lange nicht gesehen hat".
Presseschau vom 24. August 2010 – Interview mit Matthias Lilienthal in der Süddeutschen Zeitung
Gen Globalisierung des Stadttheaters
24. Juli 2010. Als Matthias Lilienthal kürzlich bekannt gab, seinen Vertrag am Berliner HAU über 2012 hinaus nicht verlängern zu wollen, schlug ein nachtkritik-Kommentator vor: "Er sollte Nachfolger von Castorf werden." Aber nein, die Ambitionen des ehemaligen Volksbühnen-Dramaturgen (bis 1998) gehen offenbar nicht in Richtung Rosa-Luxemburg-Platz, wie er Peter Laudenbach im Interview für die Süddeutsche Zeitung sagte. Für ihn sei die Leitung der Volksbühne – Frank Castorfs Vertrag läuft 2013 aus – keine Option, machte Lilienthal deutlich. Castorfs Nachfolger solle jemand sein, "der von Franks Ästhetik sehr weit weg ist. (...) Ich bin einfach viel zu nah dran, um dieses Theater neu zu erfinden. Als Volksbühnen-Intendant würde ich meiner eigenen Vergangenheit begegnen, ich müsste mich selber aus dem Theater austreiben."
Presseschau vom 26. August 2010 – zum Tod von Christoph Schlingensief
Haltet ein!
22./23./26. August 2010. Am Samstag, den 21. August, ist Christoph Schlingensief gestorben. Auf seiner offiziellen Web-Seite ist zu lesen: "Im Sinne von Christoph Schlingensief bitten wir statt Blumen und Kränze um eine Spende für das Operndorf Afrika."
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