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Bautzen: Georg Genoux erhält Lessingpreis, aber verliert Förderung

23. Januar 2025. Georg Genoux, gerade mit einem der beiden Förderpreise zum diesjährigen Lessingpreis ausgezeichnet, verliert im gleichen Zug die staatliche Förderung für das Projekt, für das er am gestrigen Mittwoch einen der wichtigsten Kulturpreise des Freistaats Sachsen erhielt. Das teilt das Deutsch-Sorbische-Volkstheater Bautzen mit, an das Genoux' Thespis Zentrum angeschlossen ist.

Im Thespis-Zentrum kommen Bautzener Bürger und Geflüchtete aus unterschiedlichsten Ländern zusammen, für Workshops, ein Sprachcafé oder das Theaterspielen. Thespis richtet seit 2017 jährlich auch das das internationale Festival "Willkommen anderswo" aus.

Als Leiter des Thespis-Zentrums in Bautzen habe Genoux ein transkulturelles Theater etabliert, in dem sich Menschen mit oder ohne Fluchterfahrungen angstfrei artikulieren könnten, mit anderen in Austausch kämen und Gemeinschaft im Spiel erfahren könnten, begründete im vergangenen September das Kuratorium des Lessingspreises die Auszeichnung (Hier unsere Meldung). Mit (jungen) Menschen aus Syrien, Afghanistan, der Ukraine oder Russland und mit Einheimischen, darunter auch Angehörigen der sorbischen Minderheit in der Oberlausitz, entwickle Genoux "Aufführungen von hohem künstlerischem Niveau". Insbesondere das Festival "Willkommen anderswo" wurde vom Kuratorium hervorgehoben.

Derselbe Freistaat, der Genoux gerade die Auszeichnung verlieh, beziehungsweise die Sächsische Aufbaubank – "hier besser Abbaubank zu nennen", wie die taz den Vorgang süffisant kommentiert –, hat nun mit Jahresbeginn sämtliche Förderung für das Thespis-Zentrum in Höhe von rund 200.000 Euro gestrichen. Damit droht dem Projekt das Aus.

"Damit wird die kontinuierliche Arbeit der vergangenen sieben Jahre zerstört," so der Bautzener Intentant Lutz Hillmann in einer Erklärung. "Hunderte Jugendliche und Erwachsene aus zahlreichen Ländern dieser Erde ... hängen jetzt in der Luft. Wir sind deutschlandweit eines der wenigen Theaterzentren, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Das zu schließen, ist ein Skandal. Durch die fehlende Finanzierung verschwinden Projekte, die das Potenzial haben, das gesellschaftliche Zusammenleben zu stärken. Soziotheatrale und transkulturelle Theaterarbeit darf kein Luxus sein!"

Die Kulturpolitik in Sachsen stehe in der Verantwortung, dringend zu handeln, so Hillmann: "Die Gesellschaft braucht diese Bühnen, auf denen Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund ihre Geschichten teilen können – nicht morgen, sondern heute. Wenn wir diese Vielfalt im Theater nicht unterstützen, zahlen wir den Preis durch eine verarmte, fragmentierte Gesellschaft. Das transkulturelle Theater ist eine Brücke zwischen Welten; ohne ausreichende Finanzierung wird diese Brücke jedoch Stück für Stück abgerissen – und mit ihr ein großer Teil unseres gemeinsamen kulturellen Fundaments."

(Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen / taz / sle) 

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Kommentare  
Förderung Georg Genoux: Erschüttert
Dass das hier noch nicht kommentiert haben, sondern alle sich nur auf das Volkstheater und die völlig unrelavante Bewerbung einer Performancegruppe stürzen spricht Bände - Nachtkritik ist ein weiteres elitäres Forum.
Ich bin erschüttert, dass Thespis keine Förderung erhalten soll! Vielleicht entsteht dort nicht die große Kunst, aber es ist eine wichtige Institution, die sehr gute Arbeit macht und verdient hätte weiter bestehen zu bleiben.
Förderung Georg Genoux: Signalwirkung
Ich kenne und schätze die Arbeit von Georg Genoux seit vielen Jahren. Was er in Bautzen mit Herz(blut), großem Engagement und gegen viele Widerstände in einem komplizierten Kontext aufgebaut hat, verdient großen Respekt! Was es jetzt für diese exemplarische Kulturarbeit (Lutz Hillmann beschreibt sie treffend) braucht, sind keine warmen Worte, symbolische Preise, sondern eine verlässliche Finanzierung. Es ist tatsächlich erschütternd und das komplett falsche Signal - gerade angesichts erstarkender rechter Stimmen und einer aufgekündigten Solidarität mit Geflüchteten - diese Arbeit zu zerstören!
Förderung Georg Genoux: Falsche Stellen
Machen wir uns (als Elite) nichts vor: Ob an den großen Bühnen in Berlin, München oder Dresden ein oder zwei elitäre Produktionen weniger in der Saison laufen - zumal wenn der Rest dafür gut gemacht ist und der Produktonsdruck etwas nachließe - interessiert doch nicht wirklich jemanden jenseit von Zielvereinbarungen und Leitungsbüros. Das Geld wird stattdessen an den falschen Stellen gespart, sei es hier bei Thepsis, im Gefängnistheater und anderswo, wo es ganz anders wirken kann.
Förderung Georg Genoux: Große Kunst
Danke, Mrs. Neele! Sie sprechen mir aus der Seele. Der Fall Bautzen zereißt mir ebenfalls das Herz. Bei Thespis entstand übrigens auch große Kunst. Da stand damals auch in der Begründung für den Preis. (...)

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Der Kommentar wurde um eine polemische Zuspitzung gekürzt.
Herzliche Grüße aus der Redaktion
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