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Chemnitzer Schauspieldirektor Hartwig Albiro gestorben

2. Februar 2025. Die Theater Chemnitz geben den Tod ihres ehemaligen Schauspieldirektors Hartwig Albiro bekannt. Albiro verstarb am 31. Dezember 2024 im Alter von 93 Jahren in Chemnitz.

Geboren 1931 in Meuselwitz, führten Albiro erste Engagements als Schauspieler an die Theater in Altenburg, Stendal und an das Dresdner Theater der Jungen Generation. Im Jahr 1958 wechselte er an das Stadttheater nach Meißen, wo er auch erste Erfahrungen als Spielleiter sammelte. Von 1961 bis 1968 war er als Regisseur und Oberspielleiter am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau tätig und von 1968 bis 1971 als Regiemitarbeiter am Berliner Ensemble.

Von 1971 bis 1996 leitete Albiro dann das Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt / Chemnitz. In seinem Ensemble agierten Schauspiel-Persönlichkeiten wie Jörg Gudzuhn, Michael Gwisdek, Dietmar Huhn, Horst Krause, Christine Krüger, Andreas Schmidt-Schaller, Cornelia Schmaus, Peter Sodann, Ulrich Mühe oder Corinna Harfouch. Albiro habe darüber hinaus Regie-Talente wie Frank Castorf, Armin Petras oder Hasko Weber entwickelt. "Das Karl-Marx-Städter Schauspiel wurde unter Albiro nicht nur für seine künstlerische Qualität bekannt, sondern auch für seine kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Politik und der deutschen Geschichte. Während der Friedlichen Revolution 1989 nahm das von ihm geleitete Schauspiel eine wichtige Rolle als Sammelbecken und Sprachrohr bürgerrechtlicher Kreise in Karl-Marx-Stadt ein", so die Pressemitteilung weiter.

Bis zuletzt sei Hartwig Albiro eng mit Chemnitz und seinen städtischen Bühnen verbunden gewesen. "Er erhob seine Stimme für Demokratie und Toleranz wie im Herbst 2018, als Chemnitz zur Aufmarschfläche für Rechtsextremisten wurde, und engagierte sich für seine Heimatstadt wie im Prozess der erfolgreichen Kulturhauptstadt-Bewerbung."

Als Botschafter der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz gehörte er zu den zehn Persönlichkeiten, die am 10. Dezember 2019 in der ersten Runde des Auswahlprozesses zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 für die Stadt argumentierten. "Der langjährige Schauspieldirektor Albiro stand dabei gleichermaßen als Symbolfigur für beeindruckende kulturelle Leistungen in der Vergangenheit wie für bürgerschaftliches Engagement bis in die aktuelle Zeit vor der Jury."

Weiter heißt es: "Mit dem Tod von Hartwig Albiro verlieren die Theater Chemnitz nicht nur einen großartigen Regisseur und Schauspieldirektor, sondern auch einen einzigartigen und inspirierenden Menschen sowie einen liebenswürdigen Freund. Das Haus wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren."

(Theater Chemnitz / miwo)

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Hartwig Albiro: Ein großer Moment
Nach seinem verlesen der Resolution für Demokratie und Freiheit am 07. Oktober 1989 im Schauspielhaus Karl- Marx- Stadt saß Hartwig Albiro spät am Abend im Theaterclub am Schauspielertisch auf dem Stammplatz von Dietmar Huhn. - Das Publikum und die Belegschaft waren über den Tag aufgewühlt wegen der Verhaftungen und der Repressalien bei der morgendlichen Demonstration- . Er saß aufrecht, die Ellenbogen auf dem Tisch, die Hände wie zum Gebet gefaltet, stumm, der Blick auf den Tisch. Ab und an kamen Kolleginnen und Kollegen mit aufmunternden Worten und Gesten vorbei. Er registrierte sie kaum. Es war eine Mischung aus Erschöpfung und Trotz. Man konnte regelrecht zusehen, mit welcher Qual und Überwindung die Selbstermächtigung in diesen Tagen Gestalt annahm.

Die deutsche Theaterwelt hat eine große Persönlichkeit verloren.
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