meldung

Enrico Lübbe beendet Leipziger Intendanz 2027

Der Regisseur Enrico Lübbe ist seit 2013 Intendant des Schauspiels Leipzig © Rolf Arnold

28. Februar 2025. Der Intendant des Schauspiels Leipzig, Enrico Lübbe, wird seinen Vertrag nicht über die aktuelle Laufzeit bis 2027 hinaus verlängern. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadt Leipzig hervor, die ihre Suche für eine neue Intendanz ab 1. August 2027 ankündigt.

Enrico Lübbe, geboren 1975 in Schwerin, hat die Leipziger Schauspielleitung 2013 von Centraltheaterintendant Sebastian Hartmann übernommen. Und wurde wiederholt verlängert. In seine Intendanzzeit fallen mehrere Einladungen von Uraufführungen zu den Mülheimer Theatertagen: Die Wolfram-Höll-Stücke "Und dann" (Regie: Claudia Bauer) sowie "Drei sind wir" (Regie: Thirza Bruncken) gewannen 2014 beziehungsweise 2016 den Mülheimer Dramatikpreis. 2019 folgte ein weiterer Dramatikpreis für Thomas Köck mit "atlas" (Regie: Philipp Preuss).

Mit zwei Inszenierungen von Claudia Bauer gastierte das Schauspiel Leipzig beim Berliner Theatertreffen: "89 / 90" nach dem Roman von Peter Richter im Jahr 2017 und "Süßer Vogel Jugend" von Tennessee Williams 2020.

Enrico Lübbe, der regelmäßig selbst an seinem Haus inszeniert, fand zuletzt mit seinem Shakespeare-Stück "Richard III." Beachtung und wurde fürs nachtkritik-Theatertreffen 2025 nominiert. Vor seiner Leipziger Intendanz war Lübbe fünf Jahre lang Schauspieldirektor am Theater Chemnitz.

Für die jetzt anstehende Intendantensuche wird eine Auswahlkommission zusammengestellt. Sie soll sich aus Vertretern jeder Ratsfraktion, dem Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung Ulrich Hörning, der Bürgermeisterin für Kultur Dr. Skadi Jennicke, einer Personalamtsvertretung sowie externen Fachleuten, die das Auswahlverfahren beratend begleiten, zusammensetzen.

Den Auftakt des Auswahlverfahrens bildet ein Workshop, in den Ensemblevertreter sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Belegschaft des Schauspiels eingebunden werden. In diesem Workshop soll sich über eine gemeinsame Perspektive sowie die strategischen Leitlinien des Schauspiels verständigt werden. Die Ergebnisse fließen in die Ausschreibung ein, die über die Sommerpause 2025 veröffentlicht werden soll. Es ist vorgesehen, dass im 2. Quartal 2026 die Wahl der neuen Intendanz im Stadtrat erfolgen kann, heißt es in der Pressemitteilung.

(Stadt Leipzig / chr)

Anm. Redaktion: In einer ersten Fassung der Meldung wurde der Mülheimer Dramatikpreis für "Atlas" von Thomas Köck (2019) unterschlagen. Die Erwähnung ist nachträglich eingefügt.

mehr meldungen

Kommentare  
Enrico Lübbes Nachfolge: Mehr Diversität
Als Stammgast im Schauspiel danke ich Enrico Lübbe für seine Arbeit! Gleichzeitig wünsche ich mir für die kommende Intendanz, dass sich das Schauspiel der Diversität Leipzigs gegenüber öffnet - inhaltlich & personell. Der Auftritt des Hauses zielte in den letzten Jahren schon sehr auf ein weißes Bürgertum ab. Es wäre sehr schön, wenn sich das ändert.
Enrico Lübbes Nachfolge: Publikumswirksam und effizient
@ Christina K. Angesichts der finanziellen Herausforderungen, mit denen die Stadt Leipzig und insbesondere die Kulturinstitutionen konfrontiert sind, muss die Zukunft des Schauspiels mit einer klaren Priorität gestaltet werden: wirtschaftliche Stabilität und künstlerische Qualität. Die anstehende Intendantensuche sollte sich daher nicht in ideologischen Debatten um Diversität verlieren, sondern eine Führungspersönlichkeit finden, die das Haus effizient, publikumswirksam und nachhaltig leiten kann.
Enrico Lübbes Nachfolge: Bürgertum
Frage zu #1. Und was heißt "ein weißes Bürgertum"? Gibt es eigentlich auch ein "diverses Bürgertum"? Ist das Bürgertum denn automatisch weiß? Oder ist nicht eigentlich nur "weniger weiß" gemeint? Ich stelle mir die Frage echt.
Enrico Lübbes Nachfolge: Großer Respekt
Eine sehr weise Entscheidung von ihm. Lübbe kann sichs doch aussuchen, wenn er ein anderes Haus haben möchte. Großer Respekt für seine Leistung und alles Gute für die Zukunft.
Enrico Lübbes Nachfolge: Tolle Arbeit
Er hat eine tolle Arbeit gemacht und blieb dabei immer am Boden. Ist schade, dass er geht.
Enrico Lübbes Nachfolge: Autorenförderung
Leipzig ist bescheuert, ihn gehen zu lassen. Der hat das Schauspiel voll gespielt. Seine Autorenförderung war einmal. Alles Gute, Enrico Lübbe. Danke für Ihre Arbeit.
Enrico Lübbes Nachfolge: Alles hat seine Zeit
Auch ich habe Respekt vor der Arbeit von Enrico Lübbe und seinem Team. Es gab zahlreiche Höhepunkte, eine clevere Programmierung und durchaus auch ein diverses Programm in dem Sinn, dass es sich nicht in nur einer Bubble bewegte, sondern für verschiedene Generationen und Milieus etwas geboten, mit der Residenz auch die freie Szene ein Stück weit integriert und sowohl die Stadt als auch das überregionale Feuilleton bedient hat.
Der Zeitpunkt seines Abganges war aber schon lange vorhersehbar und man sollte die Augen nicht davor verschließen, dass er fällig ist. Spätestens seit den Querelen um den Rausschmiss zweier verdienter Schauspielerinnen wurden die Höhepunkte seltener. Starke Regie-Persönlichkeiten wie Claudia Bauer und Philipp Preuss kehrten dem Haus den Rücken und begründeten das auch mit unguten Entwicklungen im Haus. In letzter Zeit gab es immer wieder Inszenierungen, die ich - bei allem Respekt - bestürzend schwach fand. Auch zu aktuellen gesellschaftlichen Diskursen hatte das Schauspiel Leipzig kaum mehr etwas beizutragen, was angesichts der politischen Entwicklungen in Sachsen und generell schon auch als riesige Leerstelle wahrgenommen werden kann.
Alles hat seine Zeit. Diese hier läuft jetzt aus, und das ist gut und richtig so.
Ich wünsche allen Beteiligten eine glückliche Hand für die Weichenstellungen in die Zukunft, sowohl denen, die jetzt (wahrscheinlich) gehen, als auch denen, die über das Haus entscheiden.
Good luck!
Enrico Lübbes Nachfolge: Kein Kontrapunkt
Als Reaktion auf die Kommentare #2 & #3:

Zu #2:
Ich glaube, dass wir uns da gar nicht widersprechen. Wenn das Schauspiel Leipzig nachhaltig publikumswirksam sein möchte, hat es gar keine andere Wahl als sich in der Wahl der Themen, der Akteur:innen und den Menschen hinter der Bühne diverser aufzustellen. Das zeigt sich ja zum Beispiel an einer Arbeit wie „Die Leiden des jungen Azzlack“, das - so wie ich es erlebt habe - ein ganz neues Publikum ins Schauspiel geholt hat und obendrein einen Faust Preis gewonnen hat. Diversität ist eben kein Kontrapunkt zu Publikumsnähe, sondern eine Bedingung. Gerade in Leipzig.

Zu #3:
Gute Frage. Da muss ich länger drüber nachdenken.
Enrico Lübbes Nachfolge: Bumms
ich wünsche mir ein theater in L, das endlich wieder BUMMS hat, das sich zbsp an hilbig ranwagt (wie vor jahren schon einmal), die tradition der theater- und buchstadt wieder aufnimmt (kafka usw.) und in eine moderne führt. kein wohlfeiles bürgertheater, sondern fordernde kunst, die auch mal verstört, diskurse eingebettet in künstlerisches selbstverständnis, wieder das große denken, statt immer wieder klein sein zu wollen. eine besondere stadt ein besonderes theater. nach meinem dafürhalten herrschte in den letzten jahren nur noch stillstand. 14 jahre lübbe waren dann einige zu viel.
Enrico Lübbes Nachfolge: Subjektives Dingens
@ stooomph
Ihr BUMMS ist ein subjektives Dingens. Was bei Ihnen BUMMS macht, führt bei anderen womöglich zu Schläfrigkeit. Und umgekehrt. Kann gut sein. Muss aber nicht.
Enrico Lübbes Nachfolge: Härten für die Nachfolger
Warten Sie ab, wer Lübbes Nachfolge überhaupt will. Sachsen ist nun mal auch Sachsen. Auch Leipzig hat viele Baustellen. Die Kulturdezernentin hat die Intendantin des TDJW vergrault, aus heiterem Himmel den Opernintendanten gekündigt. Das Gewandhaus sucht eine neue Leitung, euro-scene wackelt, Dok-Filmchef geht wegen Anfeindungen. Sparmaßnahmen in Millionenhöhe kommen auf die Kultur zu!
Lübbe hat es im LIZ-Interview richtig gesagt. Das Haus hatte immer einen schweren Stand in der Musikstadt Leipzig und ist nun sehr, sehr erfolgreich in der Stadt. Der hat das gut gemacht. Wer will das Fortsetzen und daran gemessen werden...?
Enrico Lübbes Nachfolge: Wunsch an die Nachfolge
@#11 Richtig! Wir wollen in Leipzig die Nachfolgeintendanz sehen, die Autor:innen wir Wolfram Höll, Ferdinand Schmalz, Sarah Kilter, Lukas Rietzschel, Katja Brunner, Raphaela Bardutzki, Emre Akal, Thomas Köck und viele Weitere entweder entdeckt oder gefördert hat und Dauergast bei den Mülheimer "Stücke" war.
Enrico Lübbes Nachfolge: Deswegen anders
#11 deswegen: anders.als.lübbe.
sprich: wieder mehr innovation, mehr kontroverse, mehr mut, theater weiterzuentwickeln.
warum nicht ein intendanten-team? ja, wer weiß, was kommt. aber ein stadttheater mit strahlwirkung war es MMN unter lübbe nicht.
für mich und auch andere theaterfreunde kann es nur besser werden.
Enrico Lübbes Nachfolge: Volle Ränge, Biedermeier, Disko
Ich kann mich vielen Vorgängerkommentaren anschließen. Als Leipziger bin ich froh, ein Theater zu haben, dass nicht wie andernorts die Ränge leerspielt. Andererseits muss man wirklich sagen, dass es in letzter Zeit neben viel Biedermeiertheater nur noch selten spannende Inszenierungen oder Formate gab, nur die DISKOTHEK hatte den ein odere anderen Lichtblick.
Dass hier niemand über die Aufreger um die Nichtverlängerungen vor ein paar Jahren spricht, wundert mich außerdem.
Der nächsten Intendanz wünsche ich viel Glück dabei, mit dem Schauspiel den nächsten Schritt zu wagen und sehe dabei kein Weder-Noch wie @Lipsius: Eine 'effiziente' Leitung kann und muss doch trotzdem offensichtliche Probleme angehen wie die mangelnde Diversität hinter und auf der Bühne- Dass es keine einzige Person auf Color im Ensemble gibt, ist schlicht nicht mehr zeitgemäß und gerade ein Grund, warum sich nicht mehr Personengruppen dem Theater zuwenden.
Enrico Lübbes Nachfolge: Kindisch
Was ist denn hier los? Mein Gott, kriegt Euch mal ein. Diese Schattengefechte sind ja lächerlich, und es geht der einen Gruppe nur darum, irgendwen mieszumachen, der anderen dagegen, ihn hochzuloben. Keinem hier geht es wirklich um die Zukunft des Hauses. Kindisch.
Enrico Lübbes Nachfolge: Vielleicht ein Team
@Marble
Wie entsteht denn der Eindruck bei Ihnen? Aus meiner Sicht wird hier doch gerade sehr kontrovers diskutiert. Und es ist doch toll, dass hier sehr viele Leute Ihre Gedanken teilen, oder nicht?
@Caliguri - in Kommentar 7 wurde der Skandal um die Nichtverlängerung bereits erwähnt. Ansonsten teile ich Ihre Eindrücke komplett. Vielleicht ist ein Team tatsächlich interessant und könnte die verschiedenen Sehnsüchte besser verbinden als es eine Person alleine schaffen könnte.
Enrico Lübbes Nachfolge: Nachfolge
Leipzig könnte die Nachfolge Lübbes als Chance nutzen endlich junge, talentierte, weitsichtige Konzepte und Führungspersönlichkeiten als Intendanz zu benennen. Viele Regiesseur innen durften das Haus schon kennenlernen und haben eigene Erfolge gefeiert. Es wäre wünschenswert Künstler innen, die die Stadt und das Haus kennen als Nachfolge zu sehen: Marco Damghani, Emre Akal, Elsa-Sophie Jach...
Enrico Lübbes Nachfolge: An der Reihe
Team schön und gut. Die Frage ist, ob die höheren Instanzen die Bereitschaft haben, die Verantwortung einem Team zu übertragen. Definitiv wäre aber mal eine weibliche Intendanz an der Reihe.
Kommentar schreiben