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Erster Tarifabschluss für Gäste an deutschen Bühnen

7. März 2025. Die Künstler*innengewerkschaften Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA), Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles e.V. (VdO) und Bundesverband Schauspiel (BFFS) schließen mit dem Deutschen Bühnenverein erstmals einen Tarifvertrag für abhängig beschäftigte Gäste ab, wie der BFFS mitteilt.

"Der nun erreichte Tarifabschluss enthält wichtige Regelungen zur dringend gebotenen sozialen Absicherung gastierender Künstler:innen", heißt es in der Pressemitteilung. "Dies betrifft insbesondere Regelungen zu Ausfallgagen, wenn vereinbarte Vorstellungen und Proben von Seiten der arbeitgebenden Bühne abgesagt werden, sowie Regelungen zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Gewährung von Urlaub und dessen Abgeltung. Der Tarifvertrag für gastierende Künstler:innen wird zum 1. Juni 2025 in Kraft treten."

(BFFS / chr)

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Kommentare  
Tarifabschluss Gäste: In drei Worten
Wow! Vielen Dank!
Tarifabschluss Gäste: Toll....aber
Ich finde die Arbeit, welche ihr leistet phantastisch. Leider ist es erst einmal immer begrenzt auf Spieler:innen, oder impliziert es auch Regiseur:innen, Bühne- und Kostüm:bildner:innen? Ich als Regisseurin habe überhaupt keine Sicherheiten. Jeder Vertrag ist einfach immer ohne jegliche Sicherheit. Ohne Schutz für mich als Gästin. Stücke werden teilweise jahrelang gespielt, aber da habe ich nichts davon, da ich kein Recht habe, an meinem Werk. Ne, noch schlimmer. Es gibt in dem Sinne keinen Werksbegriff. Bei uns Regisseur:innen kümmert es niemanden, ob wir genug Pause bekommen, wir unsere Arbeit gesund machen können. Es ist ein absolut ungesundes Business.
Tarifabschluss Gäste: Leider
@2 Claudia P.
Leider wird das nicht für freischaffende Kräfte gelten, denn Sie sind ja als Regisseurin in der Regel nicht abhängig am Haus beschäftigt, sondern schließen einen Werkvertrag ab. In der Tat sind meines Erachtens alle Freischaffenden hier die Gelackmeierten, weil bei denen aktiv das Geld für die Tariferhöhungen eingespart wird.
Tarifabschluss Gäste: Dilemma
@Claudia P.
Dilemma... Machen Sie eine erfolgreiche Inszenierung die die Zuschauer anlockt braucht es weniger Inszenierungen, weil das Stück länger gespielt werden kann und Ressourcen schont.
Mittelmäßiges Theater ist also das Beste für Gäste, da wieder neue (mittelmäßige) Inszenierungen gebraucht werden die dann wieder ersetzt werden müssen, weil die Auslastung nicht stimmt.
(Die Deppen dabei sind hier leider die Darstellenden, weil die immer wieder neue mittelmäßige Inszenierungen einstudieren müssen)
Ich würde eine Prämienzahlung für jede Vorstellung, die auf Grund des Erfolges zusätzlich gespielt wird,
an die Regie befürworten.
Oder ist das schon wieder zu sehr FDP ?
Tarifabschluss Gäste: Stets und ständig
@martha Mit den Worten mittelmässig und erfolgreich mag ich hier gar nicht so rumschmeissen. Und mittelmässiges Theater ist das Beste für Gäste? Nein, so einfach ist es dann nicht. Seltsame Mussmassung.
Ich verstehe die Logik, welche sie hier aufführen nicht.
So funkioniert der heutige Theaterbetrieb an z.b. grossen und mittelgrossen Häusern nicht. Auch wenn etwas extrem gut ausgelastet ist, wird neu produziert. Stets und ständig.
Und es wäre eben richtig nicht nur den "erfolgreichen" Schaffenden Geld zu garantieren, sondern wenn ein Stück gespielt wird, verdienen Regiepersonen oder die komplette Leitungsrunde des Stückes nichts mehr. Einzig die Musiker:innen können eventuell ein Groschen an Tantiemen verdienen.
Tarifabschluss Gäste: Andere Interessen
Liebe GDBA und liebe Kommentatoren und Kommentatorinnen,
Ich hab da mal ne Frage: Handelt es sich bei dieser Gewerkschaft ausschließlich um die Interessensvertretung der Spielenden? So nämlich klingt das, denn bis auf die Interessen von Schauspielern und Schauspielerinnen wird hier nur sporadisch bis hin zu gar nicht auf andere Interessen Rücksicht genommen, was ich unglaublich fragwürdig, soziologisch betrachtet absolut verwerflich und politisch bar jeder Vernunft empfinde…
Mein Aufruf an dieser Stelle: alle RegieMenschen, alle Kostüm- und BühnenbildnerInnen und alle Musikerinnen - alle, die nicht spielen, aber fürs Theater arbeiten sollten tunlichst und schleunigst aufhören die GDBA zu Supporten oder Teil ihrer zu sein und das Geld für was Besseres lieber sparen oder ausgeben..,
Tarifabschluss Gäste: Wegwerfgesellschaft
Eben, es wird stets und ständig neu produziert. Auch wenn die Auslastung stimmt...Weg damit !!!
Platz für Neues !!! Mit Nachhaltigkeit und Wertschöpfung hat das nichts zu tun, sondern eher mit Wegwerfgesellschaft.
Anstatt erfolgreiche Inszenierungen über Jahre laufen zu lassen oder auch auf Gastspiele zu schicken und das Regieteam daran finanziell zu beteiligen wird weggeschmissen und neuproduziert als gäbe es kein Morgen. Ja und das bringt dann leider auch viel Mittelmaß....
Tarifabschluss Gäste: NV Bechäftigte
Die GDBA setzt sich für NV Beschäftigte ein. Das sind mitnichten nur Schauspielende, sondern natürlich auch Tänzer/Sänger*innen, Beschäftigte in Büro (Dramaturgie, KBB etc.), Inspizienz, Maske, festangestellte Ausstatter und Ausstattungsassistent*innen, als auch Regieassistent*innen und Soufflage, selbst in der Technik finden sich Beschäftige mit dem Tarifvertrag NV.


Für Gäste wie Regie, Bühnen- und Kostümbild gibt es Werkverträge und bisher keinen Tarfvertrag NV.
Tarifabschluß Gäste: Warum Neuproduktionen
Liebe Gruppe,

dass die Stadttheater immer neu produzieren, obwohl Inszenierungen gut laufen, liegt daran, dass diese Häuser ein Abo-Publikum haben, welches (man nennt es auch „Anrecht-Publikum“) eben das Anrecht darauf erwerben, in jeder Spielzeit 8-10 neue Produktionen zu sehen zu bekommen.
Dass erfolgreich laufende Produktionen dennoch abgespielt werden, liegt oft an den Lagerkapazitäten der Bühnenbilder, die nun einmal begrenzt sind. Außerdem bleibt wenig Zeit, die Stücke wieder hochzuholen.
Dass ein Abo-Publikum als Säule wichtig ist (auch, weil Theaterleitungen an Abozahlen gemessen werden) möchte ich dadurch nicht kleinreden – doch es ist eben der Umstand, weshalb immer wieder neu produziert werden muss.

Bundesweit ist das Abo-System rückläufig – es wird immer wieder über neue Konzepte nachgedacht, um diesen Umstand zu ändern, aber es ist noch nicht soweit.

@Claudia P.: Ich wäre auch sehr dafür, etwas einzurichten für Regie-Teams, das ähnlich funktioniert wie bei Verlagsverträgen: Für jede zusätzliche Spielzeit, in welcher eine Produktion im Spielplan gehalten wird, erhält das Regie-Team eine zusätzliche Auszahlung/Prämie.
Tarifabschluss Gäste: Mandat
@2
Hm. Die GDBA vertritt die abhängig beschäftigten Künstler*innen. Sie hat gar kein Mandat um über die Arbeitsbedingungen von Freiberufler*innen zu verhandeln.

Sie stellen außerdem die Frage, warum die Mitglieder der Inszenierungsteams nicht am Erfolg einer Inszenierung partizipieren? Also wieso sie nicht (wie z.B. die Autor*innen) Tantiemen erhalten?
Die Frage hat zwei Antworten:
1. Weil Sie und Ihre Kolleg*innen es nicht in Ihre Verträge verhandelt haben. Ein Standard-Vertrag für Regie oder Bühnenbild enthält Klauseln, die die notwendigen Rechte für die Aufführungen an die Theater übertragen. Ein Teil Gage dient zur Rechteabgeltung. (Dieser Teil wird übrigens von den Theatern auch ausgewiesen, wenn sie werkschaffende Künstler*innen aus dem Ausland engagieren).
Natürlich könnte man das auch anders regeln, aber dann würde sicherlich die Grundgage sinken.
(Das ist bei Theatermusiker*innen schon jetzt der Fall: GEMA).
2. Weil Sie und Ihre Kolleg*innen nicht das wirtschaftliche Risiko der Inszenierungen tragen und auch nicht die personellen, finanziellen und sonstigen Ressourcen zur Verfügung stellen, die notwendig sind, um die Produktion Ihrer Inszenierungen zu ermöglichen.
Tarifabschluss Gäste: An der Zeit
@Leitungsmitglied
Danke für den Hinweis.
Wäre es aber nicht an der Zeit das ganze Abosystem im Sinne der Nachhaltigkeit dann abzuschaffen und wirklich darauf zu vertrauen das Theater einen Stellenwert in der Gesellschaft besitzt ?
Es würde die alten "Theaterschiffe" wesentlich flexibler machen.
Ein Stück könnte auch mal nach einer Vorstellung abgespielt sein und ein anderes dafür Jahre laufen und vor allen Dingen würde man eine breitere Zuschauerschicht ins Theater bekommen.
Tarifabschluss Gäste: Theater abschaffen?
An alle, die meinen, es müsse weniger Theater gemacht werden:

Weniger Produktionen = weniger Jobs - wollen wir das? Uns selber abschaffen? Inszenierungen ausschließlich an ihren Zuschauer*innenzahlen messen? Das bedeutet: mehr musikalische Produktionen, Events und Klassiker, weniger Diversität, weniger Randständiges? Die bösen Bühnenbilder und Kostüme nicht mehr produzieren, weil "nicht nachhaltig"? Wollen wir gegen die Kulturkürzungen, die übrigens schon jetzt bei vielen Künstler*innen ankommen, protestieren, demonstrieren und gleichzeitig fordern, dass weniger produziert wird?

Es wird dann am Ende keine GDBA mehr brauchen, weil kaum jemand noch vertreten werden muss. Sicher ist das Stadttheatersystem reformbedürftig (und für Reformen setzt sich die GDBA ja ein!!), aber wenn die erste Forderung ist, weniger Theater machen zu wollen, dann können wir auch gleich einpacken.
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