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Gewerkschaften GDBA und BFFS kündigen den NV Bühne
Knackpunkt Arbeitszeit
18. Juni 2024. Der Hauptvorstand der GDBA (Bühnengewerkschaft) und der Vorstand des BFFS (Bundesverband Schauspiel) haben beschlossen, den Tarifvertrag Normalvertrag NV Bühne zum 31. Dezember zu kündigen. Das gaben beide Gewerkschaften bekannt. Ziel sei es, einen verbesserten Tarifvertrag zu erzielen. Die Kündigung muss gegenüber dem Deutschen Bühnenverein bis 30. Juni erfolgen.
In einer GDBA-Mitteilung an die Mitglieder heißt es: "Wir wollen den NV Bühne reformieren, denn er enthält mitunter Regelungen, die seit 1924 bestehen, also 100 Jahre alt sind – das reicht!". Über die tariflichen Arbeitszeitregelungen haben die Künstler*innen-Gewerkschaften GDBA, BFFS und VdO bereits im vergangenen Jahr intensiv mit dem Bühnenverein verhandelt. Vor einem Jahr wurde das Scheitern bekannt. Die Kündigung des NV Bühne, der für die künstlerischen Mitarbeiter:innen und auch überwiegend künstlerisch tätige Bühnentechniker:innen gilt, ist immer nur einmal im Jahr bis Ende Juni möglich.
Die VdO (Vereinigung deutscher Opern- und Tanzensembles) beteilige sich allerdings nicht an der Kündigung. "Das schwächt unsere strategische Partnerschaft nicht und eröffnet für die weiteren Verhandlungen unterschiedliche Handlungsoptionen", heißt es in der Mitteilung. Am 3. Juli wolle man in einem Mitglieder-Meeting über das weitere Vorgehen informieren. Bis es zu einem neuen Tarifvertrag kommt, gelte ab dem neuen Jahr die sogenannte Nachwirkung. Heißt, für Mitglieder gelten die Regelungen des NV Bühne erst einmal weiter. Für Nicht-Mitglieder und VdO-Gewerkschaftsmitglieder gibt es von Seiten der Theater noch andere Handlungsoptionen.
Weitere Verhandlungen im Hintergrund
Neben der Reform des NV Bühne Reform haben die drei Gewerkschaften zuletzt auch über einen Tarifvertrag für abhängig beschäftigte Gäste verhandelt. Eigentlich sei man sich über einen Teilabschluss mit dem Bühnenverein bereits einig gewesen. "Strittig war nur noch die Frage, ob die Gäste bereits ab der kommenden Spielzeit von dieser Regelung profitieren sollen", heißt es, "Ein letzter Verhandlungstermin vor der Sommerpause wurde jetzt vom Deutschen Bühnenverein abgesagt, ohne einen Ersatztermin anzubieten."
Der Deutsche Bühnenverein hat sich noch nicht offiziell geäußert, aber heute in einem Schreiben an die Theater samt FAQ die Situation eingeordnet.
(GDBA.de / BFFS.de / VdO.de / Deutscher Bühnenverein / sik)
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SOFORT GEWERKSCHAFTSMITGLUED WERDEN
Ich bin ein wenig ratlos, und kann mir nicht erklären, warum sich die GDBA und der BFFS in eine Position bringen, in der sie nicht mehr über den NV-Bühne verhandeln.
Wenn sie den NV-Bühne kündigen, ist er nicht weg , sondern wirkt für alle aktuellen Beschäftigten ohne Veränderung oder Reform nach. (Ach so, nur das mit den automatischen Tariferhöhungen analog zum TVÖD oder TVL funktioniert nicht mehr…)
Oder wollen sie einen Streik vorbereiten??
Coole Idee, wirklich. Dann fallen Vorstellungen aus und vielleicht müssen Produktionen abgesagt werden (was für ein Schocker), nur leider zählt ein Streik zur höheren Gewalt und es gibt keine Verpflichtung für die Theater den Gästen eine Vergütung für den Ausfall zu zahlen.
Also zusammengefasst:
Es ändert sich durch die Kündigung an den Arbeitsbedingungen nix, es besteht die Gefahr, dass es für die NV-Beschäftigten und für die Gäste finanziell schlechter wird.
Falls jemand den Sinn hinter diesem Plan der Gewerkschaften versteht, würde ich mich über eine Info freuen.
PS: Die GDBA hat in den vergangenen Jahren eine super Arbeit gemacht. Es konnten substantielle Verbesserungen für die Arbeitnehmer*innen verhandelt werden (Vergütung, freie Tage, kein Ausschluss von Tariferhöhungen, vergütungsuntergrenze für Gäste …). Warum jetzt aufhören??
Was ist Kunst? Definieren Sie machen.
#Klaus M.
Laut EuGH fällt Streik nicht automatisch unter höherer Gewalt.
Aber das ist ja auch nur ein Nebenkriegsschauplatz (den ich aber selber aufgemacht habe)…
Haben Sie das schon gelesen #KlausM.?
Bühnenverein setzt die Verhandlungen Gast aus!
Interessant.
Ist es nicht so, dass man jetzt im Krankheitsfall gar nichts bekommt?
Es gibt zur Zeit über die einzelvertragliche Bezugnahme und die Gültigkeit von § 1a NV Bühne keinen Tarifvertrag für Gäste. Die Frage, in welchem Fall Sie als Gast (w/m/d) Entgelt erhalten oder nicht richtet sich aktuell nach (a) den einschlägigen Gesetzen (b) Ihrem konkreten Vertrag.
Daran hat sich durch das Aussetzen der Verhandlungen nichts geändert.
Ein Tarifvertrag für Gäste, der nach dem übereinstimmenden Wunsch aller Tarifvertragsparteien viele Regelungen des NV Bühne oder an diese angelehnte Regelungen enthalten soll, kann mit einem durch die GDBA und den BFFS mutmaßlich gekündigten NV Bühne nicht funktionieren.
Es handelt sich hierbei also um eine Folge der Tarifvertragskündigung durch die Gewerkschaften.
Schließlich geht es hier ja nicht die Deutsche Bahn, wo viele Menschen auch im Streikfall nun mal nicht oder nur schwer auf Reisen verzichten können. Da würde sich die Gesellschaft doch kaputtlachen, wenn sich das Theater kaputtstreikt…
Was bedeutet das nun? Vor allem zwei Dinge
1) Sollte sich am Kündigungszustand des Tarifvertrags nichts ändern, wird es keine verpflichtende tarifvertragliche Anpassung der Gagen mehr geben.
2) Durch den Wegfall dieser tariflichen Verpflichtung entfällt bei vielen Theatern auch die Grundlage im Binnenverhältnis zu ihren Trägern, eine Finanzierung für eine eventuelle freiwillige Anpassung der Gagen an die TVöD-Entwicklung zu erhalten. In den meisten Theatern ist das so geregelt, dass - wenn überhaupt - die Träger sich dazu verpflichten, nur tarifliche Steigerungen mitzutragen. Diese Theater werden also keine Mittel bekommen, um ggf. eine freiwillige, außertarifliche Anpassung der Gagen durchzuführen.
Im übrigen teile ich auch die Meinung der Vorredenden: Ein Streik an den Theatern ist der berühmte Sack Reis, der in China umfällt. Die breite Öffentlichkeit wird's nicht interessieren (die interessiert sich ja jetzt schon nicht für Theater), vermutlich nicht einmal merken und das bisschen Publikum, um das die Theater täglich neu kämpfen, wird's nur verärgern und zu erneutem Publikumsschwund führen, nachdem sich die Landschaft mal gerade so einigermaßen von den Pandemie-Auswirkungen erholt hat. Damit wird die Lobby kleiner, die Auslastungszahlen und die Einnahmen sinken, beides wesentliche Kennzahlen für die Gewährung zukünftiger Betriebsmittel und Zuschüsse. Und wer glaubt, dass die Theater in den Deutschen Rathäusern und Landesregierungen im Moment an oberster Stelle stehen, wenn es um die Verteilung der immer knappe werdenden öffentlichen Gelder geht, der soll bitte wirklich mal aufwachen.
Und ebenso nebenbei: Wenn der NV Bühne als Tarifvertrag gekündigt wird und nicht mehr angewendet werden muss, dann wären die einzigen verbindlichen Grundlagen für neuzugründende Arbeitsverhältnisse:
1) Mindestlohngesetz. Bei (im übrigen im tatsächlichen Anfall auch nachzuweisenden) 40 Stunden pro Woche wären das monatlich 2.160 €. Statt 2.915 bzw. 3.110 bisher.
2) Arbeitszeitgesetz: 6 Tage die Woche (statt bisher 5,5), bei regelmäßigen 48 Wochenstunden pro Woche, mit Ausgleich 60 Stunden pro Woche. Pausenanspruch nach 6 Stunden Arbeit: 30 Minuten. Nach 9 Stunden insgesamt 45 Minuten. Nix mehr mit 4 Stunden Ruhezeit zwischen Probe und Vorstellung...
3) Bundesurlaubsgesetz: 24 Werktage = 4 Wochen pro Jahr (bisher 6,5 Wochen)
Geil, GDBA und BFFS, das habt Ihr wirklich richtig gut gemacht!
Ihr schießt nicht nur selbst und Euren Mitgliedern ein ziemlich großes Loch ins Knie, als Kollateralschaden schießt ihr mit Eurem unreflektierten Rumgeballere auch noch die Kuh über den Haufen, von deren Milch hier alle leben. (...) verantwortungsloser geht's echt nicht!
@9 Danke für die ausführliche Darstellung der Folgen der Kündigung des NV-Bühne durch die Gewerkschaften.
Ich teile Ihre Einschätzung, dass das Vorgehen von GDBA und BFFS verantwortungslos ist. Und zudem eine wirklich schlechte Verhandlungsstrategie. Denn, die Gewerkschaften entfalten Wirkung IN Tarifverhandlungen und nicht außerhalb der Sozialpartnerschaft. Was erwarten sie denn vom Bühnenverein, wenn sie entscheiden, dass es an der Zeit ist, den NV-Bühne wieder in Kraft zu setzen?
Es ist außerdem schon ziemlich bezeichnend, dass die VdO den Tarifvertrag nicht kündigt…
Nebenbemerkung: was sagen eigentlich die Kolleg:innen der Gruppe Bühnentechnik dazu, dass sie von den negativen Folgen der Kündigung betroffen sein werden?
Nebenbemerkung2: kluger Schachzug vom Bühnenverein, seinen Vorschlag für die Arbeitszeitregelung für die Gruppe Solo zu veröffentlichen. Jetzt wissen wir also, dass es denkbar wäre, dass die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit um 4 Stunden und die spitzenbelastung um 14 Stunden reduziert werden könnte, wenn die Gewerkschaften verhandeln würden … Dass es verbindliche Wochenpläne geben könnte…
Spielen wir Ihr Szenario durch. Die Theater wissen, wer VdO Mitglied ist. Es gibt nun welche, die nach NV Bühne arbeiten, es gibt nun welche die nach Ihren skizzierten Grundlagen arbeiten sollen. Da werden die KBB's aber merklich aufgestockt werden müssen, die Assistent:en noch länger malochen, um Probenpläne zu erstellen.
Publikumschwund gibt es schon jetzt zu beobachten. Was sind die Gründe dafür?
Also schön den Mund halten, die dürfen ja Kunst machen, Hobby als Beruf. Und wenn die was fordern, dann wird mit Untergang gedroht.
Erinnern Sie sich an die Reaktionen auf die Erhöhung der Mindestgage aufgrund der Grundlage des Mindestlohns?
Sie missverstehen uns. Niemand hier, der die Entscheidung der Gewerkschaften, den NV-Bühne zu kündigen, kritisiert, behauptet (bis jetzt), dass der NV-Bühne nicht reformiert werden müsse. Ganz im Gegenteil. Vielmehr richtet sich Kritik speziell dagegen, dass die Kündigung zunächst die Situation der Beschäftigten zu verschlechtern droht und die Gewerkschaften eben keinen regulären Platz mehr haben, von dem sie über eine Reform verhandeln können.
Ich jedenfalls will starke Bühnengewerkschaften, die für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Bühnen kämpfen. Und das gern auch laut und heftig.. — Aber meines Erachtens sollte dieser Kampf vor allem in Tarifverhandlungen geführt werden.
Hier hat auch keiner mit Untergang gedroht, nur angezweifelt, dass ein eventueller Streik eine ausreichende Wirkung erzielen wird, die den Bühnenverein zu weiteren Zugeständnissen zwingt. Und mir fällt beim besten Willen keine andere Begründung für die Kündigung ein, als die Ermöglichung eines Streiks (Ende der Friedenspflicht).
Wenn hier irgendjemandem eine bessere Begründung einfällt, bitte bitte bitte mitteilen.
(Ich finde übrigens es befremdlich, dass auf den Internetseiten von GDBA und BFFS nix zu finden ist.)
Zudem fehlt mir in der Debatte manchmal die größere Perspektive. Launisch formuliert: Wenn man die Berichterstattungen liest, könnte man ja den Eindruck bekommen, in jedem deutschen Stadttheater ginge es zu wie in einer Fabrik Anfang des 20. Jahrhunderts. Dass an vielen Orten und zu bestimmten Zeiten überproduziert wird und Arbeitsschutzgesetze nicht eingehalten werden, ist richtig, und muss gesetzlich reguliert werden (bzw. kontrolliert). Aber das ist doch wirklich absolut nicht die Regel. Zugegeben hatte ich das Glück, bisher hauptsächlich an größeren und großen Theatern arbeiten zu können, und auch dort wird streckenweise viel bis zu viel gearbeitet, aber zur Wahrheit gehört doch auch, dass aufgrund größerer Ensembles die Leute teilweise wochenlang (proben)frei haben – oder sogar nur drei-Stücke-Verträge – und trotzdem mit fünf-, sechs-, siebentausend im Monat nach Hause gehen. Und dann sechs Wochen Sommerferien. In welchem Angestelltenberuf hat man sowas denn sonst? Zudem ist mein Eindruck, dass innerhalb der einzelnen Produktionen (und unabhängig des gesetzlichen Rahmens) sehr oft auf individuelle Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, wenig(er) geteilt geprobt wird, kaum Samstagsproben etc. Was natürlich sicherlich ebenfalls ein Verdienst von GDBA und Ensemblenetzwerk ist, dafür ein Bewusstsein geschaffen zu haben.
https://m.youtube.com/watch?v=gTRBjl8NxXk
Nach dem jahrzehntelangen Stillstand hat die GDBA einige wichtige Dinge erreicht. Trotzdem sind viele Häuser/Intendanzen nach wie vor Gutshöfe, vlt. besser gelaunt, aber nachwievor Kurhöfe. Wenn die Gewerkschaft einen solchen Schritt setzt, wird sie das aus gutem Grund tun. (...)