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Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis für Vegard Vinge/Ida Müller
Prägendes Theater- und Bühnenbildduo: Vegard Vinge und Ida Müller © Per Heimly
29. Januar 2025. Der Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis 2025 geht an das norwegisch-deutsche Künstlerduo Vegard Vinge und Ida Müller, teilt das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur mit. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre von der Hein-Heckroth-Gesellschaft Gießen e.V. verliehen.
Nominierung durch Ulrich Rasche
Nach den Regeln des Preises wurden Vinge und Müller vom vorherigen Preisträger vorgeschlagen, in diesem Falle vom Regisseur und Bühnenbildner Ulrich Rasche. Er begründet seine Wahl folgendermaßen: "Obwohl Vegard Vinge und Ida Müller nur wenige Inszenierungen im deutschsprachigen Theater gemacht haben und ihre letzte Arbeit 'Nationaltheater Reinickendorf' als eine Produktion der Berliner Festspiele schon vor sieben Jahren stattgefunden hat, ist ihre radikale Ästhetik an vielen Theaterhäusern weiterhin präsent. So wirkungsvoll und einmalig war ihr damaliger kurzer Auftritt in Berlin, dass sich eine ganze Generation junger Regisseur*innen an ihre ästhetischen Fersen heftete und diese bis heute verfeinert und fortführt. Vinge und Müller vergruben sich über Monate in eigens für sie bereitgestellte Gebäude wie den Prater als Nebenspielstätte der Berliner Volksbühne, probten dort Tag und Nacht und verwandelten zuvor bekannte Räume in eine Welt, die sich später als pop-psychedelisches Gesamtkunstwerk öffnete. Einen solchen revolutionären Kunstwillen hat es seit dieser Zeit nicht mehr gegeben."
Vegard Vinge und Ida Müller kreieren seit fast 20 Jahren einzigartige Aktionsräume, die Raum, Wort, Licht und Klang gesamtkunstwerkhaft synthetisieren. Ihr Theaterschaffen konzentriert sich auf das Werk des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen und verschmilzt es mit diversen kanonischen wie popkulturellen Bezugssystemen. Mit "John Gabriel Borkman", herausgekommen an der Berliner Volksbühne 2011, und "Nationaltheater Reinickendorf", produziert von den Berliner Festspielen 2017, waren Vinge/Müller jeweils zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Zur Saisoneröffnung 2025/26 an der Volksbühne Berlin planen sie eine Neuinszenierung von Ibsens "Peer Gynt". Die angebahnte Übernahme der Interimsintendanz an der Volksbühne zerschlug sich jüngst an finanziellen Fragen. Vinge und Müller leben in Oslo.
Förderpreis für Hanna Rode
Für den mit 5.000 Euro dotierten Hein-Heckroth-Förderpreis, den die Stadt Gießen stiftet, haben Vegard Vinge und Ida Müller die Bühnen- und Kostümbildnerin Hanna Rode nominiert. Hanna Rode, geboren 1991, studierte Freie Kunst in der Bühnen- und Kostümbildklasse an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Ihre Engagements führten sie unter anderem an die Deutsche Oper Berlin, das Schauspiel Hannover, das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg, das Münchner Volkstheater, das Landestheater Linz und das Schauspiel Wuppertal. Rode ist Co-Autorin und Kostümbildnerin des Films "Kontener" (Regie: Sebastian Lang), der 2017 auf der Berlinale Premiere feierte und 2018 für den Europäischen Filmpreis nominiert war. Rode richtet ihre Aufmerksamkeit besonders auf Puppen und Masken, die sie oftmals nicht nur entwirft, sondern für ihre Theater-, Film- und Videoprojekte selbst herstellt.
Der Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis und der dazugehörige Förderpreis werden seit 2003 alle zwei Jahre verliehen. Ausgezeichnet werden Bühnenbildnerinnen und Bühnenbildner, die in ihre Arbeiten die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst kreativ einfließen lassen – ganz im Sinn des aus Gießen stammenden Malers, Bühnenbildners und Oscar-Preisträgers Hein Heckroth (1901–1970). Bisherige Trägerinnen und Träger des Hauptpreises waren beispielsweise Achim Freyer, Robert Wilson, Christoph Schlingensief, Bert Neumann (hier die Laudatio von René Pollesch), Katrin Brack und Anna Viebrock. Die Preisverleihung an Vinge/Müller findet am 27. April 2025 im Stadttheater Gießen statt.
(Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur / chr)
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