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Kiel: Nachwuchsdramatik-Preis für Simone Saftig
Dramatikerin Simone Saftig © Eva Marschall
14. Juni 2024. Die Dramatikerin Simone Saftig gewinnt mit ihrem Stück "Modern Mermates" den Kieler Nachwuchsdramatiker*innen-Preis "Textflimmern". Der Preis ist mit 7000 Euro dotiert und wird erstmalig vom Theater Kiel und dem Literaturhaus Schleswig-Holstein verliehen. Er wird ermöglicht durch den dem Theater Kiel verliehenen Kulturpreis der Berenberg Bank Stiftung von 1990. Die Auszeichnung ist mit einer Uraufführung im Studio des Theaters Kiel verbunden, wie das Kieler Haus in seiner Presseaussendung mitteilt.
Saftigs Stückexposé wurde aus über 50 Einsendungen zum Wettbewerbsthema "Klimawandel" aus gewählt. Der Jury gehörten die Dramatikerin Caren Jeß, Britta Lange (Literaturhaus Schleswig-Holstein), Ruth Bender (Kieler Nachrichten) sowie Tristan Benzmüller und Jens Paulsen (Theater Kiel) an.
In "Modern Mermates" haben zwei Meerjungfrauen die mit ihnen verbundenen Rollenzuweisungen und -klischees ebenso satt wie die Verschmutzung der Meere, klagen die Menschheit an und werden nach dem Scheitern des Gerichtsprozesses zu – leider ebenso erfolglosen – Ökoterroristinnen. "Simone Saftigs Mermates sind die dramatische Fusion aus Mythologie und Popkultur. Dieser Text strotzt vor Humor und überzeugt vor allem durch etwas, was wir uns normalerweise vom Publikum wünschen: Neugierde", schreibt Caren Jeß in der Begründung der Jury.
Simone Saftig, 1993 in Dortmund geboren, arbeitet als Literaturwissenschaftlerin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, als Kulturjournalistin und freie Autorin. 2019 erhielt sie für ihre Kurzgeschichte "Raufaserblues" den "LesArt. Preis der jungen Literatur". Ihr Debütstück "Talent Pool" wurde im September 2023 in der Theaterfabrik Düsseldorf uraufgeführt. Im Herbst 2024 folgt ihr zweites Stück "brüh im lichte dieses glückes".
Der Kieler "Textflimmern"-Preis wird der Autorin am 14. Juli 2024 vom Generalintendanten des Kieler Theaters Daniel Karasek überreicht. Im Januar 2025 soll "Modern Mermates" in der Regie von Johannes Ender auf die Kieler Studiobühne kommen.
(Theater Kiel / chr)
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Währenddessen die "Kleine Meerjungfrau" aus Zürich in den Nachtkritik-Charts auf Platz 1 aufgetaucht ist, hatte (an diesem offenbar sehr produktiven ersten Premieren- Wochenende im Zeichen Wassermann) auch das Stück "Modern Mermates" von Simone Saftig im Studio des Kieler Schauspielhauses Premiere.
Ich würde es tatsächlich so zusammenfassen, wie ich in "Betreff" titelte: "Ein Mythos: Realnische 0, nun auch in Kiel" und kann somit den Besuch des etwa einstündigen Abends nur wärmstens empfehlen.
Tatsächlich könnte ich mir diese Inszenierung hervorragend im Reigen der "Realnische 0-Inszenierungen" des Deutschen Schauspielhauses Hamburg vorstellen, ja, beinahe sollte man "Gesetze Schreddern" von Kevin Rittberger und "Modern Mermates" von Simone Saftig als Doppelabend ins Auge fassen beziehungsweise möglichst nah beieinander sich zu Gemüte führen.
Der Abend schickt den Inbegriff unserer gesammelten Vorstellungen von Nixen, Meerjungfrauen, Nymphen, Sirenen und Nereiden nämlich direkt auf die Müllhalde und somit der drohenden Realnische 0. Was daraus wird, ist ein überzeugender, humorvoller und zugleich problembewußter Blick auf das, was menschliche Errungenschaften im besten und im schlechtesten Falle sind und läßt das anhand der Meeresverschmutzungsproblematik heiter aufeinanderprallen ! Spielfreude pur beim starken Schauspielerrinnengespann der Uraufführung !!
herzlichen Dank für Ihren Kommentar zu Mermates. Ein Stück und eine Inszenierung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Idee es mit Gesetze schreddern erscheint mir sehr reizvoll zu sein.
Gruß Reiner
Wer sich über das Stück "Modern Mermates" informieren möchte beziehungsweise es sogar lesen, hat dazu allerlei Gelegenheit. Einerseits ist es (samt Interview mit der Autorin Simone Saftig) in der Februarausgabe der "Theater der Zeit" des laufenden Jahres als Stückabdruck auffindbar, andererseits gibt
es bereits Besprechungen durch den NDR (NDR- Kultur :Jens Zacharias berichtet unter dem Titel "Meerjungfrauen im Kampf gegen die Meerverschmutzung" von einem "preisgekrönten Stück voller Energie und Witz" und einer "energiegeladenen Premiere", von der Tonmitschnittbeispiele aus der Uraufführung am 26.1.2025 sowie erste ZuschauerInnenreaktionen danach geboten werden) und die Kieler Nachrichten vom 29.1.2025 (Ruth Bender schreibt dort unter dem Titel "Launische Nixen auf dem Müllberg" ua. von einem letztendlich lohnenden wie unterhaltsamen Diskurs und einer bildstarken Inszenierung).
Tatsächlich muß an dieser Stelle ganz gewiß sowohl die Leistung der Regie Johannes Enders hervorgehoben werden wie die jeweiligen spielfreudigen Umsetzungen der Vorlage durch Tiffany Köberich, Isabel Baumert und Yvonne Ruprecht es müssen, denn einfach ist es nicht, aus einer gewissen textlichen und raum-zeitlichen Enge heraus erheblich mehr zu erspielen als der bloße Text herzugeben in der Lage ist beziehungsweise Vorgaben im Text einzulösen (wie bringe ich ein Kreuzfahrtschiff auf die Bühne ??), ja: "schlicht" - zu berühren ! Und das gelingt, ähnlich im übrigen wie es eben Ute Hannig und Samuel Weiss im "Referenzabend: "Gesetze schreddern"" eben auch gelingt; Ute Hannigs Gesprächspartnerin, die Pottwaldame Puya, könnte sich geradezu lückenlos in die Beweiskette eingliedern, welche der Delphin Dirk und die beiden Mermates zur Anklage gegen einen Hotelmogul an der Ostseeküste gerichtlich vorhalten, um (eben vor Gericht) damit kläglich und beklagenswert zu scheitern. Die Fähigkeit des Menschen zur Mythologie und die Befähigung, sich in etwa auf dem Weg zu einem ökologischen Grundgesetz zu machen, können diese einander denn nicht befruchten, und sind diese denn nicht auch sehr verwandt ?? Gewiß werden wir wohl kaum den von mir herbeigesehnten regelrechten Doppelabend der besagten Stücke erleben, aber, wie gesagt, recht zeitnah hintereinander auf eine Theateragenda können sie ganz individuell gesetzt werden; in vielen Fällen dürfte eine solche Entscheidung für regelrechte Bühnenausflüge, ob sie nun nach Rendsburg, Kiel, Lübeck und/oder Hamburg führen mögen, mittlerweile durch das Deutschlandticket gepusht werden !
Ach ja, geradezu glänzend umgesetzt fand ich die Dialoge von Harry und Laury, den verfettet-unbeweglichen Vernutzungstouristen, durch das "FU-RUFT-UTA-UTA-RUFT-FU"- Strumpfpuppenspiel !
Genauer gesagt, zunächst werden diese beiden Rollenbesetzungen gleichsam einkassiert und auf die beiden bestrumpften Hände Yvonne Ruprechts reduziert, dann erfolgt als Kommentar und Vertiefung im Spiel sogar noch eine weitere Verknappung der Mittel bzw. Ressourceneinsparung: erst die Strumpfpuppe, dann nur noch die Fingerstrumpfpuppe, dann nur noch der Dialog mit bloßen Fingern, womit eben nebenbei auch positiv die Frage der Thetis beantwortet wird, wozu das Ganze mit diesen zehn lächerlichen Fingern gut sein soll: dazu zum Beispiel. So wie die Mythologie eben auch von den Füßlern kommt und Thetis wie Amphinome tatsächlich bis nahe an den zerstörerischen Höhepunkt ihres Sirenengesanges gelangen ! Ja, für mich ging es dann vom Sirenengesang zum Bocksgesang zum Chorgesang ("Ursina" bei der gestrigen Derniere der "Langen Nacht der Weltreligionen" im Thalia Theater Hamburg), und erwidere gerne an dieser Stelle (Stadtbücherei Kiel) die herzlichen Grüße !!
"Arkadij" (Mario)