meldung
Breivik-Pamphlet soll Theatermonolog werden
Die Rolle der Kunst
21. Januar 2012. Meldungen verschiedener Medien zufolge plant der dänische Dramatiker Christian Lollike, Passagen des 1500-Seiten-Pamphlets zu einem Theatermonolog zu verarbeiten, das der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik im vergangenen Sommer per Email verbreitet hatte, bevor er aus Fremdenhass in Oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen ermordete.
Man müsse in die Gedankenwelt Breiviks eindringen, um einer Wiederholung der Tragödie vorzubeugen, sagte der 1973 geborene Lollike am Donnerstag der linksliberalen Kopenhagener Tageszeitung "Politiken" (hier der Link zu dem Artikel), einer der drei großen Zeitungen des Landes. Breiviks Bluttat entstamme einer Gedankenwelt, die in der Gesellschaft weit verbreitet sei. "Eben das ist ja das Erschreckende." Lollike will den "Manifest 2083" überschriebenen Text am 23. August mit dem Schauspieler Olaf Højgaard im kleinen Kopenhagener "Cafe Theater" uraufführen, dessen Künstlerischer Leiter er ist. Højgaard ist ein populärer dänischer Hamletdarsteller.
Lollikes Pläne haben in Dänemark und besonders in Norwegen zu Protesten geführt, wo Angehörige der Opfer die Aufführung verhindern wollen. Breiviks Ziel sei es gewesen, die Botschaft seines Manifests zu verbreiten, so Erik Ulfsby, Direktor des Norske Teaters in Oslo, der Tageszeitung Politiken gegenüber. Deshalb habe er er all diese Menschen getötet. "Wer die Aufmerksamkeit für das Manifest nun noch weiter erhöht, tanzt wie ein nützlicher Idiot nach Breiviks Pfeife."
Er wolle versuchen, das Menschliche im Unmenschlichen zu zeigen und das Unmenschliche im Menschlichen, verteidigt Lollike seinen Plan. Das schließlich sei die Rolle der Kunst. "Wir wollen zeigen, wie aus einem normal funktionierenden Menschen eine Person wird, die sich freiwillig isoliert und radikalisiert, sich Waffen und Sprengstoff beschafft. Wir glauben an unser eigenes Medium, das Theater." Auch betrachte er es als demokratische Verpflichtung, gerade dem muslimischen Teil der Bevölkerung gegenüber, zu untersuchen, woher dieser Rechtsradikalismus und Fremdenhass komme. "Wir sind überzeugt, Breiviks wahnsinnige Kurzschlüsse so darstellen zu können, dass es eine abschreckende Wirkung haben wird."
Ragnar Eikeland, der seinen 21-jährigen Sohn bei dem Massaker am 22. Juli 2011 auf der Insel Utoya verlor, sagte als Sprecher der norwegischen Gegner des Aufführungsprojekts: "Das ist so verletzend, dass mir die Sprache versagt. Es wird eine zusätzliche Belastung für uns Angehörige sein, zu wissen, dass ein Schauspieler das alles noch einmal ausagieren darf, während Breivik vor Gericht bereits der Prozess gemacht wird."
(Politiken / sle)
mehr meldungen
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne
neueste kommentare >
-
Thyra Uhde Tiefstes Mitgefühl
-
Wokey Wokey, München Virtiosität schlägt Inhalt
-
Frauenliebe und - sterben, Hamburg Leichte Irritation
-
Nach dem Leben, Nürnberg Empfehlung
-
Die Quelle, Wien Claquere unterwegs
-
Leser*innenkritik Black Rider, SHL Flensburg
-
Burn, Baby, Burn!, Hannover Sagenhaft gut
-
Die Quelle, Wien Bitte weitermachen
-
Fräulein Else, Wien Danke!
-
Über die Notwendigkeit, ... , Wiesbaden Super Abend


ich glaube es nicht.
auch wenn der mörder nicht krank sein sollte, seine denke, sein herz sind krankhaft.
das beste wäre, würde es lollike schaffen, ausgehend von solch konkretem material eine abstraktere fortschreibung zu entwickeln, die sich emanzipiert vom ausgangspunkt, aber so nicht unfreiwillig dem mörder und diesem manifest ein denkmal setzt.
Jemand gegenteiliger Meinung?
Oder etwa die, das "die Gesellschaft der eigentliche Schuldige ist"? Womit wir dann beim linkslibertären Mantra des moralischen Relativismus wären. Warum nicht gleich ein Stück über Bin Laden oder Atta oder eine kleine Himmlerperformance? Der Phantasie der Täterversteher an den Stadttheatern ist keine Grenze gesetzt.
Die Opfer und Betroffenen werden es ihnen danken.