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Regisseur Jürgen Bosse gestorben

9. Dezember 2024. Der Regisseur und Intendant Jürgen Bosse ist tot. Wie aus seinem persönlichen Umfeld bekannt wird, starb Bosse im Alter von 85 Jahren in Essen.

Bosse gab sein Regiedebüt 1970 unter der Intendanz von Arno Wüstenhöfer am Schauspielhaus Wuppertal mit Rainer Werner Fassbinders "Katzelmacher". Er inszenierte in den 1980ern unter anderem am Wiener Burgtheater. Von 1977 bis 1988 leitete er die Schauspielsparte am Nationaltheater Mannheim, wo er vorher schon als Regisseur gearbeitet hatte. Zwei seiner Mannheimer Inszenierungen (Arnolt Bronnens "Vatermord", 1979, sowie "Quai West von Bernard-Marie Koltès, 1987) wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 

1988–1993 war Bosse Schauspieldirektor am Staatstheater Stuttgart. 1992–2005 Intendant des Schauspiels Essen. Nach dem Ende seiner Essener Intendanz arbeitete er weiter als freischaffender Regisseur; 2012 besprach nachtkritik Bosses Inszenierung "Nach mir die Sintflut" am Theater Aalen

(Wikipedia / sd)

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Kommentare  
Jürgen Bosse: Neugier und Interesse
Die Rezeption des Theaterlebens ist ungerecht. Einige wenige Regisseure und Theaterleiter stehen, was immer sie unternehmen, pausenlos im Scheinwerferlicht der Berichterstattung. Jürgen Bosse gehörte nicht dazu. Dabei hat er, wo er Intendant war, ohne viel Selbstdarstellung kluge Spielpläne entworfen und Inszenierungen verantwortet, die - jedenfalls drei Jahrzehnte lang - Diskussionen ausgelöst haben, ohne nach dem schlagzeilenträchtigen Skandal zu schielen. Nach Peymann, Heyme und Nagel das Stuttgarter Publikum zu gewinnen, war keine leichte Aufgabe, aber Bosse hat sie bewältigt. Vor allem aber gehörte er zu den wenigen Theaterleuten, die man regelmäßig bei den Premieren der Kolleginnen und Kollegen sah. Neugier und Interesse für die Arbeit anderer: das mag die Öffentlichkeit nicht interessieren, aber sympathisch ist es auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten schon.
Jürgen Bosse: Viel zu verdanken
Ich habe Ihm viel zu verdanken! Merci Jürgen.
Jürgen Bosse: Auch am Burgtheater
Bosse hat in den 1980er Jahren auch mehr als einmal am Burgtheater in Wien inszeniert. Titel und genaue Termine sind mir gerade nicht zugänglich, aber das sollte vermerkt werden. RIP

(Anm. Redaktion. Danke, wir haben das ergänzt.)
Jürgen Bosse: Gute Mannheimer Zeit
Er gehörte zu den Regisseuren, bei dem man immer interessiert war, was das Stück zu erzählen hatte und nicht alleine er. Stand nie in der ersten Reihe, weil er in der Provinz tätig war (was für ein Glück für die „Provinz“). In der Mannheimer Zeit habe ich einiges gesehen und immer gerne dorthin gefahren mit tollem Ensemble (Victoria Trauttmansdorff, Walter Sittler, Rainer Bock, Hedi Kriegeskotte, Gabriela Badura u.a.).
Es war eine gute Zeit.
Jürgen Bosse: Liebenswürdiger Theatermacher
Ich hatte das Glück, mit Jürgen Bosse die letzte Inszenierung zu bestreiten, die er in Szene gesetzt hat, und erinnere mich an einen äußerst interessierten, engagierten, liebenswürdigen Theatermacher, der gern den Spielenden zusah und ebenso Anweisungen gab. Abseits der Proben hatte er immer die ein oder andere Anekdote zu erzählen und liebte es, bei Bergfesten als Feinschmecker Käse zu genießen. Mach’s gut!
Jürgen Bosse: Danke
Lieber Jürgen,
Deine Inszenierung von Peer Gynt in Stuttgart werde ich nie vergessen. Damals wusste ich nicht, dass ich 15 Jahre später dein " Haus" in Essen übernehmen soll. Du warst uns ein treuer Begleiter bei fast allen Premieren. Es gab Lob und Tadel aber immer die Liebe zum Theater. Du wirst fehlen. Christian Tombeil
Jürgen Bosse: Mutig
Eine meiner ersten Theatererfahrungen: Jürgen Bosse forderte 1992 den damaligen Stuttgarter Generalintendanten Wolfgang Gönnenwein zum Rücktritt auf, als der wegen Misswirtschaft und Budgetüberschreitungen schwer in der Kritik stand. Das passierte öffentlich und mit einem Ultimatum: Andernfalls werde er, Jürgen Bosse, seine Schauspiel-Intendanz niederlegen.
Und Gönnenwein trat zurück. Mutig und eindrucksvoll fand ich das damals. Einen schönen Nachruf auf ihn als Regisseur hat die FAZ.
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