meldung

Regisseur und Schauspieler Otto Schenk verstorben

9. Januar 2025. Der österreichische Regisseur, Schauspieler und Intendant Otto Schenk ist tot. Wie seine Familie mitteilt und heute zahlreiche Medien melden, starb Schenk am heutigen Donnerstag im Alter von 94 Jahren in seinem Haus am Irrsee. Schenk zählte zu den herausragenden Persönlichkeiten der österreichischen und internationalen Theater- und Opernlandschaft. 

Am 12. Juni 1930 in Wien geboren, wurde Schenk am Max-Reinhardt-Seminar ausgebildet und begann seine Karriere am Wiener Volkstheater und am Theater in der Josefstadt. Bereits ab den 1950er Jahren widmete er sich der Opernregie, die ihn an nahezu alle bedeutenden Häuser der Musikwelt führen sollte, darunter die Wiener Staatsoper, die Bayerische Staatsoper, die Deutsche Oper Berlin, die Mailänder Scala und das Royal Opera House in London. Viele Jahre im Repertoire blieben u.a. sein "Ring des Nibelungen" an der New Yorker Metropolitan Opera und sein "Rosenkavalier" an der Wiener Staatsoper. 

Gleichzeitig wirkte Schenk, der als Wiener Original galt, auch weiterhin als Schauspieler, vor allem in komischen Rollen, unter anderem am Wiener Burgtheater, bei den Salzburger Festspielen und am Theater in der Josefstadt, dem seine engste berufliche Bindung galt. Hier war Schenk zwischen 1988 und 1997 auch Intendant und spielte ab 2019 seine letzte Schauspielrolle, in Tschechows "Kirschgarten"

Darüber hinaus trat Otto Schenk auch als Kabarettist im gesamten deutschsprachigen Raum auf. Der Standard würdigt ihn heute in einem Nachruf als "bis zuletzt Österreichs Haupt- und Staatskomödiant" und ein "raubtierhaftes" Genie, das seine "hinreißende Kraft" aus der "Reglosigkeit vor dem nächsten Sprung" bezogen habe.

(Der Standard / jeb)

mehr meldungen

Kommentare  
Otto Schenk: Er hatte Herz
Als Teenager (1976/77) fand ich ihn klasse, als Twen (in den 1980er Jahren) fand ich ihn schrecklich, viele Inszenierungen (sowohl in der Oper als auch im Theater) waren haarsträubend geschmacklos und altmodisch - ABER!!!!! Otto schenk hatte Herz, hatte Empfindsamkeit, war belesen und vor allem : menschlich klug. Sein Humor war manchmal gewöhnungsbedürftig und albern, politisch waren wir sicher nie einer Meinung - ABER!!! Ein wirklich großer, leidenschaftlicher Theatermensch ist gegangen. Die ihn erlebt haben, werden ihn vermissen...
Otto Schenk: Unverwechselbar
Einer der Allergrößten des deutschsprachigen Theaters, eine unverwechselbare Persönlichkeit, ein unglaublich neugieriger, zutiefst freundlicher, humorvoller und wahrhaftig offener, stets Kind gebliebener Mensch mit vereinzelten, italienisch anmutenden Temperamentsausbrüchen (aber niemals hätte er irgendjemanden niedergebrüllt oder gar Leute erniedrigt, denn er war vieles, nur kein Narzisst), dessen alles andere in den Hintergrund rückende Theatersucht auch im hohen Alter nicht zu heilen war. Seine Inszenierungen wirkten, als sei da noch jemand in Hörweite oder zumindest telefonischem Kontakt mit Nestroy, Schnitzler, Hofmannsthal oder Horváth, weshalb es aus seiner Sicht keiner übertriebenen EIngriffe in das Stück bedurfte. Das, was da war, sollte glänzen, aber eben nicht neu gedichtet oder verändert werden. Er liebte und respektierte die Menschen, die diese Texte geschrieben hatten. Sein Mut zur schnörkellosen Reduktion auf das Wesentliche sorgte immer wieder für Momente, die herzzerreißend waren wie nur weniges andere, das am Theater zu besichtigen war. Mit dem Instinkt eines Kunstsammlers schaffte er es, für Bühne und Kostüme die erlesensten Mitarbeiter zu finden, darunter unbestrittene, eigenwillige Größen wie etwa Günther Schneider-Siemssen, Rudolf Heinrich, Jürgen Rose, Rolf Glittenberg, Bert Kistner, Xenia Hausner oder Milena Canonero, mit denen er weltweit mehrfach Inszenierungen gestaltete und die mit dafür sorgten, dass Schenks Realismus immer nur ein scheinbarer war, weil es ihm viel mehr um gebrochene, theaterhafte, traumverlorene, tragikomische und sehr oft ziemlich wehmütige Wirklichkeiten ging. Sehe ich heute alte Inszenierungen von ihm auf Video oder höre Mitschnitte, stelle ich verblüfft fest, welche Relevanz die pure Sprache und deren Musik bei ihm hatten. Der Raum wird erfült von einem Orchester unterschiedlicher Stimmen. Man hört: Menschen - und ihnen beim Leben und bei ihren Wahrheiten und Lügen zu. Da ist inzwischen wirklich sehr viel Subtilität verloren gegangen, nicht bloß durch die aus meiner Sicht zumeist unsäglichen Microports ... Und in der Oper sorgte er dafür, dass Sänger nicht mehr vor allem im Nahebereich von Rampe und Souffleurkasten vor irgendwelchen Bühnenbildern umher standen, stolzierten oder posierten sowie mit den Augen rollten, sondern sich menschenähnlich, trotz des Singens quasi natürlich sowie nicht zuletzt rollengemäß benahmen und den Raum für das Erzählen einer Geschichte benutzten. Ich vermisse ihn, der ein Theaterkönig samt einschlägigen Theateranekdoten war, aber so unkompliziert, ehrlich und verlässlich wie fast kaum jemand in diesem Metier, schon längere Zeit und nun umso mehr!
Kommentar schreiben