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Robert Wilson ist tot

Robert Wilson (1941 - 2025) © Lucie Jansch

31. Juli 2025. Robert Wilson ist tot! Das teilt Wilsons Presseteam mit. "We are heartbroken to announce the passing of Robert M. Wilson, visionary artist, theater and opera director, architect, set and lighting designer, visual artist, and founder of The Watermill Center in Water Mill, New York", heißt es in der Erklärung. "Robert Wilson died peacefully today in Water Mill at the age of 83, after a brief but acute illness."

Robert Wilson wurde 1941 in Waco / Texas geboren. Von 1959 bis 1962 studierte er Betriebswirtschaft an der University of Texas. 1963 zog er nach New York, studierte Architektur am Pratt Institute und nahm Unterricht bei Sibyl Moholy-Nagy, der Witwe des Fotografen und Lichtkünstlers László Moholy-Nagy. Er studierte Malerei bei George McNeil und arbeitete mit den Choreographen Georage Balanchine und Merce Cunningham zusammen.

Wilson, der mit Hilfe der Tänzerin Byrd Hoffman 1958 selbst erfolgreich sein Stottern überwinden konnte, arbeitete bereits während seines Studiums mit Kindern mit Beeinträchtigung. Daraus entwickelte sich 1968 die Gründung der Byrd Hoffman School of Byrds in New York City, mit der er seine ersten charakteristischen und bald auch international erfolgreichen Arbeiten entwickelte: "Deafman Glance" (1970) und "A Letter for Queen Victoria" (1974/1975). Wilsons berühmtestes Werk ist die fünfstündige Inszenierung der Oper "Einstein on the Beach", die in Zusammenarbeit mit Philip Glass und Lucinda Childs als leitender Choreografin und Tanzsolistin entstand und 1976 beim Festival d'Avignon uraufgeführt wurde.

Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete Wilson in mehreren Projekten mit Heiner Müller zusammen, den er 1977 auf dessen zweiter Amerikareise kennengelernt hatte. Beide wurden voneinander in ihrer Arbeit nachhaltig beeinflusst. Wilson war außerdem Gründer und Künstlerischer Leiter der Kunststiftung The Watermill Center in New York.

Wilsons Produktionen erhielten weltweite Anerkennung von Publikum und Kritikern. Er inszenierte unter anderem an der Mailänder Scala, der Metropolitan Opera in New York, der Opéra Bastille in Paris, der Oper Zürich, der Hamburger Staatsoper, der Berliner Schaubühne, dem Berliner Ensemble, der Lyric Opera of Chicago, der Houston Grand Opera und dem Moskauer Bolschoi-Theater.

Für seine Arbeit wurde Wilson vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig, dem Europäischen Theaterpreis, der Goethe-Medaille, dem Bundesverdienstkreuz und dem Praemium Imperiale. Er war Mitglied der Akademie der Künste Berlin und Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences. Am 31. Juli 2025 starb Robert Wilson nach kurzer Krankheit in New York.

(robertwilson.com / sle)

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Er wird fehlen, der Unersetzliche. So wie etwa ein Zadek fehlt, ein Grüber, ein Karl-Ernst Herrmann, ein Neuenfels, eine Berghaus, ein Heiner Müller, ein Bondy, eine Pina Bausch.
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Toller Mensch. Danke!
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Leider möchte ich etwas bemeckern: Ich finde es nicht angemessen und patriarchal entsprechend, dass die Frau, bei der Bob Wilson wahrscheinlich Entscheidendes gelernt hat, nur als die Witwe von ... vorkommt! Sibyl Moholy-Nagy bei Wiki (so einfach zu finden): https://de.wikipedia.org/wiki/Sibyl_Moholy-Nagy
Sibyl Moholy-Nagy (IPA: [ˈmohojˌnɒɟ]) (* 29. Oktober 1903 in Loschwitz, Deutsches Reich; † 8. Januar 1971 in New York), geboren als Dorothea Maria Pauline Alice Sibylle Pietzsch, auch Sibyl Peach, war eine deutschamerikanische Dramaturgin, Schauspielerin, Architektur- und Kunsthistorikerin und Hochschullehrerin. ....
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