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Sachsen: Mehrere Theater 2025 finanziell vor dem Aus
7. Dezember 2024. Sechs Theater in Sachsen sind 2025 akut vom finanziellen Aus bedroht. Das berichtet MDR Kultur.
"Wir sind an einem Punkt angelangt, wo das Minimum erreicht ist", zitiert der Beitrag die Geschäftsführerin des Theaters Plauen-Zwickau, Sandra Kaiser. Kommendes Jahr drohe dem Theater nach etlichen Sparrunden ein Defizit von 3,3 Millionen Euro, was zu Personalabbau bis hin zur Schließung ganzer Sparten wie Ballett oder Jugend führen könnte. Den Umfang des bisherigen Angebotes müsse das Haus auf jeden Fall einschränken, so die Geschäftsführerin, nachgedacht werde bereits über eine reine Bespielung des Hauses ohne eigene Produktionen.
Auch die Theater in Freiberg-Döbeln, Annaberg-Buchholz, Bautzen, Görlitz-Zittau, die Sächsische Bläserphilharmonie und das Theater in Chemnitz, das 2025 das Programm einer Kulturhauptstadt Europas ausrichtet, befänden sich 2025 in einer finanzielle bedrohlichen Lage. Das gab der sächsische Bühnenverein auf Anfrage von MDR Kultur an. Wie lange sich die einzelnen Häuser noch über Wasser halten könnten, sei abhängig von ihrer Organisationsform, von Finanzierungszusagen und eventuellen Rücklagen, so MDR Kultur.
Neben der Inflation und den hohen Energiepreisen seien vor allem die gestiegenen Personalkosten entscheidend für die finanziellen Schwierigkeiten. Diese würden von den Trägern nicht übernommen. De Mittel aus Sachsens Kulturraumgesetz wiederum, durch das Land und Kommunen paritätisch die Kultur fördern sollen, seien gedeckelt. Hier sei eine Dynamisierung nötig, zitiert der MDR den neuen Vorsitzenden des sächsischen Bühnenvereins Daniel Morgenroth, Intendant in Görlitz-Zittau.
Da 2025 für die Theater ein kritisches Jahr werde, könnte eigentlich nur das Land einspringen und sein Hilfspaket verlängern, so Morgenroth. In den vergangenen zwei Jahren hatte das Land Sachsen insgesamt 4,6 Millionen Euro zusätzlich für die kommunalen Theater und Orchester aufgewendet. Allerdings wird ein Haushaltsbeschluss für Sachsen erst im Sommer 2025 erwartet, denn die neue CDU-SPD-Regierung beginnt erst im Januar mit den Haushalts-Verhandlungen im Landtag.
(MDR / eph)
Daniel Morgenroth vom Theater Görlitz-Zittau und Steffen Mensching vom thüringischen Theater Rudolstadt sprechen im Theaterpodcast #72 über die Finanzlage von Stadt- und Staatstheatern in den ostdeutschen Bundesländern.
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Ein zentraler Punkt der Kritik ist, dass die Gewerkschaft offenbar zu stark auf die Wahrung einzelner Interessen fokussiert ist, statt sich für nachhaltige Lösungen einzusetzen, die sowohl Künstler*innen als auch Institutionen zugutekommen. Forderungen nach Gehaltserhöhungen oder verbesserten Arbeitsbedingungen, so berechtigt sie sein mögen, wirken kontraproduktiv, wenn sie in einer Situation gestellt werden, in der Theaterhäuser ihre Existenz sichern müssen.
Darüber hinaus scheint es an einem konstruktiven Dialog zwischen Gewerkschaft und Theaterleitungen zu mangeln. Ein kooperativer Ansatz, der die wirtschaftliche Realität der Häuser anerkennt und gleichzeitig die Anliegen der Künstlerinnen berücksichtigt, könnte nachhaltige Ergebnisse liefern. Stattdessen wird durch das Verhalten der Gewerkschaft eine Spaltung zwischen den Interessen der Künstlerinnen und den Bedürfnissen der Institutionen geschaffen, die das kulturelle Ökosystem insgesamt schwächt.
Die fehlende Solidarität ist nicht nur ein Schlag gegen die Theater als Institutionen, sondern auch gegen die Künstler*innen selbst, deren Arbeitsplätze langfristig gefährdet sind, wenn Theater schließen müssen. Die Gewerkschaft sollte daher dringend ihren Ansatz überdenken und sich stärker als Vermittlerin und Unterstützerin in der Krise positionieren, um die Basis für ein vielfältiges und lebendiges Theaterwesen zu sichern.
man kann doch nicht Äpfeln mit Birnen vergleichen.
Der Gewerkschaft geht es hauptsächlich um bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten an den Theatern. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit den Zuwendungen von Stadt und Land zu tun.
Weder Intendanten noch die Gewerkschaft haben darauf einen Einfluss.
Soll eine Gewerkschaft auf Forderungen für Arbeitnehmer verzichten nur weil das Geld gerade knapp ist ?
Kunst braucht menschenwürdige Arbeitsbedingungen und dafür tritt die Gewerkschaft ein, sonst, ganz ehrlich, braucht es das Theater auch nicht.
Künstler die sich und andere gerne selbst ausbeuten sollten lieber eine Therapie machen, anstatt auf der Bühne zu stehen.
zu sagen, das Lohnzuwächse nichts, aber auch gar nichts mit den Zuwendungen von Stadt und Land zu tun hätten ist - am Rande des Wahnsinns, würde ich sagen. Offensichtlich ist ihnen der Ernst der Lage nicht klar, denn Ja, Jonathan, dann kommt die ganze Streuobstwiese weg. Weder Äpfel noch Birnen.
Kennen sie die Arbeits- und Lebensbedingungen an den genannten Theatern und Städten? Vermutlich nicht. Vielleicht fragen sie mal die Gewerkschaftsvertreter:innen dort, was diese dazu sagen. Möglicherweise ergibt sich dann ein ganz anderes Bild - sie können natürlich auch auf ihre paternalistische Haltung beharren. Lassen sie mich raten: Sie sind aus dem Westen, oder leben wenigstens dort?
Wenn ich mir noch eine letzte Bemerkungen erlauben dürfte: "Menschenunwürdig" ist ein sehr großes Wort. Finden sie wirklich, der trifft auf Menschen am Theater zu? Weil sie am Wochenende arbeiten müssen und es schwieriger ist, seine Arzttermine und sein Familienleben zu organisieren? Es gibt nicht viele Menschen in Deutschland, die das wirklich in den Mund nehmen sollten - und ich vermute mal, sie kennen niemanden davon persönlich.
also halten wir schön die Klappe, stellen bloß keine Forderungen und sind dankbar für jeden Cent den der Steuerzahler übrig hat.
Meine Meinung:
Wenn ein Land/Stadt sich ein Theater leistet muss es ordentlich bezahlt werden.
Wenn ein Land/Stadt es sich nicht leisten kann, dann muss es halt geschlossen werden.
Ja oder nein... so einfach
"Neben der Inflation und den hohen Energiepreisen seien vor allem die gestiegenen Personalkosten entscheidend für die finanziellen Schwierigkeiten. Diese würden von den Trägern nicht übernommen. Die Mittel aus Sachsens Kulturraumgesetz wiederum, durch das Land und Kommunen paritätisch die Kultur fördern sollen, seien gedeckelt. Hier sei eine Dynamisierung nötig..."
Ist den Vorrednern und deren Beipflichtern, die meinen die "Künstlergewerkschaft" für die finanzielle Schieflage der Theater (nicht nur in Sachsen) verantwortlich machen zu müssen, bewußt, dass an den meisten Häusern mal mindestens die Hälfte (wenn nicht mehr!) der Belegschaft arbeitsvertraglich außerhalb der Künstlergewerkschaften organisiert ist (TVöD)?
Wieviel fehlende Solidarität soll diesen Kollegen nun unterstellt werden?
Hätten die Künstler auf die Tariferhöhung der letzten drei Jahre verzichtet wären, die Theater dann finanziell gerettet?
Gewerkschaften, die keine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten erreichen, sind keine Gewerkschaften!
Die Ergebnisse der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst werden von den Kommunen, den Ländern, dem Bund mitgestaltet. Erhöhungen zu verhandeln, die Arbeitgeber aber, in diesem Fall die Theater, mit diesen Erhöhungen alleine zu lassen, produziert die Schieflage doch erst!
Die Dynamisierung der Mittel, die die Politik (auch nicht nur in Sachsen) seit Jahren verweigert, würde es den Theaterbetrieben ermöglichen, die gestiegenen Personalkosten nicht durch Einsparungen an anderer Stelle kompensieren zu müssen. Diese Verweigerunghaltung ist die eigentliche Ursache des Problems.
Von Seiten des Bühnenvereins hört man dazu leider gar nichts. Denn auch für die Intendanten ist es einfacher, den Spardruck an die Belegschaft weiterzureichen, als sich bei der öffentlichen Hand durch Forderungen unbeliebt zu machen. Und wenn man dann auch noch die Möglichkeit hat, den schwarzen Peter der "Künstlergewerkschaft" zuzuschieben, hat man gleichzeitig auch noch deren Position in eigenen Haus geschwächt!
1. abgesehen von der Höhe der Mindestgage/ Einstiegsgage richten sich die Tarifsteigerungem im NV-Bühne nach den Steigerungen im TVöD bzw. TVL. D.h wenn die Vergütungen der nichtkünstlerischen Beschäftigten steigen, steigen auch die Vergütungen der Künstler:innen.
2. TVöD und TVL werden von ver.di und Vertreter:innen von Kommunen und Ländern verhandelt (VKA und TdL).
3. auch in der Tarifkommission des Bühnenvereins, die den NV-Bühne mit den Künstlergewerkschaften verhandelt, sind Vertreter:innen von Ländern und Städten in der Mehrheit.
4. die meisten Theater befinden sich in Öffentlicher Trägerschaft und werden in ihrem wirtschaftlichen Handeln von ihren Trägern kontrolliert und geprüft.
Meine Schlüsse aus diesem Sachverhalten:
1. da die Träger durch ihr (Ver)Handeln direkt für die Steigerungen in den Personalkosten verantwortlich sind sollten (müssen) sie die Zuwendungen an die Theater dynamisieren.
2. das GDBA-Bashing führt hier zu nix, es nimmt die Verantwortlichen aus der Schusslinie. Zu einem Tarifabschluss gehören immer zwei Parteien. Also: nicht die Forderungen der Gewerkschaft haben zu Mehrkosten geführt, sondern die von den Tarifpartnern erreichten Abschlüsse.
Auch hier die Frage: Arbeiten Sie an einem der genannten Theatern oder haben Sie wenigstens mit den Kolleg:innen dort gesprochen? Bitte tun Sie es.
Sie haben den Eindruck, dass die Intendanten in Sachsen den Spardruck auf die Belegschaft abwälzen - was veranlasst Sie dazu? Gab es Entlassungen? Oder wurden Menschen zum Lohnverzicht aufgerufen? Oder haben Theaterleitungen die Belegschaft zu Demos geschickt? Bisher habe ich nur gelesen, dass alle die Lohnerhöhungen begrüßen und verteidigen.
Natürlich ist nicht die Belegschaft in der Verantwortung, sondern die Träger:innen in der Regel also Städte und Landkreise sowie die Länder - aber zu schreiben, die Lohnerhöhungen hätten "nichts, aber auch gar nichts" mit der finanziellen Schieflage zu tun, tut mir leid, das will nicht in meinem Kopf.
Sie singen, wie viele andere das "Die-böse-Theaterleitung-gegen-die-arme-ausgebeutete-Belegschaft-Lied". Jedem seinen Feind, jedem seine Folklore. Hilft aber auch nicht. Mein Eindruck ist, dass die Theaterleitungen in Sachsen für Ihre Theater kämpfen (könnte noch massiver sein, sicher) und wenn Johanna sich dabei Unterstützung von den Gewerkschaften wünscht sagen Sie und Ihr Vorredner: Nein, damit hat die Gewerkschaft nichts am Hut. Ist in Ordnung, können Sie so sehen. Ich finde es schade. Wir sind uns ja einig, wer verantwortlich ist - aber wie soll denn Ihrer Meinung nach die zuständigen Politiker bewegt werden? Glauben Sie tatsächlich, die Leitungen wollen sich nicht unbeliebt machen? Glauben Sie allen ernstes, eine Theaterleitung möchte lieber eine Sparte schließen, als bei der Politik Druck auszuüben?
Noch eine Frage an Jonathan: Wir machen alle Theater zu, um die menschunwürdigen Zustände endlich zu stoppen! In Ordnung. Und dann arbeiten alle frei, weil die Bedingungen dann viel besser sind? Ah ja.