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Schauspielerin Hannelore Hoger gestorben

Hannelore Hoger (1942-2024) © CC BY 2.0 / Das blaue Sofa / Club Bertelsmann

27. Dezember 2024. Die Schauspielerin, Theaterregisseurin und Sprecherin Hannelore Hoger ist tot. Wie heute zahlreiche Medien, darunter der SPIEGEL, melden, starb Hoger bereits am 21. Dezember im Alter von 82 Jahren in Hamburg. Ihre größte Bekanntheit erreichte die Schauspielerin in der Rolle der Kommissarin Bella Block in der gleichnamigen ZDF-Krimiserie, die zwischen 1994 und 2018 lief, sowie als Privatdetektivin Charlotte Burg in der Serie "Die Drei" (1996-1997). 

Die am 20. August 1942 in Hamburg geborene Hoger begann ihre Karriere nach der Schauspielausbildung am Theater. Seit 1961 spielte sie in Ulm, Köln, Bremen, Stuttgart und Berlin und von 1981 bis 1985 in Hamburg. Enge Zusammenarbeiten hatte Hoger mit Kurt Hübner in Ulm und Bremen sowie mit Peter Zadek in Bochum. 

Ab 1965 wirkte Hannelore Hoger auch in zahlreichen Film- und später Fernsehrollen. Mit dem Regisseur Alexander Kluge drehte sie mehrere von dessen prägendsten Filmen, darunter "Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" (1968), "Deutschland im Herbst" (1977) und "Die Patriotin" (1979). Auch in Volker Schlöndorffs und Margarethe von Trottas Böll-Verfilmung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) spielte sie in der Rolle der Trude Blorna. 

Vor allem in den 1980er Jahren wirkte Hoger auch als Theaterregisseurin. So inszenierte sie etwa am Schauspielhaus Bochum, am Staatstheater Darmstadt sowie am Wiener Theater in der Josefstadt. Seit 2001 war sie zudem als Sprecherin zahlreicher Hörspiele und Hörbücher aktiv.

Für ihre Arbeit wurde Hannelore Hoger vielfach ausgezeichnet, darunter zweimal mit dem Adolf-Grimme-Preis sowie als Schauspielerin des Jahres (Theater heute, 1975). 

(DER SPIEGEL / jeb) 

 

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Kommentare  
Hannelore Hoger: Verwandlungsfähig und intelligent
Sie war eine der verwandlungsfähigsten und intelligentesten Schauspielerinnen des deutschen Theaters der vergangenen Jahrzehnte, und zwar nicht an zweiter Stelle, hinter dem Fernsehen, sondern zuallererst auf der Bühne. Zadek wurde oben zu Recht genannt, aber auch die Inszenierungen von Peter Palitzsch wären ohne sie nur eine halbe Sache gewesen (unvergessen ihre Elisabeth in "Glaube, Liebe, Hoffnung" neben Peter Roggisch). Jetzt ist sie tot. Aber ihre kicksende Stimme, die innerhalb eines Wortes die Register wechseln konnte, wird mir nicht aus den Ohren gehen. Es gehört zum Repertoire der Nachrufe, dass die oder der Verstorbene fehlen werde. Bei Hannelore Hoger ist das mehr als eine Phrase. Sie fehlte schon vor ihrem Tod. Das kollektive Gedächtnis ist von kurzer Dauer. Zum Nachteil des Theaters, zum Vorteil der weniger Begabten,
Hannelore Hoger: Nachtwache in Bochum
Ja was soll man sagen; vielleicht nur wiederholen: sie fehlte schon vor ihrem Tod ... wohl weniger den Stadt- und Staatstheatern, die mit ihrem Ensemble und Repertoire Betrieben ihre Festungen aufbauen ... wie oft sahen wir sie auf der Bühne? 1986 in Bochum, in Lars Norens "Nachtwache" (u.a. mit Angelika Domröse, ach), sie spielte eine gedemütigte Frau (den Ehemann spielte Gerd Kunath) und bekam Szenenapplaus, was damals und überhaupt selten vorkam, wenn es sich nicht gerade um eine Gesangsnummer handelt, da die Zuschauer nichts anderes konnten, eine Solidaritätsgeste zu ihrer Figur in dieser Form zu senden. Sie setze, so leise wie sie in der Szene war, in den Zuschauern etwas in Bewegung. Hohe Kunst. Sie war Martha in "Wer hat Angst ...?) vor 20 Jahren in Hamburg, im St. Pauli Theater, damals ein wenig zu alt für die Rolle, was sie selbst auf der Bühne ironisch thematisierte ... Ein Jahr später ist die Arbeit mit Zadek in Wien leider schiefgegangen, da Gert Voss sich merkwürdigerweise, wohl gegen die Intension von Zadek, in den Vordergrund spielte, und Alice, also Hoger, mehr oder weniger nur die Duldsame und "Zerbrochene" war. Ich hatte irgendwo zu dieser Zeit in einem Interview gelesen, dass sie gerne neue Sachen (Stücke) spielen würde. Aber diese Stücke kamen nicht, auch nicht die Theaterleiter, die sie als Gast engagieren wollten. Das schmerzt. Ich bin dankbar, "Nachtwache" gesehen zu haben.
Hannelore Hoger: Nachtwache
Nachtwache war einfach großartig. Unglaublich. Und nur wegen ihr. Ganz große und ergreifende Emotion aus der Tiefe des menschlichen Dasein.
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