Tschick - Am Gostner Hoftheater Nürnberg auf die Reise geschickt von Thomas Stang
Von wegen Kunsttransport
von Dieter Stoll
Nürnberg, 21. Juni 2012. In Bayern beginnen die Sommerferien traditionell erst Ende Juli, also kommt dieser angenehm unkorrekte Trip von zwei Vierzehnjährigen mit dem geklauten Auto ins erreichbar platzierte Abenteuer nun am Gostner Hoftheater in Nürnberg wie ein zwinkernder Wink mit dem Zaunpfahl – und auf alle Fälle wie gerufen. Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick", durch "Jugendbuch"-Belobigungen zunächst mal etwas seitlich in die Zielgruppen-Ecke geschoben, thront inzwischen auf zentralem Bestseller-Platz in der aktuellen Literatur-Szene und hat die Herzen der Erwachsenen erobert. Zumindest solange deren Sprösslinge die Anarchie der Freiheit, die da auf denkbar amüsante Weise proklamiert wird, nicht gleich für die eigene Realität einfordern. Aber das konnte die Eltern-Generation, die der Premiere im wichtigsten Alternativtheater Frankens nach 90 Minuten so lange zujubelte, ganz entspannt sehen – für den wahren Alltag darf es ein bisschen weniger sein als in der regelfreien Phantasie.
Immer noch Sturm - Stefan Otteni beschert Nürnberg nicht nur eine Handke-Inszenierung, sondern die beste Aufführung der laufenden Saison
Das schöne Phantom Gemeinschaft
von Dieter Stoll
Nürnberg, 13. April 2012. Von einer Nürnberger Tradition im Umgang mit Peter Handke wird nun wirklich niemand sprechen wollen. Aber typisch für die furchtsame Haltung der "Provinz" gegenüber dem spröden Poeten ist die Mini-History der lokalen Spielplan-Politik allemal. 1994 wurde auch hier die dialog- und provokationsfreie "Stunde, da wir nichts voneinander wussten" nachgespielt, nicht ohne dass der damalige Spartenchef versicherte, wie gerne er die anspruchsvolleren Stücke ansetzen würde – wenn er das seinen Abonnenten nur zumuten könnte.
Woyzeck / Damals wurde es irgendwie heller (UA) - Georg Büchner und Lukas Hammerstein liefern Gesprächsstoff in Nürnberg
Dröhnender Tumult, coole Schlacht
von Dieter Stoll
Nürnberg, 17. Dezember 2011. Die Bühne ist leer bis auf eine Show-Leuchtschrift im Hintergrund, die alsbald höhnisch in den Untergang blinken wird: "Beautiful World". Von wegen! Es geht um Woyzeck, den "armen Teufel" am äußersten Rand einer sich selbst genügenden Gesellschaft, den Georg Büchner laut Deutung seines Kollegen Heiner Müller wie einen Hund, der irgendwann als Wolf wiederkehren könnte, ins Rennen schickte. Regisseur Christoph Mehler tut das buchstäblich, er lenkt ihn in seiner Nürnberger Neuinszenierung, die es zum immerhin kleinen Premieren-Skandälchen der schlagenden Türen und empörten Buh-Rufe brachte, in einen Kreislauf des Elends. Eine Stunde lang rennt, schlurft, taumelt und kriecht Stefan Lorch nonstop Runde um Runde, was über seine Fitness eindeutiger Auskunft gibt als über die anhaltende Durchschlagskraft klassischer Literatur.
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