Das innere Massaker

26. Januar 2025. Das Attentat auf die israelische Olympia-Mannschaft 1972 wirkt als Trauma bis heute. Komponist Michael Wertmüller und Dramatiker Roland Schimmelpfennig haben das vermeintlich Unmögliche gewagt und das Verbrechen zum Opernstoff gemacht. Lydia Steier inszenierte eine überfordernde, erschütternde, großartige Uraufführung.

Von Michael Laages 

"Echo 72. Israel in München" von Michael Wertmüller und Roland Schimmelpfennig an der Staatsoper Hannover © Sandra Then

26. Januar 2025. Nach 80 Minuten im Dauerbetrieb braucht die Maschine eine Atempause. Das Ende ist schon in Sicht- und Hörweite, aber die Drehbühne bleibt einfach stehen. Deutlich ist plötzlich zu spüren, dass Sängerinnen und Sänger verunsichert sind – sie befinden sich ja nicht mehr in dem Raum, der für sie vorgesehen war … und während das Schweizer Jazz-Trio "Steamboat Switzerland" gerade im Hochenergie-Modus ist, fällt der Vorhang. Der pausenlos geplante Abend bekommt eine Pause. 

Das sieht nun zwar aus wie der größte anzunehmende Unfall – aber in weniger als den angekündigten 15 Minuten ist der Schaden behoben. "Steamboat Switzerland“, das Orchester der hannoverschen Oper sowie Solisten-Ensemble und Chor finden tatsächlich fast ansatzlos zurück auf das enorm hohe Energie-Level, auf dem die Aufführung sich gerade zuvor noch befunden hatte, und bald danach geht "Echo 72. Israel in München“, die Oper mit Michael Wertmüllers extrem herausfordernder Musik und dem erstaunlichen Libretto von Roland Schimmelpfennig, unter großem Jubel durchs Ziel. Die technische Abteilung, speziell das Reparatur-Team, hätte Extra-Beifall verdient.

Versammelte Energien

Schon die Musik des Schweizer Komponisten Michael Wertmüller, Jahrgang 1966, ist enorm komplex. Der gelernte Schlagzeuger begann an der "Swiss Jazz School“, suchte aber sehr bald schon den Grenzgang hinüber zur "Neuen Musik“ und auch wieder zurück. Dass er für Komposition und Arrangement zur Oper "Echo 72. Israel in München“ eines der herausragenden Jazz-Trios der Schweiz integriert hat, "Steamboat Switzerland“, die Band um Wertmüllers Schlagzeug-Kollegen Lucas Niggli, folgt konsequent dieser Strategie der Vermischung der Stile. Und tatsächlich zeigt das Trio sehr nachdrücklich, dass es den versammelten Energien des großen Orchesters kaum nachsteht. Dass aber gerade in einem dieser Jazz-Momente die Drehbühne den Geist aufgibt und sozusagen durchschnaufen muss, ist fast eine gute Pointe.

Roland Schimmelpfennig, der Dramatiker, hat einen unerwarteten Weg gewählt, um den infernalischen Katatrophen-Ton des Attentats auf das israelische Team bei den Olympischen Spielen im Spätsommer 1972 in München zugleich zu beschwören und zu verweigern. Gerade erhielt ja die Kino-Erzählung "September 5" den Bayerischen Filmpreis; hier herrscht das dokumentarische Element. Die Kameras eines amerikanischen Fernsehteams haben die schrecklichen Bilder jener Tage gnadenlos eingefangen. Und wer – sagen wir mal – 16 Jahre alt geworden ist im August vor bald 53 Jahren, mag noch eine vage Erinnerung behalten haben, auch von den Bildern der gesprengten Hubschrauber bei der so grausam gescheiterten Geisel-Befreiung auf dem Flugfeld in Fürstenfeldbruck. All das kann Schimmelpfennigs Theater-Erzählung gar nicht nacherzählen oder auch nur beglaubigen wollen – stattdessen beginnt der Opernabend im Museum.

Haus der Kunst als Vorlage für die Bühne von Flurin Borg Madsen © Sandra Then

Flurin Borg Madsens Raum-Konzept hat sich inspirieren lassen vom Münchner "Haus der Kunst“, jenem historischen Bau, mit dem die nationalsozialistische Herrschaft all das markieren wollte, was die Kunstrichter der Zeit nicht gerade als "entartet“ klassifizieren wollten: im Zentrum des monströs-neoklassizistischen Prunk-Baus steht hier ein nackt-antiker Held. Massenhaft Publikum strömt herein, den Selfie-Stick im Anschlag.

Der Chor, ein echter Hauptdarsteller in der hannoverschen Inszenierung, mit raumfüllender Energie und einer großen Menge an komponiertem Gesang, besingt allerdings nicht den nackten Helden, sondern den weiß-blauen Bayern-Himmel; auch entsprechende Fähnchen werden geschwenkt. Am Ende, nach dem Attentat und dem Einbruch von Terror und Tod, Mord und Politik ins olympische Idyll, wird dieser Chor, immer noch im buntestmöglichen Urlauber-Outfit, von der "Dunkelheit“ singen, die sich im Terror-Überfall über München gelegt hat. 

Hürdenlauf, Gewichtheben, Schießen

Schnell wendet sich Schimmelpfenning nach der Eröffnung dem Kernthema zu – und nimmt Zustand und Strategien des Sports selber ins Visier. Trainer und Athletin sprechen immer wieder über den Hürdenlauf: 13 Meter sind es bis zum ersten Hindernis, dann folgt alle achteinhalb Meter das nächste. Ein Gewichtheber erzählt von den 60 Schreckenssekunden, in denen er das Gewicht in die Höhe wuchten muss; und dann unter ihm steht. Sportschützen debattieren über den Sog, den die Ringe der Zielscheibe ausüben – das Ziel wird in der Fachsprache "Spiegel" genannt. Wie, wenn das Geschoss den Spiegel durchschlüge und für alle Zeiten mit voller Zerstörungswucht um die Welt sausen würde? Auch von Ringen und Fechten ist die Rede – das waren die Sportarten, in den die Toten im israelischen Team um Medaillen kämpfen wollten.

Dazwischen schneidet Schimmelpfennig wenige dokumentarische Momente; etwa wenn Corinna Harfouch im Video die Nachrichten vom 5. September 1972 beisteuert. Das ist die eine "Klage"-Stimme.Wichtiger aber ist die andere – die Sängerin Idunnu Münch schreit Schrecken heraus, ist aber auch die strenge Museumsbeamtin, im Grunde eigentlich sogar die Herrscherin jener Hölle, die über die Spiele hereingebrochen ist.

Echo 1972 5 CSandraThen uMuseum und Hölle © Sandra Then

Ihr gegenüber steht übrigens ein völlig überforderter Polizist in kurzen Hosen – Lydia Steier, die Regisseurin, hat kluge Kontraste platziert im olympischen Wimmelbild. Und natürlich darf Avery Brundage nicht fehlen, damals Präsident vom Internationalen Olympischen Komitee: "The Games must go on!", sein Motto, in jenen Tagen unterstützt von Israels Premierministerin Golda Meir, trug natürlich nur der Form nach. Da können auch auf der Opernbühne noch so oft die olympischen Ideale beschworen werden und kleine Mädchen die vertrauten fünf Ringe hochhalten – nach dem Einbruch der Gewalt konnte und kann das nur Fassade bleiben. "Echo 72. Israel in München“ erzählt sozusagen vom "inneren Massaker".

Zu Geschichte geronnen

Schließlich werden die Sportler in einen der großen Museums-Schaukästen aus Plexiglas gesperrt im "Haus der Kunst". Später bekommt jeder und jede Tote sogar seinen eigenen Erinnerungsschrein. Das Geschehen von damals, schwer begreiflich, aber sehr real im Augenblick, ist zu Geschichte geronnen. Die Riesen-Skulptur vom nackten Helden steht wieder im Zentrum, die Touristen mit den Selfie-Sticks sind auch wieder da. Aber sie singen eben nicht mehr vom Bayern-Blauweiß, sondern von der Dunkelheit.

Was für ein bild-, was für ein klang-, was für ein gedankenstarker Abend; fordernd und überfordernd in jedem Augenblick. Die Musik-Spezialisten werden Wertmüllers Klang-Gewalt rühmen, mehr und viel treffender, als es hier und mir möglich war. Wer sich bei "OperaVision“ im Netz auf die Suche macht nach der Aufzeichnung der Premiere, darf sich eines Abenteuers der besonderen Art sicher sein.

Echo 72. Israel in München
Oper von Michael Wertmüller (Musik) und Roland Schimmelpfennig (Text)
Uraufführung
Musikalische Leitung: Titus Engel, Inszenierung: Lydia Steier, Bühne: Flurin Borg Madsen, Kostüme: Andy Besuch, Licht: Elana Siberski, Video: Elisa Gomez Alvarez, Rebecca Riedel, Sound-Collage: Marco Junghanß, Chor: Lorenzo da Rio, Dramaturgie: Sophia Gustorff, Martin Mutschler, Daniel Menne.
Mit: Katrin Beyer, Ketevan Chuntishvili, Daniel Eggert, Kathrin Einenkel, Ruzana Grigorian, Philipp Kapeller, Beatriz Miranda, Luvuyo Mbundu, Freya Müller, Idunnu Münch, Ziad Nehme, Diana Piticas, Marino Pliakas, Darwin Prakash, Clarissa Reif, Eunjeong Song, Yannick Spanier, Melanie Xu; im Video: Corinna Harfouch.
Chor und Statisterie der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Ensemble, Steamboat Switzerland (Dominik Blum, Marino Pliakas, Lucas Niggli).
Premiere am 25. Januar 2025
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

www.staatsoper-hannover.de

Kritikenrundschau

"Opern über Anschläge?", das sei "eine seltsame Konstellation", aber Roland Schimmelpfennig habe "einen brillanten Text geschrieben", meint Detlef Brandenburg in der Deutschen Bühne (26.1.2025). "In lyrischen Repetitionsstrophen umkreiset er zwei Themenkomplexe, die prägend waren für dieses internationale Sportfest", nämlich die "Ideologie von Völkerverständigung" und das "olympische Dabeisein-ist-alles-Motto". Michael Wertmüllers "pulsierende Musik" gebe den Versen "eine rhythmisch scharf durchakzentuierte Steigerungsdramaturgie", bis am Ende als Bodensatz der "Kampf aller gegen alle" bleibe. Das sei "ein starker Abend, der sein heikles Thema effektvoll auf die Bühne brachte, ohne sich durch wohlfeile Lösungen für ein Problem zu kompromittieren", so der Kritiker.

"Hoffnungsvoll ist das nicht. Aber beklemmend wahr." Mit diesem Resümee lobt Egbert Tholl in der Süddeutschen Zeitung (27.1.2025) diesen Abend sowohl für seine Musik wie für das Libretto von Schimmelpfennig: "Trotz der umfassenden Autonomie von Wertmüllers Musik spürt man die Evokationskraft der Worte, ihre Inspiration im gesamten Aufbau der Oper. Der beruht auf einer kontinuierlichen Steigerung und Beschleunigung, beginnt bei einem Puls von 60 und endet bei 300."

Regisseurin Lydia Steier "fügt der ohnehin komplexen Vorlage weitere Ebenen hinzu", berichtet Stefan Arndt in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (27.1.2025) und richtet die Kritik auf die Parallelisierung des Münchner Terrors mit der Shoa: "Fast auf den Tag genau 80 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers werden die Morde von Auschwitz beiläufig in einem deutschen Staatstheater nachgespielt. Das ist zu viel. Die Inszenierung verstärkt maßlos die Überfülle, die ohnehin die wohl größte Schwachstelle dieser Uraufführung ist."

"Für einige Zuschauerinnen und Zuschauer der Uraufführung war bei der Szene, die das Ersticken in geschlossenen Räumen zeigt, eine Grenze überschritten", berichten Stefan Arndt, Simon Benne und Ronald Meyer-Arlt in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (28.1.2025) unter der Überschrift "Auschwitz, ein Spiel?" und lassen verschiedene Akteure der Stadtgesellschaft zu Wort kommen: "Ich habe meine Zweifel, ob eine solche Darstellung angemessen ist", sagt Michael Fürst, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. "Das Attentat von München war doch etwas ganz anderes als Auschwitz." Positiver nimmt Eliah Sakakushev-von Bismarck von der Villa Seligmann, des Hauses für jüdische Musik, die Arbeit auf.

Fantastisch habe Werthmüller innere Vielfalt in eine Gesangspartie übersetzt, so Benno Schirrmeister in der taz (28.1.2025). "Den inneren Glutkern der absolut sehens- und noch mehr hörenswerten Oper, bilden die Freude und das Staunen über das überlebende jüdische Dasein, die in Entsetzen umschlagen wird." Dokumentarisches Theater sei nicht das primäre Ziel der Produktion. "Trotzdem befremdet der etwas leichtfertige Umgang, den sich Schimmelpfennig mit den Fakten erlaubt." So erfinde er weibliche Opfer, die es nicht gab und setze auf Typen, die je für eine Sportart stehen. "Aus diesem Bilderbogen entwickelt Regisseurin Lydia Steier eine Art Rundgang durch ein imaginäres Museum des Sports."

Kommentare  
Echo 72, Hannover: Kleine Ergänzung
Ganz genau genommen hat natürlich die hannoversche Oper der scheidenden Intendantin Laura Berman (alles Gute!) "das Unmögliche gewagt", oder zumindest mit-gewagt, als der Stückauftrag vergeben wurde an Wertmüller und Schimmelpfennig ... Ruhm, wem Ruhm gebührt.
Echo 72, Hannover: Andere Wahrnehmung
Auch wir haben uns gestern die besagte Oper angeschaut.

Von der Wahrnehmung her würde ich behaupten, dass wir in völlig verschiedenen Stücken waren.

Wir fanden sie nur 'schrecklich'.

Die Musik war schwer zu ertragen weil sie so dysharmonisch klang und wir sie als Zumutung für unsere Ohren empfanden.
An den Stimmen der Sänger lag es nicht, denn die waren zum Teil exellent.
Auch die Art der Inszenierung mit den ständigen Wiederholungen der Texte (Tatsachen zum Attentat) der Museumsführerin klangen eher wie eine Art Gehirnwäsche für die Museumsbesucher/Opernbesucher.

Wir haben schon beim ersten Mal verstanden, dass die Attentäter mit 'Gewehren vom Typ AK 47' kamen.
Muss das mindestens viermal immer und immer wiederholt werden?

Wir haben schon Hunderte Opern europaweit im Laufe unseres Lebens besucht.
Dieses war mit Abstand die Schlechteste, wir je gesehen haben.

Die technikbedingte Pause gab uns dann die Gelegenheit vorzeitig zu gehen ohne die anderen Gäste zu stören.

(...)

Das Operhaus war auch bei weitem nicht ausverkauft (mindestens 1/3 der Plätze blieben bei der Premiere auf einem Samstagabend unbesetzt)

Es ist auch nichts gegen künstlerische Experimente zu sagen, aber nicht, wenn dafür steuerliche Subventionen herhalten müssen.
Echo 72, Hannover: Zumutung
Dass die Musik bei einem solchen Thema nicht feucht fröhlich ist, mag man ja verstehen.
Aber es hörte sich alles an wie ein nicht enden wollender Schluckauf.
Diese endlosen Wiederholungen nichtsaussagender Sätze, puh.
unerträglich, eine Zumutung.
Echo 72, Hannover: Andere Wahrnehmung
Ich fand es fantastisch! Es leerten sich Plätze, aber wer blieb sah die verdienten Standing Ovations am Schluss.
Echo 72, Hannover: Herausragend !
Ich war auch dabei - sogar als Vollzahler ohne irgendwelche Ermäßigungen - und war stark beeindruckt: Wirklich mal Oper als Gesamtkunstwerk. Musik, Text, Gesang, Schauspiel und Bühenbild, hier war alles auf Überwältigung und Emotion ausgelegt und fügte sich am Ende gut zusammen. Ein Spektaker im positiven Sinne.

Allerdings macht es einem dieser Brocken Kunst wirklich nicht einfach.
Aber genauso habe ich die Oper verstanden, dass vieles einfach dem Zuschauer mit Absicht weh tun sollte: Die teils einschneidend-agressive Musik und die oft nervend wie mit dem Hammer stupide wiederholten Text-Bausteine: Zum Zurücklehnen und Entspannen war das nicht gedacht. Mit Absicht - und genau das hat bei mir nachdrücklichen Eindruck hinterlassen.
Echo 72, Hannover: Herausfordernde Aufführung
Die Uraufführung von "Israel in München" war eines der spannendsten und aufwühlendsten Opernereignisse, die ich in vielen Jahren erlebt habe. Ich habe mich wieder in das Jahr 1972 zurückversetzt gefühlt - ein liveticker der damaligen Ereignisse. Das Werk stellte größte Herausforderungen nicht nur an die Ausführenden, sondern auch an das Publikum, was sicher bei einigen Besuchern in einer Überforderung mündete.
Größte Bewunderung gilt dem gesamten Ensemble der Staatsoper. Titus Engel führte das hochmotivierte Orchester souverän durch die Klippen dieser komplexen Komposition. Michael Wertmüller hat es hervorragend verstanden, die aufgeregte Stimmung der damaligen Ereignisse in ein musikalisches und emotionales Crescendo zu fassen, das dann letztlich in einem Wutschrei über das Unfassbare kulminierte.

Großartig! Meine Fahrt von der Schwäbischen Alb nach Hannover hat sich gelohnt.
Echo 72, Hannover: Problem Libretto
Dass beim Hürdenlauf 10 im Abstand von 8,5 Meter aufgestellte Hürden zu überspringen sind, hat jeder verstanden … ein Wissen, dass bei der Teilnahme von „Wer wird Millionär“ nützlich sein könnte … Schimmelpfennigs Libretto kehrt an den Stil zurück, den er zuletzt vor seinen Antikendramen pflegte und wobei er in eine Sackgasse geriet: ein wages Thema und abstrakte Textpassagen, die ohne Beipackzettel nicht oder gar nicht zu entziffern sind. Das führte wohl dazu, dass in der Zwangspause (mit dem Wissen, dass es nicht lange dauern wird, bis es zu Ende ist) einige Zuschauer gelangweilt weggingen (aber dass ein Drittel der Plätze vor oder nach der Pause leerblieben, kann ich nicht bestätigen) … Wertmüllers Musik hat eine Sogkraft (wie zuvor bei seiner Oper „Diodati“ in Basel), aber innovativ ist es deshalb nicht, Jazzpassagen zu integrieren (das behauptet der Komponist aber auch nicht …) … Komponisten mögen „abstrakte“ Textvorlagen, dann müssen sie sich nicht Gedanken machen, wie Alltagssprache in Musik umzusetzen ist …
Als die Intendantin die Unterbrechung bekannt gab, war die Drehbühne schon einige Zeit ausser Betrieb. Ich habe die Panne nicht gemerkt, das „Durcheinander“ habe ich als Teil der „abstrakten“ Inszenierung gehalten (war wohl nicht der einzige), was nicht als Lob für die „Improvisationsfähigkeit“ der Akteure zu verstehen ist … Beim guten, knappen, trotz des bekannten Ablaufs spannenden Film „September, 5“, sehr konventionell erzählt, kann ich mich mit dem Thema Journalismus auseinandersetzen oder unsere gelenkte Sicht, hier in der Oper weiss ich nicht, was sie eigentlich wollten …
Echo 72, Hannover: Wirklich toll!!!
München. Der Friedensengel, die Göttin Nike, die auf ihrem Hügel der Prinzregentenstraße in schöner Kulisse über der Luitpoldbrücke thront, fliegt todbringend über dem Olympischen Dorf und drückt den Buzzer im Haus der Kunst.
Ich saß in der ersten Reihe und hatte das große Vergnügen mitten im Energiefeld dieses großartigen neuen Stückes zu sein!
Ja, es ist nicht einfach, ganz genau und es ist grausam, einem bleibt die Spucke weg, man versucht zu verstehen und plötzlich glotzt man nur noch, oder fängt an zu lachen, weil es einen überfordert, dann überwältigt und mitreißt.
Was für eine tolle Musik und eine tolle Inszenierung!
Ich kann alle nur beglückwünschen und empfehle sehr, sich Echo 72 in der Staatsoper Hannover einzuverleiben! Ich werde es nochmal tun!
Echo 72, Hannover: Tiefgang
Echo 72. Isarel in München - eine Oper mit Tiefgang. Mich hat diese Opern-Uraufführung beeindruckt, wachgerüttelt und auch erschüttert. 1972, ich war gerade 9 Jahre alt, so richtig kann ich mich an die damaligen Ereignisse nicht erinnern, auch in der Schule wurden solche Zusammenhänge nicht thematisiert. In dieser Uraufführung mit Unfrieden, Hass und Leid konfrontiert zu werden - gerade auch in unserer heutigen Zeit - spricht von Mut, Ideen und Kompetenz.

Die Premiere hat mich als Gesamtwerk beeindruckt: Die Leidenschaft und die Spielfreude aller Akteure war großartig, egal ob die der einzelnen Sängerinnen und Sänger, des Chores, das grandiose Staatsorchester und die "Schweizer Gäste". Und das Dirigat - Bravo! den Bogen nach der "technischen Zwangspause" zu spannen und das Publikum mitzunehmen - sehr gut.

Das Bühnenbild unterstrich die Brisanz der Oper sehr facttenreich. Sicherlich nicht nur mich sondern sehr viele der Premierengäste hat die Musik wachgerüttelt. Tiefgängig, laut, in vielen Ansätzen wiederholend, monoton und dann temporeich- in die Köpfe einhämmernd - ja das war mein Eindruck, der mich auch beängstigt hat.

Und genau das hinterlässt diese Premiere bei mir - nicht vergessen sondern erinnern und mahnen - wir sind dafür selbst verantwortlich.

Die Staatoper Hannover gehört zu den besten europäischen Operhäusern und hat mit der Uraufführung der Oper "Echo 72. Israel in München" ein Zeichen gesetzt. Danke an Laura Bermann, die in ihrer Verantwortung vieles in Hannover möglich gemacht und umgesetzt hat. Danke allen Akteuren vor, auf und hinter der Bühne für ihr Engagement.

Und der sehr langanhaltende Applaus hat gezeigt, dass es ein Oper mit Tiefgang ist. Bravo!
Echo 72, Hannover: Bitte mehr davon
Auch ich kann mich voll und ganz #8, #9 anschliessen. Danke für d. tolle Inszenierung! Bitte mehr davon.
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