Presseschau vom 15. Juli 2010 - Senftenbergs Intendant Sewan Latchinian spricht übers Sparen
Mit Patenschaften wider die Krise
Hamburg, 15. Juli 2010. Im Interview mit Martin Eich in der Zeitung Die Welt (15.7.2010) bringt Sewan Latchinian, Intendant der Neuen Bühne Senftenberg mit einem Jahresetat von nur 4,5 Millionen Euro, beim Nachdenken über die finanzielle Misere der Theater ein Patenmodell ins Gespräch: "Mittelfristig wäre nachzudenken, ob die großen Häuser nicht im Rahmen einer Patenschaft kleine unterstützen wollen." So asozial es sei, "wie wenig Geld viele Theater und Schauspieler bekommen, so ungerecht hoch wirken auch Etats mancher Häuser oder Gagen einiger Darsteller. Es ist bemerkenswert, was gerade an kleinen und mittleren Theatern immer wieder an innovativen, ästhetisch und dramaturgisch hochwertigen Produktionen entsteht. Und doch erfahren diese Inszenierungen oft nicht genügend Aufmerksamkeit, auch weil andere, finanziell besser gestellte Häuser prominente Namen einkaufen."
Presseschau vom 8. Juli 2010 - Gerhard Stadelmaier und Peter Kümmel über Romane und Repräsentationsnotstände auf heutigen Bühnen
Gegenwart statt Ohrensessel
1. Juli 2010. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geißelt Gerhard Stadelmaier bei seinem traditionellen Ausblick auf die Spielpläne der kommenden Saison die Mode der Zeit: "In Frankfurt sind nur ungefähr zwanzig Prozent des Spielplans episch verseucht, an den Münchner Kammerspielen dagegen gut achtzig, im Berliner Gorki Theater an die neunzig Prozent. Den Bühnen scheint die Lust aufs neuere Drama ziemlich vergangen." Dabei handele es sich natürlich um Bequemlichkeit, denn: mit einem Stück sei man "immer in Gesellschaft: von fremden Leuten" und "immer in einer anderen Welt". Der Roman dagegen bietet den "Gemütsschutz des Ohrensessels", der "Schmökerer darf sich was wünschen". Bei den "richtigen neuen Stücken" diagnostiziert Stadelmaier einen "eindeutigen Schlag ins Exotische", egal ob es sich um die Probleme eines Bauherrn mit Handwerkern (Roland Schimmelpfennig) handelt, deutsch-ivorische Begegnungen (Gintersdorfer/Klaßen) oder um "schick resignierte Soziologen, die die Welt im Monopoly-Spiel beherrschen".
Presseschau vom 30. Juni 2010 - Susanne Gaensheimer verteidigt Entscheidung für Schlingensief als Gestalter des deutschen Biennale-Pavillons
Provokation als einzig möglicher Diskussions-Auslöser
Frankfurt am Main, 30. Juni 2010. Zwei Frankfurter Zeitungen, die Frankfurter Allgemeine und die Frankfurter Rundschau, berichten heute (30.6.2010) über die (Nicht-)Vorstellung der Pläne für den deutschen Pavillon auf der nächsten Biennale von Venedig im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. Dessen Leiterin Susanne Gaensheimer ist Kuratorin des Pavillons und hatte Anfang Mai die Wahl Christoph Schlingensiefs als Pavillon-Gestalter bekannt gegeben. Inzwischen hatte Arno Sighardt, der Präsident der Bundesarchitektenkammer, ob dessen nationalsozialistischer Monumentalität den Abriss des Pavillons gefordert; Gerhard Richter hatte überdies die Berufung Schlingensiefs als Niedergang der Malerei gewertet und kritisiert ("Die nehmen einen Performer, dabei haben wir Tausende Künstler").
Presseschau vom 21. Juni 2010 - Interview mit Anne Tismer im Zeit-Magazin
Faustine, Woyzickine, Schweinsteigerine
Juni 2010. Im aktuellen ZEIT-Magazin (17.6.2010, Nr. 25) ist ein Interview abgedruckt, das Ijoma Mangold mit Anne Tismer geführt hat und das auf Wunsch der Künstlerin komplett ohne Kommata veröffentlicht ist. Die ehemalige Star-Schauspielerin erzählt darin, dass die Film-Aktion Meechfieber, für die sie 2004 mit dem Aktionskünstler John Bock zusammenarbeitete, für sie "bis dahin das größte Kunsterlebnis" war. Alles, was sie vorher gemacht hat, hält sie für "totalen Pipifax". Als Schauspieler müsse man "ja nicht mal den Text selber schreiben", das Schwierigste sei noch das Auswendiglernen. Um Kostüme und Bühne kümmerten sich andere, und "dann sitzt immer einer unten zum Aufpassen dass alles klappt. Also ehrlich – das ist doch lächerlich. Ich verachte das jetzt. Man muss sich auch immer das Gehirn ausleeren weil sonst fluttern da Gedanken rum – das ist nicht so angesagt – bringt alles durcheinander – und Mädchen müssen das mehr als Jungs."
Presseschau vom 16. Juni 2010 - Interview mit dem Potsdamer Intendanten Tobias Wellemeyer im Tagesspiegel
Scheitern muss sein dürfen
Potsdam, 16. Juni 2010. Für den Berliner Tagesspiegel (16.6.2010) hat Heidi Jäger ein ausführliches Interview mit dem Potsdamer Intendanten Tobias Wellemeyer geführt, der in seiner ersten Spielzeit an der Havel nicht nur mit einem zurückhaltenden Publikum zu kämpfen hatte, sondern vor allem auch die Unterfinanzierung seines Hauses beklagt. Trotz der leicht gestiegenen Zuschüsse der Stadt entstehe ein finanzieller Fehlbedarf, da diese gebraucht würden, um die Tariferhöhungen aufzufangen. Man müsse versuchen, die Einnahmesituation zu verbessern, "indem wir mehr Karten verkaufen oder aber sie teurer machen", auch wenn er das eigentlich nicht wolle. Musical-Bespielung und eine verstärkte Vermietung des Hauses werden diskutiert.
Presseschau vom 14. Juni 2010 - ein Zwischen-Überblick zu den Wiener Festwochen in der taz
Im Land der alten Männer
Wien, 14. Juni 2010. "Theater ist das Land alter Männer und ihrer Fantasien", beginnt Uwe Mattheiss seinen Zwischenbericht von den Wiener Festwochen in der taz (14.6.2010). Diesen Eindruck vermitteln ihm zumindest die langen Abende des Festivals: Robert Lepage rette in "Lipsynch", "einer neunstündigen moralischen Anstalt, ein armes nicaraguanisches Mädchen vergeblich vom Hamburger Strich". Auch Luc Bondy kümmere sich in "Helena" um "gefallene griechische Frauen" und führe noch einmal "den Krieg um die Schönheit". Frank Castorf lote in seiner "Drei Schwestern"-Adaption immerhin "nicht nur weibliche Hysterisierungspotenziale aus", sondern entdecke "die prekarisierten bürgerlichen Intellektuellen als Erben des von Marx und Engels verachteten Lumpenproletariats".
Seite 90 von 92
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne
neueste kommentare >
-
Burn, Baby, Burn!, Hannover Sagenhaft gut
-
Die Quelle, Wien Bitte weitermachen
-
Fräulein Else, Wien Danke!
-
Über die Notwendigkeit, ... , Wiesbaden Super Abend
-
Fräulein Else, Wien Phänomenal
-
Irgendetwas ist passiert, Berlin Lauwarm
-
Theaterpodcast Investigativtheater Aufklärung?
-
Quelle, Wien Frontalunterricht
-
Bluets, Berlin Multifunktionsroboter
-
Quelle, WIen Andere Wahrnehmung




