Ziel: inhaltliche Debatten

21. April 2017. Im Interview mit Lena Rittmeyer von der Berner Tageszeitung Der Bund spricht der Regisseur Volker Lösch über seine Arbeit mit Laien-Spielern. Er habe diese Art des Arbeitens für sich erfunden, "da ich mit dem klassischen Abspielen von dramatischen Vorlagen die Welt um mich herum nicht mehr beschreiben konnte", so Lösch. "Meine Arbeit polarisiert, sie hat eine inhaltliche Entschiedenheit, die vielen nicht gefällt."

Gleichzeitig habe die Theaterarbeit mit Laien ja eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen – "Vor 15 Jahren haben nur die Gruppe Rimini Protokoll und meine Teams angefangen, mit Laien zu arbeiten. Heute baut man an jedem kleinsten Stadttheater eine Bürgerbühne auf." Und werde durch die Authentizitäts-Brille trotzdem oft falsch interpretiert, denn seine Laien spielten ja nicht sich selbst, sondern Theaterfiguren, so Lösch.

Dabei sei es nicht in allen Milieus gleich einfach, "Experten des Alltags" zu casten. Eine geplante Produktion mit einem Bankerchor in der Schweiz habe er nach der Finanzkrise absagen müssen – "Die Leute, die froh sind, eine Bühne geboten zu bekommen, sind meistens jene, die Ungerechtigkeit erfahren haben, (...) deren Anliegen von der Gesellschaft ignoriert werden. Wenn man sie ins Theater holt, werden sie auf einmal wahrgenommen."

Er stelle sich Theater im besten Fall so vor, dass es so viel auslöse, "dass man auch am nächsten Tag noch darüber redet". Denn "Aufmerksamkeit befördert inhaltliche Debatten." Aber auch "die gemeinsame Kraft und Identität stärken" sei wichtig "in Zeiten von immer stärkerer Polarisierung".

(sd)

 
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