"Männlicher Zugriff"

1. Juli 2018. Sebastian Hartmanns Inszenierung von "In Stanniolpapier" hat gleich zwei Debatten ausgelöst: die um einen potentiellen Sexismus und die Autoren-Regie-Frage. Den gespielt wird eine stark veränderte Fassung. Woraufhin im Programmzettel das Wort Uraufführung durchgestrichen wurde. Im Interview mit dem "Spiegel" spricht dazu nun Stückautor Björn SC Deigner.

Die gespielte Fassung enthalte nur noch 20 Prozent des Originaltextes, deswegen wurde das Wort Uraufführung durchgestrichen. "Außerdem behauptet Sebastian Hartmanns Inszenierung eine reine Innensicht. Mein Text betrachtet die Hauptfigur nicht von innen, das ist mir gar nicht möglich als Mann", so Deigner im Spiegel (30.6.2018).

Im Text gehe es um Gewalt, das evoziere natürlich Gewalt. Aber dass man die Hauptfigur in eine Opferrolle bringe, "dass man sie so ausstellt, hatte ich nicht erwartet". Die Extremsituationen, in die sich die Schauspieler begeben, ihre Erniedrigung, das sei seinem Text sehr fern. Deigner sagt, er kannte die Fassung, konnte sich aber erst zwei Tage vor der Premiere ein Bild machen (hier die nachtkritik der Premiere bei der Langen Nacht der Autoren). "Natürlich frage ich mich jetzt, warum man erst ein Autorenfestival auslobt und dann diesen sehr starken inszenatorischen Zugriff unterstützt."

Das Stück basiert auf einer realen Geschichte. Auf die Frage, ob er sich nicht selbst den Vorwurf gefallen lassen müsse, für das Stück diese Frau ausgebeutet zu haben, widerspricht er: "Sie wusste über meine Absicht Bescheid, als sie ihre Biografie erzählt hat. Sie war die erste Leserin des Stücks, ihr Einverständnis war mir wichtig."

(sik)

Mehr dazu: 

Linda Pöppel über ihre Rolle einer Prostiuierten in "In Stanniolpapier" am Deutschen Theater Berlin - Interview vom 29. Juni 2018

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