Selbstbestimmtheit, Autorenschaft, Grenzüberschreitung

Berlin, 10. Januar 2020. Für ihre besonderen Verdienste um das deutschsprachige Theater zeichnet die Stiftung Preußische Seehandlung die Schauspielerin Sandra Hüller mit dem Theaterpreis Berlin 2020 aus. Das teilen die Berliner Festspiele mit.

In der Jurybegründung heißt es: "Einerseits würde sie auf die Frage, wer da eigentlich auf der Bühne stehe, wenn sie Hamlet spiele, vermutlich sagen, dass sie sich der Figur zur Verfügung stelle – Sandra Hüller hat einmal den schönen Satz gesagt: 'Ich selber aus mir heraus würde mich ja langweilen mit mir auf der Bühne' –, also Hamlet spiele oder verkörpere, andererseits weiß sie natürlich, dass sie auch als Regisseurin, Dramaturgin, Autorin ihrer Figur auf der Bühne steht und dass Literatur im Theater nicht alles ist. Also einerseits ein wenig Old School – Figurenverkörperung, Literaturtheater, Ensembletheater –, auf der anderen Seite Selbstbestimmtheit, Autorenschaft, Grenzüberschreitung, Neugierde. Das Brot des Stadttheaters und der Glanz der Filmwelt. Extreme Ernsthaftigkeit und waghalsige Unbedingtheit gehören zu ihrem Spiel genau wie ihr leicht spöttischer, freundlich distanzierter Blick auf die Welt und die Dinge, die sie da tut. Ihr Spiel wird immer einfacher dabei und die Kraft und das Geheimnis dahinter immer größer."

Hamlet 10 560 c JU BochumSandra Hüller als Hamlet am Schauspielhaus Bochum © JU Bochum

Der Preisjury gehörten in diesem Jahr die Theaterkritikerin Shirin Sojitrawalla, der Intendant des Theaters Bremen Prof. Michael Börgerding, der Intendant der Berliner Festspiele Dr. Thomas Oberender sowie mit beratender Stimme die Leiterin des Theatertreffens Yvonne Büdenhölzer an.

Der Theaterpreis Berlin wurde 1988 von der Berliner Stiftung Preußische Seehandlung gestiftet und wird seither während des Berliner Theatertreffens jährlich an Personen verliehen, "die Herausragendes für das deutschsprachige Theater geleistet haben", wie es in der Beschreibung des Preises durch die Stiftung heißt. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert. Unter den Preisträger*innen der Vorjahre waren She She Pop, Karin Henkel, Herbert Fritsch, Jens Hillje, Shermin Langhoff und Margit Bendokat. Der Termin der Preisvergabe wird noch bekannt gegeben.

(Berliner Festspiele / geka)


Presseschau

In der Berliner Zeitung (10.1.2019) feiert Ulrich Seidler die Schauspielerin: "Wenn Hüller spielt, lebt ihre Mimik, weil ihr Geist lebt. Sie zeugt von den Zumutungen ihrer Figur und der Situation, in die die Geschichte sie bringt. Und nie ahnt man, in welcher Weise sich die Spannung lösen wird. Beißt sie zu? Bricht sie in Tränen aus? Zwinkert sie eine Katastrophe weg?" Und der Kritiker geht davon aus, dass der Bochumer "Hamlet" zum Berliner Theatertreffen 2020 eingeladen wird.

 
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